Juan Carlos von Spanien: ein gefallener König.

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freizeit
03/24/2021

Die wildesten Vertreter des Adels und ihre Skandale

Ernst August, Juan Carlos und Co.: Welche Persönlichkeiten aus der Aristokratie gerne auf standesgemäßes Verhalten pfeifen.

Noblesse oblige, Adel verpflichtet. Muss aber nicht zwangsläufig. Standesgemäßes Verhalten legen nicht alle Hochwohlgeborenen an den Tag. So finden sich unter den Blaublütern wahre Enfant (oder doch Infant?) terribles. Hier nur eine kleine Auswahl.

Erst am Montag, musste sich - wie berichtet -  Welfenprinz Ernst August von Hannover in Wels vor Gericht verantworten. Dort ist er wegen einer Attacke auf einen Polizisten und gefährlicher Drohung im Zustand völliger Berauschung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Es ist nicht das erste Mal, dass der Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen ist. In Erinnerung blieb der Vorfall aus 1998, als er einen Kameramann mit einem Regenschirm schlug. Schlagzeilen neben Schlägen machte etwa auch das öffentlich Urinieren gegen den türkischen Pavillon auf der Weltausstellung in Hannover.

Aber Ernst August ist mit seinen Skandalen nicht alleine. Juan Carlos von Spanien scheint sie wirklich zu sammeln. So hat der ehemalige spanische König  im Februar zur Abwendung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung mehr als vier Millionen Euro an den Fiskus gezahlt. Das frühere Staatsoberhaupt habe damit eine Steuerschuld beglichen, die sich aus dem Erhalt von rund acht Millionen Euro ergeben habe. Das Geld habe ihm eine Stiftung bis zum Jahr 2018 unter anderem zur Bezahlung privater Reisen überwiesen.

Kreditkarten von Unternehmer

Im Dezember hatte der 83 Jahre alte „Rey Emérito“ (emeritierte König) wegen anderer nicht deklarierter Einnahmen bereits 678.000 Euro an den Fiskus nachgezahlt. Dabei ging es um die jahrelange Nutzung von Kreditkarten, die ihm nach Medienberichten von einem mexikanischen Unternehmer zur Verfügung gestellt worden waren. 

Der in Spanien von Korruptionsvorwürfen und Justizermittlungen bedrängte Juan Carlos hat seine Heimat verlassen und lebt nun im Wüstenemirat Abu Dhabi im Exil. Er soll mit dem dortigen Kronprinzen Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan eng befreundet sein. Der Altkönig ließ über seinen Anwalt mitteilen, er stehe der spanischen Justiz auch im Ausland weiterhin zur Verfügung.

Tatsächlich erschüttert Juan Carlos heimliche „Flucht“ Spaniens Monarchie in ihren Grundpfeilern. Nach einem Finanzskandal seines mittlerweile inhaftierten Schwiegersohnes Inaki Urdangarin und seiner bei einem Safari-Ausflug aufgeflogenen Affäre mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein dankte Juan Carlos 2014 ab und zog sich aus dem öffentlichen Leben der spanischen Königsfamilie zurück.

Einer, den wir hierzulande nicht so sehr am Radar haben, aber für Skandale en masse sorgt, ist Prinz Laurent von Belgien (er ist der jüngste Bruder des Königs Philippe). Belgische Medien haben ihn „Rebellenprinz“ getauft. Er machte mit Raserei am Steuer von sich reden, was aber bei Weitem nicht die gröbste Verfehlung war.

Brutalo-König verteidigt

So hat er einmal den ehemaligen König Leopold II verteidigt. Wegen der brutalen belgischen Kolonialherrschaft im Kongo im 19. und 20. Jahrhundert ist das Andenken an diesem seit langem umstritten. Unter seiner Herrschaft wurde der Kongo systematisch ausgeplündert. Millionen Menschen kamen unter der Terrorherrschaft ums Leben. Um die Jahrhundertwende kamen die Gräuel nach und nach ans Licht. Seit Beginn der Proteste wurden bereits mehrere Statuen und Büsten des früheren Königs beschmiert. Laurent verstand das nicht: König Leopold II. (1835-1909) sei selbst nie in den Kongo gereist. Die Menschen dort hätten also nicht unter ihm leiden können, sagte er. Außerdem hatte er 2011 der früheren belgischen Kolonie Kongo einen von der Regierung nicht gewünschten Privatbesuch abgestattet.

