Reis aus Österreich: Es ist kompliziert

Reis aus Gerasdorf…
Foto: /Österreis  

Ein Reisfeld vor den Toren Wiens? Die Idee ist spannend – braucht aber viel Durchhaltevermögen.

Der Blick des Reisbauern verdunkelt sich, er rupft eine graubraune Ähre aus. "Das ist das George-Clooney-Phänomen", sagt Gregor Neumeyer und deutet auf einen Teil des Felds, der grau meliert wirkt. "Im Vorjahr bin ich um diese Zeit hier gestanden und habe vor Freude geweint, weil das Feld so kräftig und gesund ausgesehen hat. Jetzt könnte ich wieder weinen, aber keine Freudentränen", sagt er. Das sieht man dem 29-Jährigen an.

Sein Reisfeld liegt nicht in Asien oder Italien, sondern in Gerasdorf bei Wien. Dort hat Neumeyer, der hauptberuflich Apps in Banken und Versicherungen entwickelt, im Jahr 2016 den Bauernhof seines Vaters übernommen, nachdem er im Jahr davor mit einem Kollegen bei einem Bier die schräge Idee hatte, in Österreich Reis anzubauen. Ein Name dafür war rasch gefunden: ÖsterReis.

Trockenreisanbau

Der wird im Trockenreisverfahren angebaut, nicht im Nassreisanbau. "Das funktioniert in unseren Breiten nicht, der Boden kann die Feuchtigkeit nicht halten", sagt Neumeyer. Die Flutung der Reisfelder hätte außerdem Nachteile: "Sie gelten als große Methangas-Emittenten, mit Auswirkung auf den Treibhauseffekt. Die mit Wasser bedeckten Wurzeln nehmen auch vermehrt Schwermetalle auf, deshalb ist Reis manchmal arsenbelastet", sagt der Landwirt. Um nachhaltig in Österreich zu produzieren, komme daher nur das Trockenverfahren infrage. Dessen Nachteile: Unkraut. Da muss die Familie ran – Ehefrau Sandra und die Eltern – und von Hand zupfen.

ÖsterReis, Gregor Neumeyer… Foto: /Gabriele Kuhn

Neumeyer hat sich für das Saatgut zweier Sorten aus Osteuropa entschieden, "aber es war eine Herausforderung, Sorten zu finden, die im Zeitraum April bis September reif werden". Um zu gedeihen, braucht die Reispflanze eine Mindesttemperatur von 15 Grad. "Reis verhält sich wie eine Diva. Anfangs braucht sie viel Zuwendung", lächelt Neumeyer. Erst wenn die "Diva" erwachsen wird, wird sie robust. "Wir wissen noch zu wenig über sie." Deshalb holt er sich Unterstützung, etwa von der österreichischen Agentur für Ernährungsmittelsicherheit, AGES, oder bei der Universität für Bodenkultur. "Der Start war hart, 2015 ein Blindflug", sagt er. Erst war es sehr trocken, dann sehr kalt, die Reispflanzen hörten auf, zu wachsen. "Wir haben nur eine Handvoll geerntet."

Im Jahr 2016 dann reiche Ernte: "Wir konnten zirka drei Tonnen Rohreis ernten und zu 1,5 Tonnen ÖsterReis verarbeiten". Der wird in der eigenen Reismühle entspelzt, zu Naturreis oder weißem Reis verarbeitet. Rasch war der "2016er" ausverkauft, das Kunden-Feedback positiv. Sein Geschmack wird gelobt, jede Bestellung kommt frisch gemahlen ins Schraubglas.

Reisöl, Reisbier?

Im Schüttkasten des Hofs duftet es nach frischem Reis. Neumeyer will auch mit "Reis-Abfallprodukten" experimentieren, er denkt an Reisöl oder Reisbier. "Interessant ist außerdem Reiskleie. Mit ihren Inhaltsstoffen könnte sie als Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, wir lassen das untersuchen", sagt er. Neumeyer ist nicht der einzige Reisbauer Österreichs. Dem Bio-Bauern Erwin Unger ist im burgenländischen Seewinkel gelungen, Reis zu produzieren – ebenso wie Erich Leyrer senior und junior in Pamhagen. Erfolgreich ist man auch im steirischen Klöch: Dort wächst unter dem Namen "Steirerreis" Mittelkornreis.

Ein letzter Blick aufs Feld – alle Hoffnung liegt auf dem Bereich mit den grünen Rispen. "2017 war bisher ein schwieriges Jahr, schon im Frühjahr bei der Aussaat. Da war es sehr kalt". Es folgten Trockenheit und im Sommer lange Hitzeperioden mit kühlen Phasen. Eine Achterbahn der Gefühle – dabei lerne man Demut, "weil die Landwirtschaft zeigt, dass der Mensch nicht alles im Griff hat". Nun wurde mit der Ernte begonnen – was sie hergibt, ist noch offen: "Sie ist in jedem Fall bescheiden, aber wir freuen uns trotzdem", sagt Neumeyer.

Info: www.oesterreis.at

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