Das Brettspiel "Virusalarm in Bleibhausen"

Das Brettspiel "Virusalarm in Bleibhausen"

© Anna Stöcher

Kiku
11/24/2020

Gratis-Brettspiel: "Virusalarm in Bleibhausen"

Einfaches, aber doch variantenreiches Simulationsspiel von Wissenschafter_innen über Virus-Verbreitung - zum Download bzw. kostenlosen Versand.

von Heinz Wagner

Bleibhausen, sicher nicht zufällig so genannt, ist ein kleiner Ort. Heimat eines kleinen Simulations-Brettspiels, in dem es um „Virusalarm“ geht. Spielfeld ist ein A3-Blatt. Platz haben – aufgedruckt - eine Schule, eine Sporthalle, ein großes Kongreßhaus, ein Restaurant – und als größtes Gebäude die Klinik Bleibhausen. Die Spielfiguren – 100 Einwohnerinnen und Einwohner – sind runde Kreise auf einem Bogen, vorgestanzt. Das heißt eigentlich auf zwei Bögen. Die 100 Leute gibt’s sozusagen doppelt – einmal weiß als gesund und ein zweites Mal orange mit dem neuen NOSO-Virus (NOch SO ein Virus) angesteckt.

Zu Beginn tauchen zwei NOSO-Infizierte nach einem Skiurlaub in Bleibhausen auf und besuchen die diversen Gebäude. Wo sie auf weiße Kreis-Bewohner_innen treffen, stecken sie diese an. Die weißen Figuren werden aus dem Spiel genommen und durch orange-farbene ersetzt.

Unten am Spielfeldrand eine Zeitleiste mit bis zu zehn Tagen. Das Spiel, entwickelt von Wissenschafter_innen des IST Austria (Institute of Science and Technology/Institut der Wissenschaft und Technologie) und des deutschen Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön entwickelt. Es kann kostenlos beim IST Austria bestellt, oder von dessen Homepage runtergeladen und ausgedruckt werden – Link unten.

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12-jähriger Testspieler

Der 12-jährige Kiran Lennon hat es schon mehrmals gespielt und erzählt dem Kinder-KURIER: „Ich hab bei dem Spiel gelernt, wie schnell sich das Virus verbreitet. Vorher hätte ich gedacht, das wird schon mehrere Tage dauern, aber als wir es gespielt haben, waren fast immer schon nach ein oder zwei Tagen alle 100 Leute angesteckt.“

Trotzdem werde das Spiel nicht so schnell fad, „weil es ja zwei verschiedene Varianten gibt – die reine Simulation und die Challenge, bei der du Politikerin oder Politiker bist und entscheiden kannst oder sollst, das eine oder andere Gebäude zu sperren, damit du die Infektion verhinderst. Diese Variante bevorzuge ich“, sagt der Wiener Gymnasiast.

„Schon von Anfang an hab ich mich für Wissenschaft interessiert“, vertraut er dem KiKu an. Die Nachfrage, was „von Anfang an“ bedeute, beantwortet er so: „Ab vier oder fünf Jahren, da hab ich Universum-Folgen geschaut und war davon ganz hingerissen.“ Biologie und Simulationen sind etwas „für das ich mich sehr interessiere. An dem Spiel gefällt mir, dass man dabei etwas lernt, indem man spielt“.

Und „Virusalarm in Bleibhausen“ wird gemeinsam gespielt, etwas das Kiran Lennon auch beim Home-Schooling abgeht. „Ich brauch die sozialen Kontakte“. Insofern vermisst er auch seine Freizeit-Vorlieben, Sport wie Rugby und TaeKwonDo. Als Ersatz läuft er jetzt öfter mit seinen Eltern „und gelegentlich treffe ich Freunde im Park“.

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Vorteile des analogen Spiels

„Das zeitaufwändigere Spielen mit Chips und einem Stadtplan hat – gegenüber schnellen Onlinesimulationen oder Computerspielen ähnlicher Art – den Vorteil, dass während des Auflegens und Zählens von Chips mehr Zeit besteht, Beobachtungen zu verinnerlichen“, sagt Magdalena Steinrück, am IST Austria verantwortlich für die Umsetzung des Spiels.

Zu Diskussionen anregen

Wie Steinrück berichtet, stellen Kinder beim Spielen oft schnell fest, dass einige Aspekte des Spiels unrealistisch sind oder machen direkt Vorschläge, wie man durch weitere Regeln das Spiel realitätsnäher machen kann. Dies wird auch durch Fragenkarten unterstützt, wie z.B. „In der Realität stecken sich Menschen in der Nähe eines Infizierten leichter an als welche, die sich im gleichen Gebäude weiter weg befinden. Wie könntet Ihr das nachspielen?“ oder auch „Wie würde der Ausbruch verlaufen, wenn die Hälfte aller Menschen geimpft wäre?“

Auf diese Weise eignet sich das Spiel hervorragend dazu, sobald es möglich ist, im Unterricht die aktuelle Lage zu diskutieren und Verständnis für bestimmte Maßnahmen zu wecken. Gleichzeitig werden die Grenzen derartiger Simulationen und Modelle sichtbar. Ganz nebenbei lernen die Kinder außerdem, wie man mit Tabellen und Datenblättern umgeht und Diagramme erstellt.

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Für Schulen, Jugendgruppen oder zuhause

Das Spiel richtet sich an Jugendliche ab ungefähr 12 Jahren und kann – sobald wieder möglich - im Unterricht in unterschiedlichen Fächern eingesetzt werden. „Wir können uns einen Einsatz im Biologie- und Mathematikunterricht gut vorstellen, aber auch im Bereich soziales Lernen oder Philosophie ergeben sich interessante Möglichkeiten“, so Steinrück, die es auch für Jugendgruppen aller Art empfiehlt.

Aber schon bis dahin, können Eltern gemeinsam mit ihren Kindern spielen. Das Spiel kann über die IST Austria Webseite gratis bestellt werden – zugeschickt oder runtergeladen. Das zugesandte hat den Vorteil, dass die Bewohner-Kreise schon vorgestanzt sind ;) Zur Gratis-Bestellung oder zum kostenlosen Download geht es hier

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