Kiku
12.11.2018

Kleiner großer Nabel der Hochzeitsmode

Das Hochzeits- und Modehaus Steinecker mit Zentrale in Randegg (NÖ) setzt auf qualifiziertes Personal und dessen Ausbildung. Nun auch mit SchauTV-Beitrag.

Am Beginn dieser Reportage stand meine freche, provokante Frage: „Muss das nicht fad sein, in Randegg Hochzeitskleider zu verkaufen?“ Gestellt beim Bundesbewerb der Handelslehrlinge, genannt Junior Sales Champion (10. Oktober 2018) an Julia Martin und Julia Grabner. Die Erste war Finalistin in diesem Jahr, die Zweitgenannte wurde im Vorjahr Zweite im Bundesbewerb und gewann den internationalen deutschsprachigen (neben Österreich noch Südtirol, Schweiz und Bayern) Bewerb. Beide kommen aus dem Modehaus Steinecker. Dessen Zentrale steht im besagten Randegg, keine 1900 Einwohner_innen, am westlichen Rande des Bezirks Scheibbs (NÖ). Nächste größere Stadt ist Amstetten.

„Nein, wir sind ständig ausgebucht, praktisch alles nur Terminvereinbarungen“, rückt Julia Grabner, seit einem Jahr ausgelernt, aus dem Stammhaus, den hauptstädtischen ignoranten Blickwinkel zurecht. „Zu uns kommen Bräute bis aus Linz oder sogar Wien – weil wir so umfangreich beraten.“

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Lokalaugenschein

Dem wollen wir auf den Grund gehen, das heißt natürlich fahren. Rund drei Wochen später also mit einer Kollegin von SchauTV (wird am 13. November 2018 veröffentlicht) Reise von Wien nach Randegg. Wirklich ein kleiner dörflicher Ort. Aber gegenüber der Kirche erhebt sich ein beachtliches und doch von außen dezent gestaltetes Modehaus mit viel Glas in der Fassade und in der Abteilung Brautkleid sogar im Dach. Hell und tageslichtdurchflutet. In der Brautkleid-Zentrale hängen an den Seitenwänden Hunderte weiße, elfenbein- (Ivory) und champagne-farbene Hochzeitskleider in verschiedensten Stilen und Konfektionsgrößen. Gegenüber vier geräumige halbrunde mit Schiebewänden verschließbare Beratungsräume für die jeweilige Braut und ihre bis zu vier Begleiterinnen (Mütter, Schwestern, Freundinnen...) und natürlich die jeweilige Fachkraft – alles in einer jeweils wohnzimmerartigen, familiären Atmosphäre und noch zusätzlich acht kleinere Beratungsplätze.

Wie lange dauert die Beratung?
Julia Grabner: Ich sag, einmal aussuchen, einmal Brautkleid-Beratungstermin, einmal Abstecken – das Ganze wird dann angepasst und dann kommen sie’s abholen. Schlussendlich wird’s dann noch einmal aufgebügelt, probiert und dann noch einmal fertig perfektioniert.

Wie lang dauert das für eine Kundin?
Der Beratungstermin dauert so zweieinhalb Stunden, aber insgesamt bedienst du eine Kundin so zwischen sieben und acht Stunden.

Fotos vom Modehaus Steinecker in Randegg

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Julia Grabner in ihrem Element, ...

....bei der Brautmode

Julia Martin, spezialisiert auf Herrenmoden, zeigt dem Bereichsleiter Matthias Seifert, was sie empfehlen würde

Die beiden mittlerweile ausgelernten Verkäuferinnen ...

.... ziehen eine männliche Kleiderpuppe um...

... und lassen sich dabei filmen

Beim gustieren von Kombis für Männermode...

....

... unser Gesprächstrio beim ...

... digitalen Dienstplan des Unternehmens...

... und Julia Grabner vereinbar via Headset einen Termin mit einer Kundin

Zwischen dem ersten Mal herkommen und dem Abholen des Brautkleides vergehen wie viele Wochen?
Die Bräute kommen so zwischen acht bis zehn Monate vor der Hochzeit. Abstecken ist dann so ca. drei bis vier Monate vor der Hochzeit, das Abholen so zwischen zwei Wochen und einem Monat vor der Hochzeit.

Das heißt ich kann nicht sagen, ich heirate morgen und hol mir ein Kleid?
Das ist schon auch möglich. Es ist aber nicht mehr der Trend zu so spontanen Hochzeiten, es ist eher das Ausgeschmückte, sprich, dass du die Hochzeits-Location genau und gut aussuchst. Wenn du eine gute haben willst, musst du früh dran sein. Genauso ist es bei den Brautkleidern auch.

Es ist schon möglich, nächste Woche zu heiraten. Wir haben genug Kleider da, auch die Größen, auch die Auswahl und auch die Schneiderei, die das dann perfekt anpasst.
Und dennoch kosten die Kleider „nur“ zwischen 1.000 und 2.000 Euro, die Beratung ist im Preis inkludiert.

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Wieso Randegg?

