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freizeit Essen & Trinken
01/15/2020

Schwere Kost: Was ein Burger mit dem Klimawandel zu tun hat

Fleisch- und Milchprodukte verursachen zwei Drittel der heimischen Treibhausgasemissionen.

von Anita Kattinger

Die vergangenen Tage beschäftigte sich die heimische Politik mit Begriffen wie "Soliburger" und "Mäcigate" – der KURIER berichtete über den McDonald’s-Besuch des grünen Vizekanzlers und die zahlreichen Solidaritätsmeldungen in Sozialen Medien und seitens Experten.

Schnell hörte man, die Lösung der Klimakrise liege nicht in der Verantwortung des Einzelnen – es würde eher eine Kraftanstrengung der Politik brauchen. Dieses Dilemma muss jeder Staatsbürger für sich selber lösen: Aber was hat ein Burger überhaupt mit dem Klimawandel zu tun?

Mit dem Auto Wien nach Peking und wieder zurück

Vor mehr als 25 Jahren entwickelte der Schweizer Student Mathis Wackernagel gemeinsam mit William Rees für seine Dissertation das Konzept des grünen Fußabdrucks. Darunter versteht man die Fläche, die notwendig ist, um den Lebensstil eines Menschen zu ermöglichen. Rund ein Viertel des ökologischen Fußabdrucks brauchen wir in einem Land wie Österreich für unsere Ernährung. Umgerechnet entspricht das einer Autofahrt von Wien nach Peking und zurück.

Tierische Produkte wie ein Rindfleisch-Burger oder ein Schnitzel verursachen besonders viele klimaschädliche Treibhausgase – in der Herstellung und Produktion sind sie energieaufwendiger als Getreide, Obst und Gemüse und verursachen damit deutlich mehr: In der Aufzucht von Rindern entstehen vor allem das klimaschädliche Methan und Lachgas.

Aber auch bei der Futter-Produktion entstehen Treibhausgase. Im Bezug auf unser Essverhalten bedeutet das: Fast ein Viertel unserer Ernährung entfällt auf Fleisch- und Milchprodukte – diese sind jedoch für zwei Drittel der nahrungsmittelbedingten Treibhausgasemissionen hierzulande verantwortlich.

Österreicher essen besonders viel Fleisch

Je nach Statistik verspeisen wir mehr als 64 Kilogramm Fleisch pro Jahr – und haben uns damit einen Stockerlplatz in Europa verdient. WWF-Ernährungsexpertin Olivia Herzog: "Insgesamt essen wir in Österreich deutlich zu viel Fleisch. Sogar drei Mal mehr als vom Gesundheitsministerium empfohlen wird. Damit liegen wir beim Fleischkonsum im europäischen Spitzenfeld."

Jedes Kilo Butter, das in Österreich verkauft wird, erzeugt ein Äquivalent von fast 24 Kilogramm. Zum Vergleich: Wird ein Kilogramm Rindfleisch erzeugt, entstehen ungefähr 13 Kilogramm. Bei der Produktion von einem Kilo Linsen entstehen dagegen nur 0,7 Kilogramm -Emissionen.

Weniger ist mehr: Verzicht nicht notwendig

Die Kompensationsagentur "atmosfair" berechnete, dass jeder Bewohner der Erde im Jahr nur 2,3 Tonnen -Äquivalente bis 2050 verursachen darf, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll. Ein Österreicher kommt derzeit auf sieben Tonnen.

Müssen die Österreicher angesichts dieser Zahlen also Fleisch-Verzicht üben? Nein, sagt die WWF-Expertin: "Grundsätzlich empfehlen wir: weniger, dafür besseres Fleisch – am besten bio und regional. Mit diesem Leitsatz können Konsumenten schon massiv zur Ressourcenschonung beitragen. Dazu kommt aber das große Problem der Lebensmittelverschwendung, allein in Österreich entstehen jährlich unglaubliche 587.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle, ein Drittel davon im Haushalt."

Klimapolitik: WWF fordert Ende von Dauerrabatten auf Fleisch

Wie könnte die Politik Einfluss auf den Fleischkonsum der Österreicher nehmen? "Der WWF fordert das Aus von Dauerrabatten auf Fleischprodukte im Handel. Das könnte umweltschädliches Billigfleisch zurückdrängen, schafft faire Wettbewerbsbedingungen und fördert die Produktion von qualitativ hochwertigen Angeboten. Auch verpflichtende Herkunftsbezeichnungen wären notwendig und sinnvoll, zum Beispiel auch in der Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten, damit Konsumenten selbst entscheiden können."

Jeder zehnte Österreicher verzichtet bereits auf Fleisch und ernährt sich vegetarisch oder vegan – Felix Hnat, Geschäftsführer der "Veganen Gesellschaft Österreich", verfolgte die Debatte mit großem Interesse und ist der Meinung, "dass alle Menschen selbst entscheiden sollten, was sie essen: Leider waren in der Vergangenheit die politischen Rahmenbedingungen nicht immer fair, da besonders Fleisch und tierische Produkte stärker subventioniert werden und gleichzeitig einem niedrigeren Mehrwertsteuersatz unterliegen als pflanzliche Lebensmittel. Wir hoffen, dass die neue Regierung hier Verbesserungen herbeiführt. Wer gerne weniger Fleisch essen würde, findet übrigens auf unserer Homepage die besten Rezepte."