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Genuss
10/31/2019

Bester Inder in Wien: Indian Pavilion schließt für immer

Nach 23 Jahren schließt das kleine, indische Restaurant am Naschmarkt für immer: Die Betreiber gehen in Pension.

von Anita Kattinger

Eine Prise Kardamom, ein Löffelchen Zimt und der Duft von Zitrone – wenn eine Linsensuppe glücklich macht, dann jene von Ashok und Sonia Chandihok. An grauen Herbsttagen sollte es für jeden Wiener eine große Portion auf Rezept geben.

Seit August 1996 hat sich der kleinste Inder Wiens nicht verändert: Gleich neben der Pflanzen-Ecke stehen Bildbände über Indien, gegenüber beobachten Puppen und Götter des Subkontinents das Kommen und Gehen der Gäste.

Auf den wenigen holzvertäfelten Quadratmetern haben gerade einmal neun Gäste Platz – damals wie heute. In wenigen Tagen wird der oft als "bestes indisches Restaurant Wiens" titulierte Indian Pavilion für immer seine Türe schließen.

Ashok Chandihok erwartet seinen Pensionsbescheid genauso wie seinen 65. Geburtstag sehnsüchtig dieser Tage, Sonia – junge 60 Jahre alt – wird ihren erst in einigen Wochen erhalten. Fischhändler Umar wird expandieren.

Literarisches Denkmal

Als das Ehepaar vor 23 Jahren am Naschmarkt eröffnete, ging es ein hohes Risiko ein: Die Gastronomen wählten familienfreundliche Öffnungszeiten und sperrten abends zu, um die beiden kleinen Töchter (heute 27 und 32) ins Bett bringen zu können.

"Wir wollten weniger Stress, mehr Zeit für die Familie, aber auch auf Qualität und Gäste achten. Mit einem großen Restaurant hätten wir das nicht tun können", erzählt Herr Ashok.

Und so konnte das Ehepaar, das seit 37 Jahren glücklich verheiratet ist, rege Konversation mit seinen Gästen führen – das Chicken Korma sollte die liebste Speise der Wiener werden. Politiker, Schauspieler und Sportler suchten regelmäßig den kleinen Stand auf.

"Es wäre unhöflich, einen prominenten Stammgast hervorzuheben, aber wenn wir einen nennen müssten, dann muss es Thomas Glavinic sein." Der Wiener Schriftsteller setzte Familie Chandihok im Roman "Das bin doch ich" vor vielen Jahren ein literarisches Denkmal.

Reise durch Europa

Dabei wurde Chandihok, Absolvent einer Tourismusfachhochschule, durch Zufall Wiener Gastronom. Auf Reisen durch Europa hatte er sich, damals Manager in 5-Sterne-Hotels, in die Stadt verliebt.

Auf einem Heimurlaub in Neu Dehli lernte er Sonia kennen – nach einem intensiven Briefwechsel wanderte die Lehrerin für Englisch und Mathematik schließlich 1982 nach Österreich aus und zeigte das gleiche Talent für die facettenreiche, indische Küche.

Aber was ist das Geheimnis des perfekten Currys? Ashok und Sonia schauen einander an: "Ein Gespür für Gewürze muss man haben. Es darf nie ein Aroma dominieren." Für Wien hat Familie Chandihok die Rezepte minimal abgeändert.

Und wie genau? Wieder schaut sich das Paar an: "Wir haben das Chili weggelassen. Würzig, aber nicht scharf soll das Curry sein. Und niemals fertige Pasten verwenden."

Dem Ehepaar fiel seine Entscheidung nicht leicht: "Wir wollen die letzte Phase des Lebens genießen und reisen. Seit der Eröffnung hatten wir jedes Jahr nur ein bis zwei Wochen Urlaub und wir waren immer nur in Europa." Wohin soll es gehen? "Ein Traum ist Südamerika."

Info: Naschmarkt Stand 74, Montag bis Freitag 11 bis 18:30 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr

500 g Hühnerfilet (in Streifen geschnitten)
3 EL Speiseöl
2 Stk. Kardamom
2 Lorbeerblätter
1 Stk. Zimtstange
1 TL Kurkuma
1/2 TL Kreuzkümmel
1/2 TL Koriander
1/2 TL Chilipulver
1 EL Joghurt
1 EL frisch gepresster Zitronensaft
Salz
1 Zwiebel (in Ringe geschnitten)
3 Knoblauchzehen (zerdrückt)
1 kleines Stück Ingwer (gerieben)
2 Paradeiser (Spalten)
1/2, roter Paprika
1/2 grüner Paprika (jeweils in Streifen geschnitten)
frischer Koriander zum Garnieren

  1. Die Hühnerfilets eine halbe Stunde mit Knoblauch und Ingwer marinieren.
  2. In einer Pfanne Öl mit Kardamom, Zimt und Lorbeerblättern erhitzen, Huhn zufügen und leicht goldbraun braten.
  3. Die Gewürze, Zitronensaft und Joghurt dazugeben, gut umrühren und für ca. 2-3 min zugedeckt köcheln lassen.
  4. Paprika, Zwiebel und Tomaten zugeben und nochmals zugedeckt kurz dünsten lassen.
  5. Mit frischem Koriander garnieren und mit Basmati-Safran-Reis servieren.
  6. Eventuell auch noch etwas grünen Chili dazugeben.