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12/07/2020

Der Adel außer Rand und Band

Zur Zeit des Wiener Kongresses 1814 bis 1815 gab es viele hochherrschaftliche Gäste.

von Lisbeth Bischoff

Da waren hunderte Könige, Herzöge, Prinzen, Aristokraten aller Art als Diplomaten in Wien, um darüber zu verhandeln, was nach der Zeit Napoleons mit Europa geschehen soll.

Der Nachfolger von Joseph II., Kaiser Franz I., war darauf bedacht, ein guter Gastgeber zu sein. Nur war Österreich wegen des Staatsbankrotts pleite. Die Bankiers Rothschild schafften zinsenfreie Kredite herbei, um den Kongress zu finanzieren, und wurden dafür 1815 geadelt.

Viel neues Papiergeld wurde gedruckt, die sogenannte Wiener Währung. Die Untertanen verloren mit dieser Geldentwertung nicht nur einen großen Teil der Ersparnisse, sondern die Einkommen sanken unter die Grenze der Lebenshaltungskosten herab. Selbstmord, in Mitteleuropa bis dahin fast unbekannt, war auf dem Land und in der Großstadt keine Seltenheit mehr.

Der gute Kaiser Franz I. büßte seine Popularität merklich ein. Und alle wollten Joseph II. wiederhaben.

„Der Kongress tanzt“, hat man gesagt. Und es wurde auch viel geliebt. Wachposten nahmen vor den adeligen Palais Aufstellung, um zu erfahren, wer, mit wem ein Verhältnis hatte. Die so zahlreich bekannt gewordenen Exzesse führten zu heftigen Protesten. „Spannen Sie ein großes Tuch über Wien und seine Vorstadt, dann haben Sie gleich ohne Müh’ ein privilegiertes Hurenhaus“, ätzte Kaiser Josef II.

Und auch vonseiten des Klerus hagelte es Kritik. Wobei der Kanzlerprediger Zacharias Werner mit einer Messe bei den Franziskanern in Wien den Vogel abschoss. Am 8. Dezember 1814, also vor genau 206 Jahren, hielt er seine berühmte Rede über „das gefährlichste Stückchen Fleisch“ am Menschenkörper. Nachdem er an Deutlichkeit nichts ausgelassen hatte, fragte er sein entsetztes Publikum: „Soll ich es euch zeigen?“

Die Damen waren der Ohnmacht nahe, die Herren warteten fassungslos, wozu der Prediger fähig wäre – als er donnernd verkündete: „Meine Damen und Herren, sehen Sie hier die Ursache unserer Sünden!“ Ja, und dann streckte er die Zunge heraus.

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