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Genuss
07/11/2019

Klimawandel: Auf welche Pflanzen heimische Bauern jetzt setzen müssen

Klimafitter Ackerbau: Landwirte setzen verstärkt auf trockenresistente Pflanzen. Wichtig wird sein, wie Wasser im Boden gespeichert werden kann.

von Anita Kattinger

Das Jahr 2003 ging als das Dürre-Katastrophenjahr in die Geschichte Österreichs ein. Der Juni vor 16 Jahren lag 4,1 Grad über dem Mittel, hinzu kam eine extreme Trockenheit. Heimische Bauern erhielten drei Millionen Euro als Hilfsmaßnahme aus dem Katastrophenfonds.

"Die Landwirte waren mit massiven Ernteausfällen konfrontiert. In diesem Jahr haben wir begonnen, uns ernsthaft mit der Zunahme von außergewöhnlichen Wetterbedingungen und dem Klimawandel zu beschäftigen", erinnert sich Arno Mayer, Leiter der Abteilung Pflanzen in der steirischen Landwirtschaftskammer. Innovative Bauern starteten mit Versuchen und pflanzten erstmals Melonen, Kiwis und Artischocken in Österreich an.

So schützen Landwirte ihre Böden

Auch die steirischen Branchenvertreter blieben nicht untätig und initiierten Forschungsprojekte für hitzebeständige Ackerkulturen: "Heute wissen wir, dass unsere wichtigsten Kulturen wie Ölkürbis, Sojabohne, Mais, Hirse oder Käferbohne um bis zu drei Wochen früher angebaut werden müssen. Nur so ist es möglich, dass diese Pflanzen gut wachsen können und die notwendigen Erträge bringen können."

Allerdings gehe es beim klimafitten Ackerbau nicht nur um frühere Aussaaten. "Wir brauchen ein Wellnessprogramm für Regenwürmer: Unsere Landwirte versuchen, den Boden das ganze Jahr über mit der Hauptkultur und insektenfreundlichen Zwischenkulturen bedeckt zu halten. Auch die Imker sind von den Initiativen begeistert, sie tun auch den Bienen gut."

Welche Vorteile dadurch entstehen? Schutz des Bodens – es entstehen keine Dürrerisse –, Humus wird aufgebaut, Wasser gespeichert und der Regenwurm findet fruchtbaren Boden und Schatten. "Unsere große Aufgabe für die Zukunft wird sein: Wie schaffen es die heimischen Landwirte, das Wasser in der Region zu halten. Das war früher überhaupt kein Thema. Deswegen müssen wir jetzt nach Kulturen mit hoher Wertschöpfung suchen."

Trend: Hanf am Feld

Sieht man sich die Statistik des "Anbaus auf dem Ackerland" der vergangenen vier Jahre genauer an (siehe Grafik), zeichnen sich österreichweit eindeutige Aufsteiger ab. Hanfsamen und Hanfmilch liegen nicht nur bei gesunden Frühstück-Bowls im Trend.

"Auch immer mehr Landwirte bauen Hanf an: Im Jahr 2015 lagen wir bei 1.164 Hektar, heuer wird dieser bereits auf gut 2.000 Hektar angebaut. Er verträgt die Hitze gut, hält die Feuchtigkeit im Bestand und ist nicht krankheitsanfällig."

Vielleicht weniger sexy, aber eine "tolle Nachfrage" gibt es bei Käferbohnen – überhaupt würde die Lebensmittelindustrie besonders nach Eiweißpflanzen wie Bohnen, Soja und Lupine aus regionalem Anbau nachfragen. "Die Sojabohne hat den Vorteil, dass es sich um eine ertragsstarke Pflanzensorte handelt, die sehr viel Sonne braucht."

Quinoa und Amaranth: Diven am Acker

Bekanntlich hat Reis als Kulturpflanze eine jahrtausendealte Tradition – in Österreich war sie bis vor einigen Jahren allerdings nicht heimisch. Einige Landwirte starteten die ersten Feldversuche: Im Trockenreisverfahren angebaut, hierbei werden die Reisfelder nicht wie in Asien geflutet, fühlt sich das Süßgras bei uns sehr wohl. Wurden mit dem Korn vor vier Jahren noch zaghaft 11 Hektar Ackerland in Österreich bewirtschaftet, explodierte die Anbau-Fläche auf 105 Hektar im Jahr 2019.

Wie bei Reis handelt es sich bei Quinoa und Amaranth um Diven auf dem Feld – beide gehören übrigens zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Mayer: "Jene Landwirte, die früh mit Versuchen gestartet haben und mit Know-how auftrumpfen, können sich über Erfolge freuen." Allerdings ist der Markt schnell gesättigt und der Anbau schwankt von Jahr zu Jahr – hier muss der Appetit der Österreicher noch etwas größer werden.