© Getty Images/iStockphoto/Guzel Kamalova/iStockphoto

Genuss
07/16/2019

Bauern fordern: "Raus mit veganen Fake-Produkten aus Regalen"

Die österreichischen Landwirte kritisieren vegane Ersatzprodukte und fordern eine verbindliche Kennzeichnung für Fleischersatz.

von Anita Kattinger

Kokos-Joghurt, Burger aus Soja oder Käse aus Cashewnüssen: Vegane Ersatzprodukte gehören für den Supermarkt-Kunden längst zum Alltag. Laut Landwirtschaftskammer werden die Konsumenten mit solchen Bezeichnungen allerdings hinters Licht geführt, sie fordert verbindliche Regeln für die Bezeichnung von Fleisch-, Käse- oder Milchimitaten.

Burger aus dem Labor steht nicht für Tierwohl

Am Montag startete Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger eine Initiative und lud zur Diskussion "Fake Meat & Schummelkäse – Realität auf dem Teller?". Gleich zu Beginn der Debatte fragte die Interessensvertretung, warum die Skepsis der Verbraucher gegenüber der modernen Landwirtschaft und Tierhaltung generell wächst.

Den deutschen Lebensmittelchemiker und Bestseller-Autor Udo Pollmer erinnere die Situation an "Heuchelei": "Es ging mit der BSE-Krise los, nichts mehr mit Hirn zu essen. Doch jetzt ist der Hype zu Ende: Wir sehen in Deutschland, dass die veganen Restaurants weitgehend geschlossen haben."

Nun würden Start-ups Fleisch aus Stammzellen produzieren: "Damit die Zellen überhaupt wachsen, braucht es aber Hormone. Diese werden aus Rinder-Föten gewonnen. Mit einer Hohlnadel saugt man das Blut aus den Föten ab." Man könne also nicht von einem Burger ohne Tierleid sprechen.

Freilich geht es Start-up-Gründern wie dem niederländischen Biomediziner Mark Post vor allem um eine Reduktion des Energieverbrauchs und von Treibhausgasen durch eine Verkleinerung der Viehwirtschaft, falls sogenannte In-vitro-Burger tatsächlich für die breite Masse produziert werden.

Food-Trends wie Clean Eating eine Ersatzreligion?

Unter dem Schlagwort #Food finden sich rund 350 Millionen Fotos auf der Plattform Instagram. Für den Jung-Autor Nils Binnberg ist klar, dass der Kult um Cheeseburger, Macarons und Grünkohl längst zu einer Religion geworden ist. "Es geht nicht um Tierwohl. Es geht um Selbstwohl, wenn auf Social Media junge Frauen im Bikini vor Chia-Bowls sitzen." Jeder, der postet, wolle sich von anderen abgrenzen.

Bestimmte Lebensmittel würden heute einer Heiligkeit gleichgesetzt wie bei der großen Trendbewegung "Clean Eating": "Die Massentierhaltung wird als schmutzig dargestellt. Die Menschen fühlen sich überlegen, fühlen sich rein wie der Dalai Lama, obwohl sie nur Quinoa-Kekse essen. Die Avocado ist das Statussymbol der Bourgeoisie."

Dabei ging es Clean-Eating-Initiatorin Tosca Ren nie um den Aufbau einer Ersatzreligion, sondern um Klimaschutz: "Die Nutztierhaltung, die dazu dient, unsere Teller mit Fleisch zu füllen, ist weltweit für 15 bis 50 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich."

Weiters steht der Verzicht von Aromen, Konservierungsstoffen oder verstecktem Zucker im Fokus.

Landwirtschaftkammer fordert mehr Ehrlichkeit in Regalen

Trotz diesem kritischen Ansatz der "Clean-Eating"-Bewegung fordert Landwirtschaftskammer-Präsident Moosbrugger vehement ein: "Raus mit den Fake-Produkten aus den Regalen, rein mit der Ehrlichkeit. Da hat die Landwirtschaft Antworten darauf."

EU-weit brauche es einen eindeutigen Bezeichnungsschutz speziell für Fleisch, einen vegetarischen Leberkäse dürfe es nicht geben: "Wir dürfen nicht denen das Feld überlassen, die damit das Geschäft machen."

Den Vorwurf, nicht ehrlich mit seinen Gästen umzugehen, kann der vegane Burger-Gastronom Karl Schillinger (Swing Kitchen) auf KURIER-Nachfrage nicht nachvollziehen: "Ich kann mir eine Verwechslungsgefahr im Supermarkt nicht vorstellen. Mir ist kein Fall bekannt, wo jemand unabsichtlich einen Fleischersatz gekauft hat.

Warum soll man neue Bezeichnungen einführen? Der Konsument wäre erst recht verwirrt." Schon jetzt gebe es zu wenig Soja in Österreich: "Die heimischen Bauern sollten Soja-Burger als Chance sehen. Soja ist eine wertvolle Zwischenfrucht auf dem Feld und bindet Stickstoff. Es ist nicht fair, Veganer gegen die Landwirtschaft auszuspielen."