Leere Schultische vor dem UNO-Hauptquartier in New York

168 leere Schultische - und schwere Rucksäcke auf den Sesseln - als Symbol für 168 Millionen Kinder weltweit, die seit fast einem Jahr nicht in der Schule sein durften

© APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

Kiku
03/03/2021

"Pandemisches Klassenzimmer": Mehr als 168 Millionen Kinder seit einem Jahr ohne Schule

UNICEF enthüllt symbolisch 168 leere Schultische vor dem UNO-Hauptquartier, um aufmerksam zu machen, dass Regierungen der Wiedereröffnung von Schulen Vorrang einräumen müssen.

von Heinz Wagner

Zu den rund 260 Millionen Kindern weltweit, die keine Chance auf eine Schulbildung haben, kamen in der Pandemie weitere 168 Millionen, die seit einem Jahr fast keine Schule hatten. Weitere 214 Millionen Kinder haben ¾ ihres Unterrichts verpasst. Ferner haben 1,3 Milliarden junge Menschen auf der Welt zu Hause keinen Internet-Anschluss – darin sind großteils die eingangs genannten 260 Millionen schon dabei.

Ein Teil dieser Zahlen stammt aus dem Bericht „Analysis of School Closures" („Analyse von Schulschließungen“) des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF. Zwei Drittel dieser Länder mit ganz oder weitgehende geschlossenen Schulen befinden sich demnach in Lateinamerika und der Karibik, wovon fast 98 Millionen Schulkinder betroffen sind. Allerdings lagen UNICEF kaum bis keine Daten oas Ost-, West- und Südafrika vor.

„Während wir uns der Ein-Jahres-Marke der COVID-19-Pandemie nähern, werden wir erneut an den katastrophalen Bildungsnotstand erinnert, den die weltweiten Schließungen verursacht haben. Mit jedem Tag, der vergeht, fallen Kinder, die keinen Zugang zu einer persönlichen Schulbildung haben, weiter zurück, wobei die am stärksten Ausgegrenzten den höchsten Preis zahlen“, sagte jüngst Henrietta Fore, die UNICEF-Exekutivdirektorin. „Wir können es uns nicht leisten, in das zweite Jahr zu gehen, in dem diese Kinder nur eingeschränkt oder gar nicht in der Schule lernen können. Es sollten keine Mühen gescheut werden, um die Schulen offen zu halten oder ihnen in den Plänen zur Wiedereröffnung Priorität einzuräumen.“

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore

Pandemisches Klassenzimmer

Um die Aufmerksamkeit auf den Bildungsnotstand zu lenken und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Regierungen Schulen offen halten oder ihnen bei Wiedereröffnungsplänen Vorrang einräumen müssen, hat UNICEF das „Pandemische Klassenzimmer" enthüllt. Dies ist ein Modell-Klassenzimmer, das aus 168 leeren Tischen besteht. Jeder Tisch steht für eine Million Kinder, die in Ländern leben, in denen Schulen fast vollständig geschlossen wurden – eine Erinnerung an die Klassenzimmer in jedem Winkel der Welt, die leer bleiben.

„Dieses Klassenzimmer repräsentiert die Millionen von Zentren des Lernens, die leer stehen – viele für fast ein ganzes Jahr. Hinter jedem leeren Stuhl hängt ein leerer Rucksack – ein Platzhalter für das hinten angestellte Potenzial eines Kindes“, so Fore. „Wir wollen nicht, dass verschlossene Türen und geschlossene Gebäude die Tatsache verschleiern, dass die Zukunft unserer Kinder auf unbestimmte Zeit aufgeschoben wird. Diese Installation ist eine Botschaft an die Regierungen: Wir müssen der Wiedereröffnung von Schulen Priorität einräumen, und wir müssen der Wiedereröffnung in besserem Zustand als zuvor Priorität einräumen.“

Wenn die Schulkinder in ihre Klassenzimmer zurückkehren, werden sie Unterstützung brauchen, um sich wieder einzugewöhnen und den Lernstoff aufzuholen. Die Pläne für die Wiedereröffnung von Schulen berücksichtigen, dass die verlorene Bildung der Kinder wiederhergestellt wird. UNICEF fordert die Regierungen auf, die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Schulkindes in den Vordergrund zu stellen und mit umfassenden Angeboten in den Bereichen Nachhilfeunterricht, Gesundheit und Ernährung sowie psychischer Gesundheit und Schutzmaßnahmen in den Schulen, um die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen zu fördern.

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