Er musste außerdem wegen diplomatischen Fehlverhaltens für ein Jahr auf 15 Prozent seines staatlichen Einkommens verzichten. Das hatte das Parlament in Brüssel 2018 beschlossen. Der Bruder von König Philippe nahm an einer Feier zum 90-jährigen Bestehen der chinesischen Armee in der Botschaft des Landes teil. Ein Foto, das ihn und andere Teilnehmer beim Anschneiden eines Kuchens zeigt, verbreitete er selbst über seinen Twitter-Account.

Heikel dabei: Eigentlich darf Laurent ausländische Würdenträger nur mit Erlaubnis der Regierung treffen - worum er nach Angaben von Premier Charles Michel nicht gebeten hat.

Affäre mit Popsängerin

Nach außen hin ist der schwedische König Carl Gustaf ein Biedermann, aber dahinter versteckt sich ein Brandstifter, der nicht lange fackelt. In „Der widerwillige Monarch“ schilderte der Journalist Thomas Sjöberg nicht nur Besuche des Königs in Stripclubs, sondern behauptete auch, dass Carl Gustaf eine Gespielin gehabt habe. „Es begann recht unschuldig - eine Hand unter dem Tisch, eine Berührung mit dem Fuß“, begann Sjöberg das Kapitel über die Affäre. Camilla Henemark, Ex-Sängerin der 1990er-Popband Army of Lovers („Crucified“), um die es darin geht, nannte das Staatsoberhaupt später ihren „Spielkameraden“.

Der König dementierte undeutlich und unbeholfen, was ihn nur noch mehr in Bedrängnis brachte. In Schweden wurden Rufe nach einem Thronwechsel laut. Ein früherer Stockholmer Nachtclub-Besitzer wollte verfängliche Fotos veröffentlichen, die Ex-Geliebte kündigte ein eigenes Buch über ihre Beziehung zum König an.

Aber Königin Silvia schweig und blieb an Carl Gustafs Seite. Die Ehe der beiden überlebte die größte Krise.

Eine, die sagt was sie sich denkt und mit ihren erzkonservativen Ansichten für Aufsehen sorgt, ist Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. In den 1980er Jahren machte sie noch mit punkigen Frisuren von sich reden, dann als strenge Saniererin des Familienimperiums und später eben als fromme Katholikin.

Über die Regierungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban sagte von Thurn und Taxis: „Rechtskonservativ ist man doch heute schon, wenn man sich regelmäßig die Zähne putzt.“

Zur jüngsten Diskussion um eine Abschaffung des Zölibates sagte sie bei der ARD-Sendung „Maischberger“, das würde das Ende der katholischen Kirche bedeuten. Das Priestertum solle so entsakramentalisiert und damit zerstört werden - wobei die katholischen Kirchen voll seien. In evangelischen Kirchen sei dagegen nichts los. „Die protestantische Kirche ist heute nur noch eine politische Vereinigung mit Meditationskomponente“, konstatierte sie.

Bei einem TV-Talk Ende vergangenen Jahres im oberpfälzischen Regenstauf sorgte sie für Raunen im Publikum, als sie sagte, US-Präsident Trump sei eine Respektsperson, von der sie sich durchaus ein Foto aufhängen würde. Begründung: Trump habe in den USA die Abtreibungsindustrie gestoppt. „Für mich ist der Lebensschutz das Allerwichtigste.“

Dass ihre Kommentare einen Sturm der Entrüstung hervorrufen können, erlebte die gebürtige Stuttgarterin schon 2001: In einer TV-Sendung hatte sie gesagt: „In Afrika sterben die Leute an Aids, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ Bis heute fliegt ihr das Zitat immer wieder um die Ohren. 

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