Genuss
15.09.2017

Trattoria Pulcinella: Hauchdünn und trotzdem eine Pizza

Hauben-Gastronom Roberto d'Atri will mit seiner neueröffneten Pulcinella Gusto auf römische Pizza machen.

Das Restaurant-Imperium von Roberto d'Atri ist um ein "kleines Küken" reicher – gestern Abend eröffnete die Trattoria Pulcinella im ehemaligen La Marée am Naschmarkt. Der Name bedeutet zwar übersetzt Küken, allerdings steht er in Italien natürlich für den ungeschickten, gefräßigen Diener der Commedia dell’arte, der meist eine Maske mit Vogelnase auf der Bühne trägt. Die Pizzen nach römischer Art – dünn und schön knusprig – werden in einem Steinofen gebacken, freie Flächen gewähren einen Blick in die Küche.

Die Anrainer in den umliegenden Bezirken 4, 5 und 6 freuen sich über den kulinarischen Zuwachs, denn gute Pizzerien sind in der Gegend kaum vorhanden: Bisher versorgten sich Italophile in derRiva Favorita, derIl Mareoder derDisco Volante. Allerdings setzt d'Atri nicht auf Shabby- oder Industrial-Chic, sondern auf Kitsch. Und wenn wie am Eröffnungsabend Gäste und auch Kellner zu Evergreens wie "Marina" von Rocco Granata oder "Volare" von Domenico Modugno und Franco Migliacci aus dem Jahr 1959 mitträllern, dann kann die typische Klientel der umliegenden Bezirke wohl nur schmunzeln. Die Touristen am Naschmarkt werden das bunte Treiben wohl lieben, den Keyboard-Spieler gab es allerdings nur für die Eröffnungsfeier. D'Atri: "Richtig, es schaut mit den rot-karierten Tischdecken, den Lustern und der Steinwand ein bisschen kitschig aus, aber das wollten wir. Wir warten noch auf die Lieferung von rustikalen Sesseln: Ich glaube, dass das Ambiente hier sehr gut her passt."

Dünne Pizza ohne Brandblasen

Dass es d'Atri überhaupt an den Naschmarkt zieht, verdankt er Yanis Kaikov: Der La Marée-Eigentümer hatte erkannt, dass die Konkurrenz für sein Fisch-Restaurant am Naschmarkt einfach zu groß war, und nach einem neuen Konzept gesucht. Die Familie d'Atri betreibt mit derOsteria d'Atri in der Schauflergasse und demIl Melograno in der Blumenstockgasse zwei Hauben-Restaurants, mit der Meter-PizzeriaToto'sein Lokal nahe der Albertina für die breite Masse.
Dass sie Tiramisu und Pizza machen können, haben sie also schon mehrmals bewiesen – und beweisen es auch dieses Mal: Leider geht die Großfamilie bei allen Gerichten auf Nummer sicher, so zieren die Speisekarte ausschließlich Klassiker wie Margherita (6,90 Euro), Marinara (6,90 Euro), Prosciutto cotto e funghi (10,50 Euro) oder Tonno (11,50 Euro). Eine kleine Hommage an den Eigentümer gibt es mit der Kaikov: eine Pizza mit Lachs und Kaviar (24,90 Euro). D'Atri: "Die Klassiker passen nicht nur zum Geschmack der Touristen, sondern eignen sich auch für Mittagspausen von Studenten oder Geschäftsleute. Außerdem bieten wir mit einer wechselnden Wochenkarte auch saisonale Schmankerl an." Jedoch anders als bei denneapolitanischen Klassikernohne breiten Rand und Brandblasen – übrigens gibt es alle Pizzen zum Mitnehmen.

Info: Pulcinella, Naschmarkt Stand 94-101, 1040 Wien, Montag bis Samstag 11:30 bis 22:30 Uhr