Der gesamte Mittlere Westen der USA wird derzeit von arktischer Kälte heimgesucht.

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Gesund
02/01/2019

Extreme Kälte: Ab wann es für den Menschen gefährlich wird

Die Kältewelle in den USA hat bereits Todesopfer gefordert. Wann und warum Temperaturen unter Null gefährlich werden können.

In den USA wütet derzeit die Kälte. Besonders stark betroffen ist der Mittlere Westen – dort wurden diese Woche mancherorts bereits bis zu minus 40 Grad Celsius gemessen.

Derart markante Kälteeinbrüche kommen in Österreich äußerst selten vor. Laut ZAMG kommen Phasen mit Eistagen, also ganztägig Temperaturen unter 0 Grad, im Großteil Österreichs immer wieder vor. Statistisch gesehen alle zwei bis drei Jahre. Seltener sind Kälteeinbrüche, bei denen es in den Nächten auch in tiefen Lagen verbreitet auf minus zehn bis minus 20 Grad und tiefer abkühlt. Zuletzt wurden Ende Februar des vergangenen Jahres hierzulande vereinzelt unter minus 20 Grad gemessen.

Der brutale Kälteeinbruch hat in den USA jedenfalls bereits Todesopfer gefordert. Bis Mittwoch starben bereits acht Menschen an den Folgen der Kälte, wie der Sender ABC berichtete.

Vergangenes Wochenende wurde ein 22-jähriger Mann tot vor seinem Haus in Minnesota aufgefunden, berichtet CBS Minnesota. Der Mann namens Ali Gombo wurde wohl von Freunden nach einem Fortgehabend dort abgesetzt. Weil der junge Mann weder Schlüssel bei sich hatte noch die verschlossenen Fenster öffnen konnte, erfror er.

Dieser und andere tragische Todesfälle zeigen deutlich, wie gefährlich Temperaturen und Null für den Menschen sein können.

Akute Hypothermie

"Hypothermie ist ein medizinischer Notfall, der eintritt, wenn der Körper schneller Wärme verliert, als er diese produzieren werden. Wenn die Körpertemperatur sinkt, können Herz, Gehirn und die inneren Organe nicht mehr funktionieren. Ohne aggressive Wiederbelebung und schnelles Aufwärmen überlebt man das nicht", erklärt Robert Glatter, Notarzt im New Yorker Lenox Hill Hospital gegenüber CBS News.

Hypothermie setzt ein, wenn die Körpertemperatur von normalen 36 bis 37 Grad Celsius auf etwa 35 Grad fällt. Der Körper fährt dann alle Stoffwechselvorgänge schlagartig runter. Herz- und Atemfrequenz verlangsamen sich. Begleitet wird dieser zustanden von Verwirrtheit und Schläfrigkeit.

"Ohne schnelles Aufwärmen verlangsamen sich Herzfrequenz und Atmung sogar noch weiter, was zu einer schlechten Blutversorgung von Hirn, Herz und Extremitäten führt, was tödlich ist", weiß Glatter.

Bei Temperaturen von minus 40 Grad kann sich dieser Zustand binnen weniger Minuten entwickeln – insbesondere dann, wenn man nicht richtig gekleidet ist und Kopf, Hände, Finger und Gesicht der Kälte schutzlos ausgesetzt sind.

Wie lange es dauert, bis jemand erfriert, hängt von den genauen Wetterbedingungen und der Kleidung des Betroffen ab. Das Eintreten des Todes innerhalb von einer Stunde sei laut Glatter aber jedenfalls zu erwarten. Ältere Menschen und Säuglinge sind besonders gefährdet.

"Paradoxes Entkleiden"

Ali Gombo wurde von einem Nachbarn gefunden. Fußspuren führten zu allen Fenstern des Hauses, an den Türen wurden Blutspuren sichergestellt. Außerdem fanden die Einsatzkräfte Kleidungsstücke des US-Amerikaners im Garten. Es klingt paradox, tatsächlich führt Hypothermie im Endstadien bei Betroffenen aber oft dazu, dass sich diese entkleiden. Betroffene haben Experten zufolge das Gefühl zu berennen. Das Phänomen hat auch einen Namen: "paradoxes Entkleiden".

Dabei beginnen sich Betroffene auszuziehen, obwohl ihr Körper bereits unterkühlt ist. Bei großer Kälte ziehen sich die Gefäße in den Armen und Beinen stark zusammen, um Blut zu den lebenswichtigen Organen zu leiten. Bevor der Tod eintritt, weiten sich die Gefäße und das Blut schießt zurück in die Extremitäten. Dem Betroffenen wird dann warm und er beginnt zu schwitzen.

So schützen Sie sich vor Erfrierungen

Eine weitere Gefahr bei kaltem Wetter stellen Erfrierungen dar. Bei extremer Kälte können exponierte Hautstellen innerhalb von Minuten Schaden davontragen.

"Das kann vor allem die Nase, das Kinn, die Ohren, die Finger oder die Zehen betreffen. Diese sollte man daher unbedingt bedeckt halten", schildert Kardiologin Tara Narula. Sobald man Taubheit, Kribbeln oder Brennen in diesen Körperteilen feststellt, solle sich sofort in ein Krankenhaus begeben.

Die haut dürfen keinesfalls mit heißen Wasser erwärmt werden. Davon betroffene Körperstellen direkt über den Heizkörper zu halten, rät die Expertin ebenfalls mahnend ab. "Am besten man erwärmt die Finger mit Körperwärme, man man sie unter die Achseln hält."

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