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Wirtschaft
04/19/2019

Mehr Tofu auf dem Teller: Der Siegeszug der Sojabohne in Österreich

Die Soja-Produktion ist in Österreich in 14 Jahren um gut 400 Prozent gestiegen

Der große Gewinner bei den Feldfrüchten ist zweifelsohne Soja. 2004 wurden in Österreich auf 17.864 Hektar 45.000 Tonnen Soja produziert. Vergangenes Jahr wurden auf 67.075 Hektar fast 200.000 Tonnen Soja hergestellt. Das entspricht einer Produktionssteigerung von über 400 Prozent.

Damit ist das kleine Österreich zum fünftgrößten Sojaproduzenten in Europa hinter Italien, Serbien, Frankreich, und Rumänien aufgestiegen. Eine derartige Ausweitung bei der Anbaufläche und der Produktionsmenge gibt es bei keiner andern relevanten Feldfrucht. Gemessen an der Anbaufläche liegt Soja österreichweit hinter Mais, Weizen und Gerste bereits auf dem vierten Platz. Noch vor anderen Feldfrüchten wie Roggen, Zuckerrüben, Kartoffeln oder Raps.

Snacks mit Soja

Das ist auch eine Folge der geänderten Essgewohnheiten. Einst war Tofu lediglich in der Miso-Suppe im China-Restaurant zu finden. Heute wird Tofu, das aus zu Sojamilch verarbeiteten weißen Sojabohnen hergestellt wird, im Lebensmitteleinzelhandel in unterschiedlichen Geschmacksvarianten angeboten. Es gibt auch Snacks und Süßes mit Soja sowie getrocknete Sojasprossen im Angebot. Der Eiweißgehalt von Soja beträgt beachtliche 37 Prozent. Der KURIER hat sich vergangener Woche mit der Frage beschäftigt, ob Soja gesundheitliche Vorteile bringt.

Das Bemerkenswerte an der Sojaproduktion hierzulande ist der mit 50 Prozent sehr hohe Anteil an Bohnen, die direkt in die Lebensmittelproduktion gehen. Weltweit sind es nämlich nur ein paar Prozent. Der mit Abstand größte Anteil der Sojaproduktion wird an Tiere verfüttert. Vor allem die USA und südamerikanische Staaten wie Brasilien exportieren gentechnisch verändertes Soja nach China und Europa.

Bohnen aus Österreich

In den Supermärkten findet sich mittlerweile ein breites Sortiment an Soja-Produkten. Bei den drei Großen des Lebensmitteleinzelhandels (Rewe, Spar, Hofer) ist es durchaus üblich, Soja für die Tofuproduktion in Österreich einzukaufen. „Mit Soja aus Österreich“, steht dann auf der Packung. Laut dem Handelsriesen Rewe (Merkur, Billa, Adeg und Penny) ist Soja aus Österreich „das mit Abstand meistverkaufte Produkt aus diesem Sortiment“. Für die Rewe-Eigenmarke „Ja! Natürlich“ werden Bio-Sojabohnen aus Österreich verwendet. Für die Eigenmarke „Vegavita“ kommen bis zu 90 Prozent des Sojas aus Österreich. Bei Soja-Joghurt und Soja-Milch sind es sogar 100 Prozent.

Beim Konkurrenten Spar wird der gesamte Tofu aus heimischen Sojabohnen hergestellt. Das gilt auch für die Soja-Milch und die vegetarischen Aufstriche. Hofer hat bei seinen Tofu-Produkten den Hinweis aufgedruckt, dass die Sojabohnen aus dem Gebiet um den Neusiedler-See kommen.

Gute Erzeugerpreise

Tatsächlich ist das Burgenland das Hauptanbaugebiet für Sojapflanzen in Österreich. Vor allem das südliche Burgenland eignet sich wegen der klimatischen Voraussetzungen für den Anbau. Weiters ist Soja für die Bauern „vom Preis her interessant“, weiß der Pflanzenbau-Direktor der burgenländischen Landwirtschaftskammer, Wolf Reheis. Bemerkenswert ist auch der hohe Bioanteil von beachtlichen 44 Prozent.

Wobei sich die heimischen Saatgutzüchter in der EU „einen großen Namen gemacht haben“, betont Karl Fischer, Obmann des Vereins Soja aus Österreich. Rund ein Viertel des in der EU verwendeten Soja-Saatguts kommt aus Österreich. An zwei Standorten werden hierzulande neue Sorten gezüchtet, die sich besonders für den Anbau in den gemäßigten Klimazonen Europas eignen. Fischer, im Hauptberuf Geschäftsführer der Saatbau Linz, ist überzeugt, dass die heimischen Züchter „als verlässlicher Lieferant einen Wettbewerbsvorteil ausspielen können“.

Handelsstreit

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat  die  Soja-Preise Ende Mai 2018 auf Talfahrt geschickt. Als Antwort auf die US-Zölle für chinesische Produkte hat China Soja nicht mehr in den USA, sondern in Südamerika gekauft.  Die  Europäer habend  profitiert.  Die Soja-Preise in den USA sind dramatisch eingebrochen (siehe Chart). Mittlerweile hat sich die Lage etwas  beruhigt.  
Die Anbauflächen für Soja sind in den vergangenen Jahren weltweit massiv  gewachsen.  Die Ursache dafür ist die steigende  Nachfrage nach Fleisch vor allem in den Entwicklungs- und  Schwellenländern. Gentechnisch verändertes Soja ist  ein weltweit beliebtes Tierfutter. Brasilien  ist mit einem  Marktanteil beim Export von mehr als 40 Prozent   der weltweit größte Verkäufer.  Auf Platz zwei rangieren die USA.

Gentechnik

Über 90 Prozent des in der EU verwendeten Sojas  stammt von gentechnisch veränderten Pflanzen  aus Amerika. Mit den  in der EU geernteten Sojabohnen können  sieben Prozent  des EU- Bedarfes gedeckt werden. Die restlichen knapp über  30 Millionen  Tonnen  müssen importiert werden. In Österreich bemüht sich der Verein Donau Soja um eine gentechnikfreie Soja-Produktion für die Tierfütterung.
 Umweltorganisationen kritisieren die Gentechnik-Importe der EU für die Tierfütterung. Es gibt derzeit aber nur begrenzte Mengen  an  Biosoja.   In Südamerika werden für die Soja-Anbauflächen Teile des Regenwaldes gerodet.   Brasilien wurde auch mit Hilfe des massiven Einsatzes der Gentechnik   zu einem Lebensmittelexporteur. Die brasilianische Regierung ist hoch erfreut über die gestiegenen Erntemengen und Exporte von Soja.