Großeltern können für Familien eine große Stütze sein. Nicht immer läuft dabei alles rund.

© Getty Images/Georgijevic/istockphoto

freizeit Leben, Liebe & Sex
08/22/2020

Enkel versorgen: Psychologin erklärt, wie man Generationenzwist vermeidet

Eltern wollen ihre Sprösslinge gut versorgt wissen, Großeltern helfen meist gern dabei. Ein harmonisches Miteinander ist nicht immer möglich.

von Marlene Patsalidis

Länger aufbleiben, Naschzeug schon vor dem Mittagessen – ein bisschen mehr Fernsehen als sonst: Der Alltag mit Oma und Opa ist für Kinder eine willkommene Abwechslung zur elterlichen Erziehung. Mütter und Väter sehen es aber nicht allzu gern, wenn die Großeltern dem Nachwuchs verhätschelnd viele Freiheiten gönnen. Zahlen dazu liefert eine neue Studie: Forscher der University of Michigan haben erhoben, dass 50 Prozent der Eltern ab und an in puncto Kindererziehung mit Großeltern aneinandergeraten.

Bei den Streitgründen liefern sich die Themen Disziplin, Essen und Fernsehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch die Schlafroutine, Manieren und Gesundheitsfragen sorgen für Zwist. "Ich erlebe das in meiner Praxis permanent", sagt Familienpsychologin Karin Alt.

Ob und wie häufig es kracht, hänge von diversen Parametern ab: "Je mehr man jemanden braucht, desto höher das Reibungspotenzial. Wenn das Kind Oma und Opa nur in der Freizeit sieht, werden sich weniger Differenzen ergeben, als wenn sie in die Betreuung engmaschig eingebunden sind."

Ein anderer Faktor sei der Generationsunterschied. "Großeltern versuchen ihr Bestes, um Enkel zu versorgen, auf ihre eigene Weise. Hier kann es zwischen Eltern und Großeltern Unterschiede geben." Zwar sei es verständlich, dass Großmütter und -väter eigene Erziehungsmuster besitzen, "sie sollten sich aber in den Basisfragen an die Eltern halten".

Alte Wunden

Nicht immer dreht es sich bei Auseinandersetzungen tatsächlich ums Kind: "Da schwingt oft vieles aus der Eltern-Großeltern-Beziehung mit." Wenn die Tochter etwa als Kind nur wenig Fernsehen durfte, das Enkerl das aber nun sehr wohl darf, treten alte Reibereien zutage.

Was aber tun, wenn sich die Großmutter wie die bessere Mutter gibt? "Klare Regeln sind das Wichtigste", sagt Alt. Die Eltern sollten wissen, welche Position sie als Erziehungsberechtigte haben. Die Unterstützung der Großeltern – so lobenswert sie ist – müsse unter ihren Bedingungen stattfinden. "Die Menschen reden leider zu wenig miteinander und schlucken viel runter." Auch Großeltern sollen Wünsche äußern, die Eltern sich danach richten. Denn jeder hat seinen Erziehungsstil – und das ist für die Kinder kein Problem, sie können ganz gut zwischen Kind- und Enkelrolle switchen. Das ist allemal besser als zwischen die Fronten zu geraten.

"Gefährlich wird es, wenn grundlegende Regeln, etwa betreffend des Zähneputzens oder der Schlafenszeit, bei Oma und Opa nicht mehr gelten." Das könne laut Alt bei Kindern für Verunsicherung sorgen.

Was tun, wenn das andere Extrem der Fall ist – die Großeltern sich zurückziehen? "Es ist schön, wenn Kinder mit Großeltern aufwachsen. Oma und Opa müssen aber gar nichts. Das wird oft übersehen, ihre Versorgungsleistung als selbstverständlich angesehen. Viele übernehmen sich – das sollte nicht passieren."

Dialog statt Eskalation – in aufgeheizten Konfliktsituationen ist das einfacher gesagt als getan. Doch es gibt sie: konkrete Mittel, die den kommunikativen Verlauf in angespannten Situationen positiv beeinflussen.

Ein Klassiker: Ich-Botschaften, entstanden aus der Erkenntnis, dass bei Ärger "Du-sollst-gefälligst"-Aussagen näherliegen als konstruktive Kritik. Letzteres kann mit einer solchen Formulierung gelingen, sofern sie richtig eingesetzt wird. Sie gibt persönliche Eindrücke wieder, erklärt, was das Verhalten des anderen bei einem auslöst, drängt den anderen nicht in die Abwehr.

Ein Beispiel: Die Oma fühlt sich von der Tochter bei der Enkelbetreuung ausgenutzt. Das könnte dann so klingen: "Ich bin sauer, weil ich viel Verantwortung bei der Versorgung übernehme, ich aber nur wenig Wertschätzung dafür bekomme."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.