Kaum jemand entkommt im Herbst oder Winter einer Erkältung.

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Gesund
10/01/2019

Nasse Haare bis Vitamin C: 9 Erkältungsmythen im Check

Sinn oder Unsinn? Ein Experte klärt über gute Ratschläge und gut gemeintes Halbwissen auf.

von Marlene Patsalidis

Die spätsommerlichen Temperaturen trügen: Schnupfen, Husten und Halsschmerzen haben aktuell wieder Saison. Geht es darum, den Nachwuchs vor einer leidigen Verkühlung zu schützen, verlassen sich Eltern gerne auf vererbte Ratschläge.

Dass diese manchmal jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren, scheint nebensächlich: In einer US-Umfrage aus dem vergangenen Jahr gaben sieben von zehn Elternteilen an, auf Präventionsmaßnahmen zu setzen, für die es keine Beweise gibt.

Verkühlt man sich nun, wenn man mit nassen Haaren nach draußen geht? Ist Schnäuzen ungesund? Und lässt sich eine Erkältung in der Sauna ausschwitzen? Wie viel Wahrheit in diesen Überlieferungen steckt, erklärt Ernest Zulus, ärztlicher Leiter des Ärztefunkdienstes in Wien.

1. Nie nass rausgehen

"Von nassen Haaren allein bekommt man keine Erkältung, da braucht es schon entsprechende Erreger", sagt Zulus. Allerdings kühlt der Körper an der frischen Luft schneller aus, wenn Kopfhaut und Haare noch feucht sind. Das schwächt das Immunsystem, "was wiederum dazu führen kann, dass Viren ein leichteres Spiel haben".

2. Kälte macht krank

Auch wetterbedingte Kälte löst noch keinen Infekt aus. "Trockene Heizungsluft schwächt im Herbst und Winter aber die Schleimhautbarriere, Viren können dann leichter in den Körper eindringen und eine Erkältung auslösen", sagt Zulus. Seine Tipps: Wer sich gesund ernährt und regelmäßig Sport treibt, profitiert von einem robusten Immunsystem.

3. Antibiotika schaffen Abhilfe

"Stimmt nicht, die bringen überhaupt nichts", sagt Zulus. Erkältungen (grippale Infekte) und die Grippe sind virale Erkrankungen. Sie werden also durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Erkrankungen, etwa bei einer Mandelentzündung, Angina, Bronchitis oder einer bakteriellen Lungenentzündung. "Bei den üblichen Erkältungskrankheiten sind sie wirkungslos, die Einnahme kann sogar dazu führen, dass die Darmflora zerstört und die Immunabwehr erst recht gehemmt wird."

4. Heiße Zitrone heilt

Dass das flüssige Hausmittel dank Vitamin C die Genesung fördert, "ist wissenschaftlich nicht belegt", warme Getränke zu trinken aber zumindest "nicht kontraproduktiv". Ausreichend wissenschaftlich gesichert ist laut Zulus, dass die Wirkstoffe in Zink und Thymian Erkältungen schneller abklingen lassen. Oft werde fälschlicherweise angenommen, dass Multivitamin-Präparate zur Vorbeugung taugen: "Das bringt wenig und kostet nur viel." Eine ausgewogene Ernährung versorge den Organismus ausreichend mit Vitaminen. Manche Multivitamin-Präparate enthalten bestimmte Vitamine zudem überdosiert, was negative Effekte haben kann. "Ein Vitaminmangel sollte nur gezielt und in Absprache mit einem Arzt ausgeglichen werden."

5. Einfach ausschwitzen

Wer erkältet ist, sollte Sauna und Fitnessstudio meiden. "Das belastet den Kreislauf unnötig", sagt der Experte. In gesundem Zustand ist beides ratsam. Sport – vor allem Ausdauersport im Freien – hat einen nachgewiesenen positiven Effekt auf die Abwehrkräfte.

6. Schnäuzen ist schlecht

"Das stimmt so nicht. Den Schleim hochzuziehen ist insofern schlecht, weil dieser so in die Nebenhöhlen gedrückt wird, die sich verstopfen können." Das könne eine Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen. "Generell sollte man den Schleim also lieber ins Taschentuch befördern."

7. Impfen schützt

"Nein, die Grippeimpfung hilft nur gegen die klassische Grippe", sagt Zulus. Diese verläuft meist schwer, wird von Fieber begleitet und setzt bis zu zwei Wochen außer Gefecht. Auch eine Erkältung kann unangenehm sein. Sie verläuft aber milder, man ist nach ein paar Tagen wieder fit.

8. Hand vorhalten hilft

"In die Handflächen zu niesen und husten ist nicht empfehlenswert. Denn übers Händeschütteln können Viren weitergetragen werden. Besser wäre es, in den Ellenbogen zu niesen." Regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht.

9. Bettruhe ist unnötig

"Im Bett erholt es sich zweifelsfrei am besten", sagt Zulus. Zwei bis drei Tage Krankenstand sind ratsam, "bis die Symptome abgeklungen sind". Zuhause gilt: Warm einpacken und viel trinken – "auf Medikamente kann im Grunde verzichtet werden".