© Tommy Hilfiger

Interview
01/27/2020

Was Tommy Hilfiger über den Stil der Österreicher denkt

Der KURIER traf den Designer zum Gespräch über den heimischen Look und neue Kundenwünsche.

von Maria Zelenko

Er dürfte sich hier in den Tiroler Bergen fast so wohl fühlen wie auf der New Yorker Fashion Week. Tommy Hilfiger ist anlässlich des Hahnenkammrennens nach Kitzbühel gereist. Der 68-Jährige ist erstmals einer der Hauptsponsoren der spektakulärsten Ski-Abfahrt der Welt, Österreichs Pisten sind ihm jedoch seit Langem vertraut.

KURIER: Sie sind selbst leidenschaftlicher Skifahrer. Wo verschlägt es Sie in Österreich immer hin?

Tommy Hilfiger: Meine Tante ist Deutschschweizerin. Ich betreibe diesen Sport seit meiner Kindheit, meine Familie und ich fahren häufig nach Lech am Arlberg.

Dort hatten Sie einst ein schlimmes Erlebnis.

Ja, ich bin vor vielen Jahren beim Heli-Skiing von einer Lawine verschüttet worden. Gefunden wurde ich erst nach über einer Stunde.

Sie haben viele Skimode-Trends kommen und gehen sehen. Was wird heute auf der Piste getragen?

Skimode ist jetzt natürlich technisch ausgetüftelt. Stilistisch besinnt man sich auf die Achtzigerjahre, vor allem jedoch auf die Siebzigerjahre zurück.

Also jene Jahrzehnte, in denen wohl jeder ein paar Modesünden begangen hat.

(Tommy Hilfiger holt schmunzelnd sein Handy hervor und zeigt ein altes Foto) Das bin ich Anfang der Siebzigerjahre. Der Hippie-Look war mein Ding – inklusive Schlaghosen und gestreiften Hemden.

Wie würden Sie den Stil der Österreicher abseits der Piste beschreiben?

Mir gefallen zwei Dinge: Auf der einen Seite die Trachtenmode, ich hoffe, die Traditionen sterben niemals aus. Ich liebe Dirndl und Lederhosen – ich selbst besitze natürlich auch eine. Wenn ich mir die jungen Österreicher anschaue, stelle ich immer wieder fest, dass sie mit ihren Outfits genauso gut nach London oder New York passen würden – ihr Look ist sehr international.

Ist Letzterer den sozialen Medien geschuldet?

Definitiv. Modeinteressierte beziehen ihre Inspirationen heutzutage mittels Instagram aus der ganzen Welt. Dadurch wollen auf einmal gefühlt alle dieselben Marken tragen.

Sehen nicht dann alle irgendwann gleich aus?

Stimmt, das kann passieren. Ich als Designer fände das schrecklich.

Was tun Sie für jene Kunden, die aus der Masse hervorstechen wollen?

Normalerweise dauert es viele Monate bis ein Kleidungsstück nach einer Laufstegpräsentation in die Läden kommt. Ich mache mittels des sogenannten See Now, Buy Now-Prinzips das Gegenteil: Die Kollektion ist nach der Modenschau sofort erhältlich. Kunden wollen heutzutage ein Kleidungsstück so schnell wie möglich haben. Deshalb bieten wir zusätzlich die Möglichkeit, direkt über unseren Instagram-Account einzukaufen.

Wird der stationäre Handel aufgrund des immer stärkeren Online-Vertriebs künftig weniger werden?

Ersterer wird sich verändern müssen. Stores werden zu einem Erlebnisort, wo sich Kunden zum Beispiel dank integrierten Gastro-Konzepten länger aufhalten.

Auch die Nachhaltigkeit eines Produkts ist immer öfter ein Kaufargument.

Sie ist für uns schon lange ein großes Thema. Wir arbeiten viel mit recycelten Materialien und haben eine Reinigungsmethode für unsere Jeans entwickelt, die ohne Wasser auskommt. Alles in einem Kreislauf zu denken, ist wichtig. Deshalb wird der Pullover, den ich heute trage, auch später weiterverkauft.

Tommy Hilfiger gehört zu jenen Marken, die ihren Umsatz mithilfe von Kooperationen mit Influencern wie Model Gigi Hadid und Sängerin Zendaya ankurbeln. Können Firmen auf diese Art von Werbeträgern verzichten?

Clever agierende Marken sollten mit zu ihrem Gesamtkonzept passenden Influencern zusammenarbeiten. Manche Modefirmen, die nicht besonders technikaffin sind, verstehen deren Wichtigkeit noch nicht.

Werden Letztere auf Dauer überleben?

Ich denke nicht. Man muss immer mit der Zeit gehen.

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