Jetzt ist Randegg, sagen wir mal, doch ein eher kleiner Ort, hier sind viele Brautkleider zu sehen. Wie kommt das?
Wir haben ein relativ großes Einzugsgebiet. Es fahren Linzer, es fahren Wiener Bräute zu uns. Das Ganze ist am Land, aber wir haben 600 bis 700 Kleider. Das ist eine Riesenauswahl, die kriegst du in der Stadt nicht.

Wie kam das in so einem doch recht kleinen Ort?
Das hat sich mit der Zeit entwickelt, dass immer mehr Leute offen sind, so weit zu fahren. Hier haben sie den Service, die Beratung, das ganze Ambiente das macht es für sie Wert, so weit zu fahren.

Wenn sich die Kundinnen bei uns im Haus schon generell wohlfühlen, dann macht’s die Beratung aus. Und die Kompetenz erwirbst du dir durch die Arbeit hier, je länger zu hier bist, umso kompetenter wirst du. Die beste Praxis ist die Fachpraxis. Und du hast eine Freude, wenn die Braut dann mit einem Lächeln außer Haus geht und sagt, sie freut sich auf den nächsten Termin und fragt: „Kann ich auch wieder zu Ihnen kommen, das hat mir voll gefallen?“

Wie haben Sie sich diese Kompetenz der Beratung erarbeitet?
Durch Fachpraxis, du schaust als Lehrling schon bei Kolleginnen mit, lernst viel, aber es geht dann doch darum, einen eigenen Stil zu entwickeln. In der Lehrzeit siehst du verschiedene Beratungstypen, du musst dann aber dein Eigenes finden.

Werden die Kleider dann noch verändert, angepasst?
Wir haben viele verschiedene Kleider in vielen verschiedenen Konfektionsgrößen. Wir haben aber eine tolle Änderungsschneiderei, die das Kleid dann an die jeweilige Braut anpasst.

Hier im Geschäft?
Genau direkt unter uns ist die Schneiderei, die ändern dann auch Herrenanzüge, Damenkleider oder eben auch Brautkleider. Wir haben Spezialistinnen, die sich darum kümmern, dass das Brautkleid am Schluss ganz perfekt passt.

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Ausbildung

Sie haben hier gelernt?
Ich bin aus Randegg, habe hier meine Lehre gemacht, war schon auch in anderen Standorten von Steinecker (mehr als ein Dutzend Filialen bis Salzburg, Graz und Wien), aber gearbeitet hab ich nur hier.

Sie waren im Vorjahr ja bei den Bewerben sehr erfolgreich, wie haben Sie sich vorbereitet?
Die beste Vorbereitung ist im Geschäft, direkt an den Kunden den Können und Wissen „auszuprobieren“. Was du auf der Bühne zeigst, ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem was du im Geschäft zeigst. Du musst dann ein bissl eingrenzen, Nervosität hat jede/r und du musst auch ein bissl Mut beweisen, damit du dein Verkaufsgespräch möglichst authentisch rüberbringst.

Sie haben dort auch ein Brautkleid verkauft?
Genau, ich hab dort einem Herren ein Brautkleid verkauft, zehn Minuten lang, was auch sehr untypisch ist. Aber es hat alles super funktioniert.

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Warum Verkäuferin?

Warum haben Sie diesen Beruf erwählt?
Weil ich immer schon gern zu Menschen Kontakt haben wollte, sowohl zu Kolleg_innen als auch zu Kund_innen. Mir taugt genauso diese Flexibilität zwischen Ware und Kund_innen und genauso, dass du den Kund_innen eine Freude machst mit dem was du eigentlich kannst.

Sie sind jetzt ausgelernt?
Genau, ich bin seit einem Jahr fix und fertig ausgelernt, hab einige Bewerbe gehabt und jetzt direkt im Geschäft tätig und komm jetzt in die nächste Sparte rein, ich bin jetzt auch direkt im Einkauf tätig.

Und Sie werden hier in Randegg bleiben?
Natürlich, aber ich wird jetzt auch mehr in die Filialen fahren, auch nach Salzburg und Wien, aber ich fühl mich in Randegg einfach am wohlsten, da hab ich am meisten Freude.

Interviews mit einer Kollegin, Julia Martin, die auch über das Modul Persönlichkeitsentwicklung in der Ausbildung spricht sowie mit Bereichsleiter Matthias Seifert, der allgemein über Personal und Qualifizierung spricht und mit Jörg Schilielin vom Bildungspolitischen Ausschuss der Wirtschaftskammer fim folgenden als eigene Beiträge:

Beitrag auf SchauTV

gedreht, geschnitten und gesprochen von Corinna Pumm

Einblicke in den Geschäftsalltag

Historische Bilder von Steinecker

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Die handschriftliche erste Urkunde

Das Haus bei der Gründung 1910 ...

... un den Folgephasen

...

...

... bis heute

Die ersten beiden Generationen...

... so wie die dritte und nunmehrige vierte Generation

Für ein bisschen Verwirrung sogt die Unterschrift unter diesem Foto, beide wurden geboren, als die Greißlerei schon aufgesperrt hatte