© istock/Kurier Bildmontage

Genuss
06/22/2019

5-Zutaten-Rezept: Mei Blunz’n is net deppat!

Für das 5-Zutaten-Rezept der Woche wählte Roland Steiger vom Gasthof Krenn unter den Einsendungen der Leserinnen und Leser eine Kombi aus, die Würze und Frische kombiniert.

Es gibt nur zwei Arten von Menschen: Jene, die Blutwurst lieben. Und jene, die sie hassen. Dass die jeweils andere Gruppe Argumenten für eine etwaige Neudefinition ihres Urteils nicht gerade zugänglich ist, erschwert eine Umorientierung zusätzlich.

Für Verweigerer macht sie auch das Argument, dass es sich bei der Blunz’n um eine der ältesten Wurstsorten überhaupt handelt, nicht attraktiver. Oder für Frankophile das eleganter klingende „Goûte-Boudin“. Ebenso wenig sammelt die „Blunz’n“ Pluspunkte, dass die umgangssprachliche Bezeichnung vom mittelhochdeutschen „blunsen“ für aufblähen kommt und nicht vom abwertenden Schimpfwort.

Traditionelle Kochwurst

Verdient hat sich die traditionelle Kochwurst aus (meist vorgekochtem) Schweineblut, Speck, Schwarte und Gewürzen jedenfalls nicht, derart geschmäht zu werden. Überall, wo geschlachtet wurde und wird, zählt sie zu den begehrten Klassikern eines Schlachttages. Und kaum ein Produkt ist so direkt und unmittelbar wie eine Blutwurst, das das Blut sofort und frisch verarbeitet werden muss.

Ein triftiger Grund für Roland Steiger vom Gasthof Krenn in der Steiermark, sie als Basis seiner Zutatenwahl zu wählen. „Je nach Variante lässt sie sich hervorragend warm zubereiten und schmeckt auch kalt vorzüglich.“ Zudem verkörpert die Blunz’n seine Philosophie: „Ich koche sehr gern mit Lebensmitteln, die klar, deutlich, leicht rückverfolgbar und somit transparent sind.“

Ein Credo, das der Österreichische Koch- und Genussverband (ÖKGV) im Austausch mit den Kochprofis öfters hört – und das auch viele Hobbyköchen in der kochbegeisterten Community pflegen.

Steiger setzt seine Maxime bei den weiteren Zutaten seiner Auswahl konsequent fort: Erdäpfel sind selbst geschmacklich neutral, aber können höchst vielfältig zubereitet werden. Majoran zählt zu den bekanntesten heimischen Gewürzen und verfeinert kräftige Speisen mit seinem typischen Aroma.

Dazu setzt der Babylauch einen zarten Gegensatz und die Kürbiskerne liefern als regionaltypische Botschafter der Steiermark eine knackig-nussige Note. Johanna aus Wiener Neustadt erfüllte die Vorgaben in ihrer Variation bravourös. Die Erdäpfel runden die Blunz’n ab und geben ihr Biss, die Kombi aus Babylauch mit einem Hauch Majoran überrascht den Gaumen und die knackigen Kürbiskerne runden das Gericht harmonisch ab.

Blunz’n-Lasagne

Vorbereitung: 30 min
Zubereitung: 40 min

Portionen:  4

Johanna aus Wiener Neustadt liebt jede Art von Pasta; da war es naheliegend, sich mit der Zutatenvorgabe Inspirationen aus der italienischen Küche zu holen

Blunz’n-Lasagne mit Erdäpfel und Majoran
1 Blunze im Ganzen
4 Erdäpfel groß
3 EL Kren frisch oder aus der Tube
2 EL Bergkäse gerieben
1 Becher Creme fraîche
1 Schuss Zitronensaft frisch gepresst
etwas  Muskatnuss
1 halbe Zwiebel gewürfelt
Mehl zum Panieren
Öl zum Braten
Salz, Pfeffer

- Blunze enthäuten, in 16 Scheiben schneiden
- Erdäpfel gut waschen, in 16 Scheiben schneiden
- Kren mit Creme  fraîche, Muskatnuss und Zitronensaft verrühren
- Blunz’n-Radln in Mehl wenden, im erhitzten Fett auf beiden Seiten anbraten und aus der Pfanne nehmen
- Erdäpfelscheiben in der gleichen Pfanne auf beiden Seiten braten. Sie sollen fast durch sein. Dann ebenso aus der Pfanne nehmen
- Im Bratrückstand Zwiebel glasig dünsten. Etwas auskühlen lassen, Creme fraîche-Mischung unterrühren und nur kurz erwärmen
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Käse einrühren
- Blunz’n-Radl mit  Erdäpfelscheibe belegen und 1 Teelöffel Sauce obenaufgeben, Vorgang noch drei Mal wiederholen. Dann die weiteren drei Türmchen bauen
- Türmchen in eine Auflaufform setzen. Über jedes etwas Käse streuen und im Backrohr ca. 15 bis 20 Minuten backen

Babylauch mit Majoranbutter
8 Stk. Babylauch
1 Zweig Majoran frisch
2 EL Butter zimmerwarm
Salz, Pfeffer

- Butter in einer Pfanne erhitzen, Majoran abzupfen
- Babylauch in der Majoranbutter schwenken. Er soll knackig bleiben. Salzen und pfeffern

Kürbiskern-Crunch
1 Handvoll Kürbiskerne geröstet
Majoranbutter vom Babylauch aufheben

- Kürbiskerne in ein Küchentuch einschlagen und mit einem Hammer klein hacken
- Kurz in der Majoranbutter anbraten
- Zum Anrichten etwas Sauce auf den Teller geben, fertig gebackene Blunz’n-Lasagne daraufsetzen. Mit frisch geriebenem Kren, Babylauch und Kürbiskern-Crunch garnieren

Weinempfehlung
St. Laurent Ried Frauenfeld 2016 vom Johanneshof Reinisch in Tattendorf (Thermenregion).

Die Trauben stammen von 35 Jahre alten Rebstöcken. Das fein strukturierte Bouquet des Weins erinnert an dunkle Beeren und Marzipan.