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freizeit Essen & Trinken
05/29/2020

Nach "Schlitzaugen"-Sager: Austro-Chinesen empört über Stefan Petzner

Der prominente Gastronom Anshen Chen erteilt dem ehemaligen BZÖ-Politiker Stefan Petzner Hausverbot.

von Anita Kattinger

Fremdenfeindliche Aussagen des ehemaligen BZÖ-Politikers Stefan Petzner in einem kleinen Fernsehsender eines Boulevard-Mediums sorgen für große Aufregung in der chinesischen Community. Vor einigen Tagen hatte der ehemalige BZÖ-Politiker Stefan Petzner in einem österreichweit empfangbaren TV-Sender wortwörtlich über den "Schlitzaugen-Virus" in Bezug auf das Coronavirus gesprochen.

Der ehemalige Politiker schimpfte über die asiatische Esskultur und bezeichnete Chinesen generell als "dreckige Leute" – aus Respekt gegenüber den hier lebendenden Mitbürgern wird der KURIER keine weiteren Zitate nennen.

Nach eigenen Angaben erstattete die Plattform "FPÖ Fails" bereits Anzeige wegen Verhetzung. Auch der prominenten Anwalt Georg Zanger erstattete Anzeige.

Gefühle tausender Bürger mit chinesischen Wurzeln verletzt

Das Telefon des bekannten Wiener Gastronom Anshen Chen läutete nach der Ausstrahlung des Interviews Sturm – Österreicher mit chinesischen Wurzeln fühlen sich verletzt, wollen diese Hasstirade nicht unkommentiert lassen und drängten Chen zu einem öffentlichen Konter.

"Ich bin fassungslos! Mein erster Gedanke ist, dass der Mann so schwer krank sein muss, dass er nicht mehr weiß, was er sagt", sagt Chen im Interview mit dem KURIER.

Bereits am Anfang der Coronakrise berichteten zahlreiche Einwanderer aus asiatischen Ländern von Alltagsrassismus auf offener Straße. Stichwort: Je ne suis pas un Virus, ich bin kein Virus.

Chen selbst war bis dato nie mit Anfeindungen in seiner Wahlheimat konfrontiert: "Österreich ist seit mehr als drei Jahrzehnten meine Heimat. Ich habe mir sie nicht zuletzt deshalb ausgesucht, weil die Menschen hier weltoffen, intelligent und freundlich sind. Herr Petzner ist der erste Mensch bisher in Österreich, der mich jemals rassistisch beleidigt hat. Das sollte ihm als Person zu denken geben."

Mittlerweile hat sich die ehemalige rechte Hand Jörg Haiders auf Twitter von manchen seiner getätigten Äußerungen distanziert.

Chinesische Community spendete 40.000 Masken

Was den Gastronomen besonders stört, ist, dass seine Landsmänner und -frauen sich vor allem in der Krise solidarisch gezeigt haben: "Als es bekannt war, dass in österreichischen Krankenhäusern Mundschutzmasken dringen gebraucht wurden, hat die chinesische Community Spenden gesammelt."

Dank der hohen Summe und der guten Kontakte nach China spendeten Chen und die Community 40.000 Stück Masken am Höhepunkt der Krise Ende März – Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nahm die Spende persönlich am 31. März entgegen.

"Wir versuchen, genauso wie alle anderen Österreicher auch, mitzuhelfen, dass die Corona-Krise möglichst gut unter Kontrolle bleibt und wir alle bald unser gewohntes Leben zurückbekommen. Unüberlegte Aussagen, wie die von Herrn Petzner, tragen rein gar nichts dazu bei, sie schaden nur", sagt Chen.

Stefan Petzner hat jetzt Lokalverbot

Chen lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Österreich, der damals 22-Jährige bekam ein Stipendium der chinesischen Regierung, um an der Wiener Universität für Bodenkultur Wildbach- und Lawinenverbauung zu studieren. Nach dem Erlangen des Doktortitels machte sich der junge Mann allerdings in der Gastronomie selbständig.

Hat Stefan Petzner jetzt Lokalverbot? "Selbstverständlich! Einen solchen 'Menschen' möchte ich nicht mal auf der Straße treffen. Gott sein Dank ist er Einzelgänger."

Das Lokalverbot bezieht sich nicht nur auf das bekannte Wiener Innenstadt-Lokal Griechenbeisl, sondern auch auf die weiteren 15 Restaurants, die der Gastronom betreibt.