Kolumnen
04/28/2021

Kralicek geht essen: Die Macher

Es gibt Macher und Machen-Lasser. Das gilt auch für die Küche. Wiener Schnitzel, zum Beispiel, ist ein Essen, für dessen Zubereitung das Gasthaus in der Regel besser ausgerüstet ist.

von Wolfgang Kralicek

Es gibt Macher und Machen-Lasser. Die Macher machen zum Beispiel im Eigenheim so viel wie möglich selber; Handwerker kommen ihnen nur ins Haus, wenn einmal wirklich was Gröberes ansteht – und da reden wir jetzt davon, dass eine tragende Mauer versetzt oder im Keller ein Pool ausgehoben werden muss. Die Machen-Lasser hingegen können tadellos Glühbirnen (selbstverständlich auch Energiesparlampen!) wechseln und Nägel in die Wand schlagen. So ziemlich alles andere aber überlassen sie Professionisten. Beim Auto beschränkt sich ihre Kompetenz auf Tanken und das Nachfüllen der Scheibenwaschanlage; was darüber hinaus geht, lassen sie Werkstatt oder Pannendienst machen.

Ich bin ein Machen-Lasser. Das Do-it-yourself-Gen, das ich bei vielen – überwiegend männlichen – Zeitgenossen wahrnehme, ist bei mir anscheinend nur schwach ausgeprägt. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass ich handwerklich nicht besonders geschickt bin. Jedenfalls finde ich, dass man sich ruhig von Menschen helfen lassen darf, die etwas gelernt haben. Und dass es ganz grundsätzlich Arbeiten gibt, die bei Profis einfach in besseren Händen sind. Das gilt auch für die Küche. Wiener Schnitzel, zum Beispiel, ist ein Essen, für dessen Zubereitung das Gasthaus in der Regel besser ausgerüstet ist. Ich finde schon allein das viele Öl, das man fürs Rausbacken benötigt, ziemlich mühsam – weshalb es bei mir zu Hause nur selten Schnitzel gibt. Umso lieber bestelle ich im Gasthaus eines!

Die Macher aber machen natürlich auch in der Küche alles selber – auch Sachen, bei denen ich das nicht verstehe. Warum etwa sollte man selbst Brot backen – wenn es Bäcker gibt, die ihr Leben lang nichts anderes gemacht haben? Oder Pizza – wie soll das was werden, ohne Pizzaofen? Manche Küchen-Geeks haben sogar eine Eismaschine zu Hause, damit sie sich ihr Gelato selbst machen können – dabei liegt das nächste tolle Eisgeschäft zumindest in Wien normalerweise gleich ums Eck.

Was die Macher da in ihren Küchen herstellen, ist selten besser als das, was man kaufen kann. Oft ist es nicht einmal billiger. Richtig rational lässt sich dieses Verhalten also nicht erklären.

Das macht es natürlich umso interessanter. Was treibt diese Menschen an? Es gibt darauf mehr als nur eine Antwort; Macher ist nicht Macher, es existieren verschiedene Ausformungen dieses Phänomens.

Erstens: der Neandertaler. Ist tief in seinem Inneren der Jäger und Sammler geblieben, der er schon in der Steinzeit war. Statt auf die Mammutjagd geht er zwar nur noch auf den Wochenmarkt – wobei das für ihn eigentlich dasselbe ist.

Zweitens: der Selbstversorger. Möchte möglichst autark sein, pflanzt im Garten sein eigenes Gemüse an. Hat schon vor dem Lockdown kaum das Haus verlassen, braucht niemanden. Außer den Botendienst, der ihm alles ins Haus liefert, was nicht im Garten wächst.

Drittens: der Kontrollfreak. Vertraut niemandem, nur sich selbst. Weiß eigentlich alles, vor allem aber weiß er eines: Niemand ist perfekt. Deswegen muss er ja alles selber machen.

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