Auge in Auge ...

© Heinz Wagner

Kiku
05/28/2019

Wir wollen den Affen nicht ihre Heimat wegnehmen

In Schönbrunn gibt es bei den Orang-Utans eine spielerische Ausstellung über Gefährdung durch Palmöl-Plantagen.

von Heinz Wagner

Vladimir (45) hockt hinter der Glaswand. Ob ihn interessiert, dass auf der anderen Seite eine Ausstellung mit einigen kleinen Spielen über seine Artgenossen und deren natürlichen Lebensraum stattfindet, kann nicht ergründet werden. Aber er kennt den Regenwald ja selbst auch nicht. Ebensowenig wie die zehn Jahre ältere Mota und die vergelichsweise junge Sol (23), die aus anderen Tiergärten nach Wien gekommen sind.

Aber die Zahl seiner frei und wild lebenden Artgenossen oder deren Verwandter - es gibt drei verschiedene Arten der „Waldmenschen“ (von den malaiischen Wörtern „orang“/Mensch und „utan“ oder „hutan“/Wald) - ist schon sehr stark verringert worden.

„Von den Tapanuli-Orang-Utan, der bis dahin unter die Sumatra-Art eingereiht worden war, gibt es nur mehr rund 800 in freier Wildbahn, von der Sumatra-Art ca. 13.000. Am meisten gibt es noch freileibende Borneo-Orang-Utans - zwischen 15 und 45 Tausend geschätzt“, sagt Regina Kramer, Expertin für Artenschutz von Freiland-Tieren und Zoologin im Tiergarten Schönbrunn zum Kinder-KURIER.

kinder_ausstellung6.jpg

kinder_roehren5.jpg

kinder_ausstellung5.jpg

Spielerisch erkunden

Zurück zu der Ausstellung und den Spielen. Hölzerne Teile in großer Tropfenform lassen sich drehen. Auf der Rückseite findest du Bilder von Schokocreme oder Duschgel. Was haben die mit den Orang-Utans und deren natürlichem Lebensraum zu tun?
Sie enthalten alle Palmöl. Das ist seit einiger Zeit sprichwörtlich in aller Mund - nein nicht alles wörtlich, wer schluckt schon Duschgel?

Durchschnittlich elf Mal am Tag benutzen wir Produkte, in denen Palmöl enthalten ist, sagt uns die schonzitierte Fachfrau.

Und was hat das miteinander zu tun, wollen wir natürlich wissen.

„Menschen konkurrieren unmittelbar mit dem Lebensraum Tiefland-Regenwälder der Orang Utans. Dieser Raum ist das fruchtbarste Land. Den will auch der Mensch haben. Mehr dazu im Interview weiter unten.

Weil wir auch so gerne klettern

Der Kinder-KURIER und schauTV dürfen zuschauen, wie sich Ella und Marie Gracher durch die Stationen spielen und informieren. Gegenüber von den „Öl-Tropfen“ mit den Produktbildern sind drei Guck-Röhren angebracht. Was da zu sehen ist? Die beiden Schwestern erklären’s: „Bei der einen Röhre siehst du ein Bild vom Regenwald wie er natürlich ist, bei der zweiten wie er abgehackt wird und bei der dritten kein Regenwald, sondern nur mehr Ölpalmen stehen.

Diese Entwicklung zeigen sie uns auch in einem großen Buch, das sie für die Kamera durchblättern - sozusagen von Gut nach Böse. So manches war für sie nicht wirklich neu. Das wussten sie von ihrer großen Schwester, die bei Greenpeace arbeitet, verraten sie dem KiKu. „Und wir wollen den Affen nicht ihre Heimat wegnehmen.“

Die Frage nach dem Warum, beantworten sie spontan: „Weil wir Affen mögen.“
Warum mögt ihr Affen?
Weil wir auch so gerne klettern...

Zwei Jugendliche dachten/denken um

Der Kinder-KURIER war vor zwei Jahren im Zuge einer Reportage über die Science-Fair, eine jährliche Ausstellung wissenschaftlicher Projekte der Schüler_innen der 4. Klassen im Gymnasium Sacré Coeur, auf Regina Delić und Anna Popadić gestoßen. Sie hatten mit einer weiteren Kollegin ein Projekt zu Palmöl gemacht und in dabei auch selbst Schokocreme - ohne Palmöl - hergestellt. Die beiden waren dabei so angefixt von ihren Recherche-Ergebnissen und Erkenntnissen, dass sie auch heute noch beim Einkaufen darauf achten.

Mehr dazu im folgenden Interview.

Follow@kikuheinz

Hier der schauTV-Beitrag

gedreht von Bernd Schäffer