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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/29/2021

Im Gefühl sein. Sex mit allen Sinnen erleben

Stress und Leistungsdruck führen dazu, dass wir uns nicht mehr richtig spüren. Dann geht auch beim Sex nichts mehr. Wie man das ändern kann.

von Gabriele Kuhn

Um das Fühlen geht es heute also. Warum? Weil wir alle manchmal durch den Alltag surfen – und dabei komplett vergessen, zu spüren. Wir funktionieren, also sind wir – ab in die Teflonmontur! Aber was, wenn wir sie auch beim Sex tragen – und wir uns dadurch völlig abgetrennt vom Spür-Sinn erleben? Schütteln Sie nicht den Kopf – das passiert. Öfter als man denken würde.

Eines Tages wird klar: Ich fühle beim Vögeln längst nicht mehr so, wie es irgendwann einmal war. Da sind Stellen am Körper, die nicht „dabei sind“, nicht zwingend gefühllos, aber einfach nicht präsent. Dann wandert man gedanklich herum – vom Bett in die Küche, die auch wieder einmal zusammengeräumt gehört. Und von dort zum Laptop, in dem mindestens zwanzig unbeantwortete Mails einer Erledigung harren. Wir sind nicht da, aber auch nicht dort. Dann performen wir Sex, statt Liebe zu machen. Da wird schnell getan, gevögelt, ein Programm durchgehechelt – eh fein, doch es bleibt ein Eindruck von Unvollständigkeit. Im schlimmsten Fall ist gar nix mehr. Tote Hose. Körperliche Leere. Es kann an tiefer Befriedigung fehlen. Oder an Empfinden, umfassend gefühlt zu haben. Und nein, da reden wir nicht vom Orgasmus, sondern schlicht über das Gefühl, bei sich zu sein und dieses „Bei-sich-Sein“ körperlich-ganzheitlich zu erfahren. Wir können tatsächlich vergessen, wie es ist, den eigenen Körper wahrzunehmen und ihn so zu genießen, wie er es verdient hat. Dann ist es höchste Zeit etwas zu verändern, um wieder dort zu landen, wo man zu Hause ist: in der eigenen Haut, im eigenen Bauch, im eigenen Unterleib.

Das Spüren trainieren

Bereits Masters und Johnson haben mit „Sensate Focus“ ein hochwirksames Sensualitätstraining entwickelt, das bei diversen sexuellen Problemen wie Unlust, Orgasmusstörungen, zu frühes Kommen oder Erektionsstörungen hilft, sich und seinen Partner spürend in den Fokus zu rücken. Achtung: Das Vögeln, der Akt an sich, ist hier gar nicht das Thema, Ziel ist es vielmehr, Druck, Angst oder Stress abzubauen – und zwar ohne sich gierig-hektisch ineinander zu verkeilen. Es geht um Wahrnehmung. Eine körperliche Selbsterfahrung also – liebkosend, explorierend, achtsam – gemeinsam mit dem Partner. Jenseits von falsch oder richtig, aber im Dialog. Wie fühlt sich was an – das zählt.

Solche Gedanken führen natürlich zum Tantra, eine Kunst, die Sex und Meditation verbindet. Die Theorie: Der für uns „übliche“ Koitus ist flüchtig, oft mechanisch-routiniert – das kann Spaß machen, geht aber nicht tief. „Tantra lädt dazu ein, präsent zu sein und uns bewusst wahrzunehmen, während wir Liebe machen“, schreibt Diana Richardson in ihrem Buch „Zeit für Liebe, Sex, Intimität und Ekstase in Beziehungen“. Dann sind die Bewegungen nicht mehr ruckzuck, raufrunter und chaotisch, sondern wie Tai Chi – langsam, bewusst, dabei tief atmend und in sich selbst ruhend. Es gilt, zu lauschen, die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken und maximal im Gefühl (ja, auch in den Genitalien) zu sein. Und plötzlich ist da was. Ein intensiveres Empfinden, und vielleicht der Eindruck, alles zu sein – und nichts zugleich. Das Herz schlägt, der Atem hebt und senkt den Brustkorb, da sind Vibrationen, da ist ein Prickeln, Gänsehaut, Kälte, Wärme, Feuchtigkeit, Überfluss, Liebe. Und keine Einkaufsliste im Kopf oder Gedanke, es wäre besser, den Bauch einzuziehen, weil’s hübscher wirkt. Stattdessen wunderbar entspannte Lebendigkeit, die auf den Partner überspringt. Dann schaukeln sich zwei ins Glück. Und das kann nur Gutes bringen.

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