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03/01/2021

Lagerfeuer der Superlative

Das kürzlich fertiggestellte Yabuli Entrepreneurs‘ Congress Center in China versucht auf architektonischem Weg konspirative Lagerfeuer-Romantik zu erzeugen. Ein überraschendes Abenteuer!

Die Beherrschung des Feuers war es, die uns als Menschheit vor etwa zwei Millionen Jahren erstmals ernsthaft von der Tierwelt abhob. Das ist eine unumstrittene Tatsache. Doch was das Feuer tatsächlich mit uns als Gesellschaft gemacht hat, ist vielleicht sogar noch relevanter. Zu diesem Schluss jedenfalls ist die amerikanische Anthropologin Polly Wiessner von der University of Utah gekommen.

Gespräche, wie Tag und Nacht

Ihr Fazit vorweg: Die Kontrolle des Feuers verlängerte den Tag der frühen Menschen. Am abendlichen Feuer konnten sich die Jäger und Sammler der Gemeinschaft widmen, ohne die produktiven Aktivitäten des Tages zu vernachlässigen. Für ihre Studie beobachtete Wiessner über ein halbes Jahr die Tagesabläufe von Buschmännern in Botsuana und Namibia. Dabei stellt sie fest: 75 Prozent aller Gespräche, die am Tag geführt wurden, dienten ausschließlich der Organisation notwendiger Lebensaspekte.

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In den Abendstunden, wenn die Menschen um die Feuer saßen, wechselten die Themen schlagartig. 81 Prozent der Unterhaltungen drehten sich dann um die Erlebnisse des Tages. Außerdem wurde getanzt, gesungen und man hat sich gegenseitig Geschichten erzählt. Am abendlichen Lagerfeuer werden demnach kulturelle Werte und Normen gefestigt und weitergeben. Auch an Menschen aus anderen Kulturen. Das Lagerfeuer hat demnach also unseren kulturellen Geist erst entzündet, so ihre These.

Ein Lagerfeuer namens Yabuli Entrepreneurs' Congress Center

Davon jedenfalls scheint man im Nordosten Chinas felsenfest überzeugt zu sein. Dreht sich doch beim soeben fertiggestellten Yabuli Entrepreneurs' Congress Center alles um eine Art überdimensionales Lagerfeuer.

So haben die Auftraggeber dieses spektakulären Neubaus von Anfang an darauf bestanden, ein Konferenzzentrum zu errichten, das den "unternehmerischen Geist" repräsentiert. Dazu muss man sagen, dass hierbei mit dem „Yabuli China Entrepreneurs Foru“ (Yabuli CEF) die vielleicht einflussreichste Wirtschaftsorganisation Chinas als Bauherr auftritt.

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Jedenfalls verorteten die ausführenden Architekten von MAD architects den Ursprung von besagtem „unternehmerischen Geist“ unter anderem aufgrund von Polly Wiessners Expertise – am Lagerfeuer.

Brennpunkt des Austauschs

Die über vier Etagen verteilten Räumlichkeiten sind allesamt rund um ein gigantisches Oberlicht in der Mitte des sanft geschwungenen Daches organisiert. Dieses steht sinnbildlich eben für ein zentral brennendes Lagerfeuer, wie MAD betonen. „Es fungiert als Brennpunkt und symbolische Metapher für die Ideen und Diskussionen, die in diesem Gebäude stattfinden werden!“

Tagsüber durchflutet natürliches Licht die Innenräume durch das riesige Glasoberlicht. "Nachts lässt dasselbe Oberlicht ein warmes Licht aus dem Gebäude in den kalten Bergwald aufsteigen. Dies beschwört das Bild eines Lagerfeuers auch von außen betrachtet herauf.“ An ein Feuer, an dem Unternehmer Ideen, Gedanken und Geschichten austauschen.

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Doch den Architekten lag viel daran, das Zentrum mit seinem 1.000-Sitzplätze großen Auditorium nicht nur einen archaischen Kontext zu geben. Es sollte auch in seine Umgebung eingebettet sein.

Eingebettet in die Berge

"Uns schwebte ein Gebäude vor, das sich in den Bergwald schmiegt. Als ein Ort, starker Vitalität und Kreativität, der die Kühnheit und Weisheit der Unternehmer verkörpert", so das Studio. So soll etwa das weich wirkende, geschwungene, silberweiße Dach die schneebedeckten Hügel der Umgebung widerspiegeln.

Im Innenraum schafft eine Mischung aus Holzwänden – gefertigt aus lokalen Hölzern – und natürlichem Licht eine warme Atmosphäre. Ein gläserner Gang im Außenbereich des Objekts wiederum macht die Verbindung zwischen Architektur und Natur erlebbar.

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Spektakulär ist auch die Außenhülle des Yabuli Entrepreneurs' Congress Center. Ihr Material passt sich je nach Jahreszeit den ständig ändernden klimatischen Bedingungen an. Es verändert immer passend zur Gesamtsituation sein Erscheinungsbild.

Fast so, als würden das künstliche Bauwerk und die natürliche Umwelt miteinander an einem Lagerfeuer sitzen. Um sich über das jeweilige Sein auszutauschen.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: MAD architects

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