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freizeit Essen & Trinken
09/18/2021

Warum die Imkerei noch immer im Trend liegt

Österreichs Hobby-Bienenzüchter werden jünger und weiblicher – und warum Österreich als Absatzmarkt für gepanschten Honig nicht interessant genug ist.

von Anita Kattinger

Die süße Ernte steckt schon in den goldenen Töpfchen: Österreichs Imker und Imkerinnen blicken auf ein schwieriges, von der Menge her durchschnittliches Erntejahr zurück. Laut Standesvertreter Reinhard Hetzenauer vom Österreichischen Imkerbund konnte wegen der kalten Witterung im Mai und Anfang Juni in manchen Gegenden überhaupt kein Blütenhonig geerntet werden. Dafür gab es Waldhonig.

Vereinzelt gab es durch die Unwetter Schäden bei Bienenvölkern, allerdings sind heimische Züchter und Züchterinnen im Vergleich zu ihren deutschen Branchenkollegen (Stichwort Hochwasser) glimpflich davon gekommen.

Klebrige Untersuchung

Ist die Imkerei als Hobby noch immer beliebt? "Das Interesse ist weiterhin ungebrochen, wie die Zahlen bei den Anfängerkursen zeigen. Die Bienenhalter sind jünger und – was uns Funktionäre besonders freut – weiblicher geworden."

Von den rund 30.000 Imkereibetrieben sind 99 Prozent Freizeit- bzw. Nebenerwerbsbetriebe. Diese betreuen im Durchschnitt elf bis zwölf Bienenvölker. Auch sonst gibt es gute Nachrichten: Das sogenannte Bienensterben ist überwunden und die Anzahl der Bienenvölker in der Stadt nimmt weiterhin zu. Auch wenn es hier keine konkreten Zahlen gibt.

Honig ist eines der am häufigsten gefälschten Lebensmittel weltweit. Zwar warnt Hetzenauer vor dem Kauf auf bekannten Online-Plattformen, da Honig oftmals in Ländern wie China mit Reissirup gepanscht wird, aber: "Wenn ich den Honig in meiner Umgebung kaufe, bin ich relativ sicher, dass ich einen echten, unverfälschten Honig erhalte. Da hilft uns auch die Kleinstrukturiertheit. Nebenbei unterstütze ich dadurch die Imkerei in Österreich."

Vor einem Jahr fand eine lebhafte Diskussion unter heimischen Lebensmittelkontrollorinnen und -kontrolloren statt, welches Lebensmittel in einer Geheimaktion unter die Lupe genommen werden soll. Auf Initiative von Europol schwirrten schließlich eingeweihte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wiener Marktamts in Supermärkte aus und "beschlagnahmten" 20 Gläser Bienengold.

Die Ergebnisse wurden im Sommer präsentiert: Bei zwei Proben handelte es sich um gepanschten Honig, beide wiesen laut Analysen einen Fremdzuckeranteil und falsche Herkunftsangaben auf – Türkei und Kreta.

"Daraufhin haben wir dann weitere Proben von anderen Chargen gezogen, hier fanden wir wieder Fremdzucker. Generell ist es bei solchen internationalen Operationen sinnvoll, dass nicht der Produzent zuerst kontrolliert wird. Betrug kann auch am Produktionsweg stattfinden", erklärt Lebensmittelkontrollor Alexander Hengl vom Wiener Marktamt.

Honig ist hierzulande ein gut überprüftes Lebensmittel – rund 500 Proben werden jährlich genommen. "Die Qualität ist sehr hoch: Österreich ist für die internationale Betrugsszene weniger interessant, weil wir kleine Abnahmemengen haben." Die Eigenversorgung ist mit 44 Prozent recht hoch.

Honig
als Nahrungsmittel kannte man schon vor 6.000 bis 10.000 Jahren, wie durch die Wandmalereien „Cuevas de la Araña“ bei Valencia in Spanien bildlich festgehalten ist

Pharaonen
bekamen Honig als Grabbeigabe für ihr Leben nach dem Tod. 3.000 v. Chr. galt Honig als Speise der Götter. Ein Topf Honig war so viel wert wie ein Esel

1 Bienenvolk
muss für einen Kilogramm Honig rund 100.000 Kilometer zurücklegen

2 Teelöffel
Honig produziert eine Arbeitsbiene in ihrem kurzen Leben, das nur vier bis fünf Wochen dauert

Bienen
fliegen am liebsten blaue und gelbe Blumen an – die Farbe Rot können sie nicht erkennen

3.700 Tonnen
Honig produzierten die 29.000 Imkerinnen und Imker Österreichs im Jahr 2019/2020. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 44 Prozent,der Anteil nimmt seit Jahren ab

Deutschland
und Chile gehören zu unseren stärksten Import-Märkten

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