Screenshot der Homepage "Worte statt Noten"

Screenshot der Homepage "Worte statt Noten"

© Gemeinsam.Zukunft.Lernen

Kiku
02/05/2021

Semesterzeugnis in West- und Südösterreich: „Worte statt Noten!“

Vorarlberger Initiative „Nein zum Notenzwang“ lädt ein, Kindern und Jugendlichen wertschätzende verbale Beurteilungen auf einer eigenen Homepage zu schreiben.

von Heinz Wagner

Seit Mitternacht (4. auf 5. Februar 2021) kannst du/können Sie (nicht nur) Vorarlbergern Kindern und Jugendlichen eine verbale Beurteilung zum Semesterende schreiben - online. Die Lustenauer Initiative Gemeinsam.Zukunft.Lernen hat zum Zeugnistag eine neue Homepage gelauncht, Motto: Worte statt Noten.

Die Aktion nimmt – wie schon vorangegangene Aktionen dieser und anderer Initiativen - die zwangsweise Wiedereinführung der Ziffernnoten schon in der Volksschule aufs Korn. Zugespitzt spiele sich dies im Corona-Jahr ab. Denn was werde da überhaupt benotet? Leidensfähigkeit? Durchhaltevermögen? Der kaum zu überprüfende nachhaltige Lernerfolg? Die Eltern und deren Home-Schooling-Kompetenzen? Die IT-Ausstattung in den jeweiligen Haushalten?

Wertschätzende Rückmeldungen

„Statt Kinder und Jugendliche mit diesen vielen Fragen alleine zu lassen, möchten wir ihnen ein Zeugnis zukommen lassen, wie sie es verdienen: Eine wertschätzende Rückmeldung zu ihren, in diesem außerordentlichen Schuljahr so außerordentlichen Leistungen“, schreibt die Obfrau des genannten Vereins, Simone Flatz, in einer Medieninformation. Sie fordert „wertschätzende, ermutigende Worte statt nichtssagender Ziffern. Denn eine Leistung auf eine Note zu reduzieren wird dem Menschen nicht gerecht.“

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Notenzwang ist ein Bildungsvirus

Der Lustenauer Verein Gemeinsam.Zukunft.Lernen hat vor einem Jahr die Online-Petition „NEIN zum Notenzwang. JA zur Wahlfreiheit der Leistungsbeurteilung" gestartet und mehr als 12.000 Unterschriften gesammelt. Mit vielen anderen Organisationen kämpft der aus Lehrer*innen und Eltern bestehende Verein für eine an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierte Bildungspolitik und eine kindgerechte Leistungsrückmeldung: Dialogisch, differenziert, individuell. Beziehung und Selbstwert stärkend. So wie der Unterricht selbst.

„Es sind politische Motive, am Ziffernnotenzwang festzuhalten, und nicht bildungswissenschaftliche. Ziffernnoten sind weder objektiv noch fair“, ist Birgit Sieber-Mayr, Lehrerin an der VS Kirchdorf und Mitinitiatorin, überzeugt. „Unter ihrem Druck und ihrem Vergleich können Kinder krank werden. So gesehen sind sie wie ein Bildungsvirus. Nur dass wir in seiner Bekämpfung nicht auf die Wissenschaft hören."

Worte statt Noten ab/seit 5.2. online

Mit der Aktion „Worte statt Noten“ wollen die Initiator*innen eine solche wertschätzende Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler ermöglichen und gleichzeitig einmal mehr darauf hinweisen, dass Ziffernnoten ausgedient haben. Nicht nur in Corona-Zeiten, auch wenn ihre Absurdität gerade jetzt besonders augenscheinlich ist.

Jede und jeder kann auf dieser Homepage – hoffentlich wertschätzende – verbale Beurteilungen an Kinder und Jugendliche raufladen. Selbstverständlich gibt es eine Redaktion, die die Uploads sichtet, bevor sie weltweit im Netz erscheinen, so die Obfrau auf Rückfrage des Kinder-KURIER.

Follow@kikuheinz

wortestattnoten.at

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