Kolumnen
08/17/2020

Kralicek geht essen: Das Café Bazar

Über das Phänomen, dass Wiener Kaffeehäuser außerhalb von Wien oft besser sind als das Original.

von Wolfgang Kralicek

Als vor 100 Jahren die Salzburger Festspiele gegründet wurden, war das Café Bazar schon fast 40 Jahre da. Und es spricht einiges dafür, dass die Festspiele nicht zuletzt deshalb zur Institution wurden, weil es das Bazar gibt. Sonst fällt mir kein guter Grund ein, ausgerechnet im Hochsommer nach Salzburg zu reisen, um dort in die Oper, ins Konzert und ins Theater zu gehen. Der „Jedermann“? Ich bitte Sie. Die Philharmoniker? Spielen eh das ganze übrige Jahr in Wien. Mozart und Richard Strauss? Kann man überall hören. Aber nirgends kann man am Morgen nach der Aufführung ins Café Bazar gehen und dort auf der Terrasse frühstücken. Es gibt nichts Besseres.

Schon die Lage ist perfekt. Das Bazar befindet sich am rechten Salzachufer, wo es etwas ruhiger ist als im vis-à-vis gelegenen Teil der Altstadt mit Getreidegasse und Festspielbezirk. Und die Salzburger Altstadt ist sowieso viel schöner, wenn man selbst nicht drin ist, sondern von außen auf sie schauen kann – entweder vom Mönchsberg herunter oder vom Ufer der Salzach aus, auf der Bazar-Terrasse sitzend. Wenn ich vormittags ins Bazar gehe, bestelle ich immer das „Frühstück sauer“, das aus einem Salzstangerl mit Butter und zwei Eiern im Glas besteht und in seiner schlichten Delikatesse nicht zu übertreffen ist. Das Einzige, was man daran bemängeln könnte, ist der Name: Sauer ist am „Frühstück sauer“ nämlich eigentlich gar nichts.

Ähnlich wie das Café Traxlmayr in Linz oder das Café Central in Innsbruck ist das Café Bazar eine Art exterritoriales Gebiet: ein Wiener Kaffeehaus im Exil. Für den Wiener Gast besteht der Reiz dieser Lokale auch darin, dass sie in der ungewohnten Umgebung etwas Exotisches haben. Dazu kommt das Phänomen, dass Wiener Kaffeehäuser außerhalb von Wien oft besser sind als das Original. Für das Café Bazar gilt das jedenfalls ganz bestimmt. Man muss schon lange suchen, wenn man in Wien ein vergleichbares Etablissement finden möchte. (Und wenn man eines gefunden hat, dann hat es sicher keine Salzach-Terrasse.) Der Oberkellner ist streng, aber gerecht. Seine kompetenten Kolleginnen und Kollegen sind auch dann noch freundlich, wenn sie in Radlerhosen erschienene Gäste aus dem Lokal komplimentieren („Hier bitte keine Sportkleidung“). Das Zeitungsangebot lässt kaum Wünsche offen, sogar fremdsprachige Weltblätter liegen auf – logisch, die vielen internationalen Künstlerinnen und Künstler, die das Bazar ganz selbstverständlich frequentieren, wollen ja wissen, was über sie geschrieben wird (auch wenn sie das offiziell natürlich nie zugeben würden). Der Duft der frisch gebackenen Mehlspeisen zieht sich verführerisch durch das Lokal. Und anders als in vielen Wiener Kaffeehäusern wird im Bazar sogar der Kaffee so zubereitet, dass er schmeckt.

Dass die Salzburger Festspiele heuer trotz allem irgendwie stattfinden, haben sie dem bewundernswürdigen Fanatismus ihrer Präsidentin zu verdanken. So unwirklich wie die Aussicht erscheint, dass die Festspiele dereinst ohne Helga Rabl-Stadler auskommen sollen, so schwer kann man sich Salzburg ohne Festspiele vorstellen. Ähnlich unvorstellbar sind aber auch Salzburger Festspiele ohne Bazar. Dieses ideale Café, in dem nur das Frühstück sauer sein sollte.

Café Bazar
Schwarzstraße 3, Salzburg
cafe-bazar.at, Tel. 0662/87 42 78
Geöffnet (Festspielzeit) täglich von 7.30 bis 19.30 Uhr, am 9. 8. und 12.–16. 8. bis 24 Uhr

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