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03/01/2021

„Marble Arch Hill“ putzt London auf

Warum London sich einen grünen Hügel bauen lässt? Um sein West End und die legendäre Oxford Street nach Corona flott neu zu beleben: Der „Marble Arch Hill“ mit Top-Ausblick auf den Hyde Park soll viele Besucher locken. Allerdings nur vorübergehend. 

Was das niederländische Büro MVRDV jüngst präsentierte, ließ nicht nur viele Briten staunen. Handelt es sich doch um einen hohlen Hügel, der mitten in London errichtet wird. Der Entwurf für diesen „Marble Arch Hill“ zeigt eine grüne Landschaft mit Wiesen und Bäumen. Er „hebt“ eine Ecke des Hyde Park an, schafft eine 25 Meter hohe Aussichtsplattform und wird einen famosen Blick über den Park, Marylebone und Oxford Street bieten. Aber nicht lange: Im Winter soll der „Berg“ schon wieder weg. Denn bis dahin soll er seinen Zweck erfüllt haben, das West End und seine pandemie-gebeutelte Einkaufsstraße Oxford Street rasch wieder zu beleben. 

„Missing Link“ auf Zeit

Die temporäre Installation „Marble Arch Hill“ wird die Verbindung zwischen Oxford Street und Hyde Park neu definieren. Direkt neben dem berühmten weißen Marmor-Monument „Marble Arch“, das 1828 von Architekt John Nash entworfen wurde. Und unweit des Speaker’s Corner amnordöstlichen Ende des Hyde Park.

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Mit dem spektakulären, aber nur temporären „Marble Arch Hill“ erfüllt das MVRDV-Team dem Stadtrat von Westminster einen dringenden Wunsch. Pläne zur Neugestaltung der Oxford Street wälzt man in London nämlich zwar schon länger. Nur: Diese Veränderungen brauchen Zeit, das Londoner West End hingegen rasch wieder mehr Besucher. Und der grüne Hügel lässt sich flott realisieren: Ab Juli 2021 soll er den Stadtteil um eine neue, außergewöhnliche Attraktion reicher machen.

„Marble Arch Hill“ würdigt Geschichte

MVRDVs Design der Installation ist von der Geschichte des Ortes inspiriert. Der „Marble Arch“ markierte einst die betreffende Ecke des Hyde Park. Doch in den 1960er Jahren wurden neue Straßen hinzugefügt. Der dadurch vom Rest des Parks abgeschnittene Bogen mutierte zu einer Art Verkehrsinsel. Eine Entwicklung, die nicht nur seinem 1835 verstorbenen Architekten arg missfallen hätte, sondern auch so manchem Briten sauer aufstößt. Immerhin hat John Nash in der Regency-Epoche viel zur Gestaltung Londons beigetragen und dem Königreich etwa auch Schönheiten wie den Regent’s Park oder den Royal Pavilion in Brighton beschert.

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Der „Marble Arch Hill“ wird seinen historischen Namensbruder „Marble Arch“ zwar nur vorübergehend zurück in würdiges Rampenlicht setzen. Dem West End schenkt London damit aber ein Highlight, das Besuchern im Sommer und Herbst bestimmt Freude machen wird.

Kultur „im Bauch“

Der Hügel am einen Ende der Oxford Street wird über eine einzige durchgehende Route erlebbar sein. Ein Pfad, der sich den Südhang hinaufschlängelt, führt zum Aussichtspunkt. Danach geht es hinab in eine große Halle im Kern der Installation. In diesem Hohlraum sind Events, Ausstellungen und mehr geplant. Der Ausgang wiederum liegt in einer Ausnehmung in der Ecke des Gebildes, was dafür sorgt, dass die Gäste mit einer weiteren Perspektive konfrontiert werden.

Impuls für Morgen

„Dieses Projekt ist eine wunderbare Gelegenheit, einem Ort mit hohem Wiedererkennungswert in London einen Impuls zu geben", freut sich MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. Und er fügt hinzu: „Dieser Ort ist voller Widersprüche. Unser Entwurf hebt das hervor. Indem wir dieses Landschaftselement hinzufügen, leisten wir einen Beitrag zum urbanen Layout des Marble Arch. Indem wir auf die Geschichte des Ortes schauen aber auch zur Zukunft der Gegend“.

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„Marble Arch Hill“ stärke die Verbindung zwischen Oxford Street und dem Park über den „Marble Arch“. Dass Architekt Maas hofft, der grüne Hügel werde mehr bewirken, als eine kurzfristige Belebung des Viertels, legt eine weitere Aussage des MVRDV-Mitgründers nahe: „Kann diese temporäre Ergänzung dazu beitragen, die Stadt zu inspirieren, die Fehler der 1960er Jahre rückgängig zu machen und diese Verbindung zu reparieren?“

Spannendes Pflaster London

Die Antwort auf Maas‘ Frage steht in den Sternen. Auch wenn London für innovatives Design und Aufsehen erregende Bauwerke bekannt ist: Einerseits finden ausgefallene Ideen wie etwa die noble Wellness-Wunderwelt im Untergrund von Notting Hill anderswo kaum je so viel Zustimmung wie hier. Andererseits entsteht Neues in Großbritanniens Metropole so gut wie nie ohne Kontroversen. Überraschend „andere“ Projekte wie der futuristische Wolkenkratzer „The Tulip“ ernten vorab schon ebenso viel Spott wie begeisterten Applaus.

Zwischen Jubel und Kritik

Beim „Park-Hügel auf Zeit“ sieht es nicht anders aus. Wie das gewohnt kritische Alternativ-Magazin „Timeout“ berichtet, klingen die Reaktionen vor Ort nämlich auch diesfalls keineswegs nach uneingeschränktem Jubel: „Manche sehen darin eine dumme Ablenkung von dringenderen Problemen. Andere stellen Londons infrastrukturelle Prioritäten in Frage“. Denn während der Hügel neben dem Marble Arch errichtet wird, harrt etwa die Hammersmith Bridge nach wie vor der nötigen Sanierung.

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Bedenkt man, dass der grüne Hügel das optisch auffälligste Element einer 150 Millionen Pfund teuren Entwicklungsinitiative des Westminster Council ist, wird klar, dass das Projekt zwangsläufig Argwohn schürt.

Architektur als Wirtschafts-Turbo

Kay Buxton, Geschäftsführerin des Marble Arch London BID, scheint dies jedoch entspannt zu sehen. Denn „Timeout“ zitiert die Managerin so: „Marble Arch Hill ist ein klarer Lockruf zur Wiederbelebung des Londoner Gastgewerbes und des Freizeitsektors an einem weltbekannten Ort“. Das Projekt sei „eine wirklich einzigartige und einmalige Gelegenheit, London aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen“.

Park mit Gerüst als Basis

Nichts zu rütteln gibt’s an der Tatsache, dass mit „Marble Arch Hill“ ein spannendes Projekt entsteht. Eine Gerüststruktur an der Basis wird die Sperrholz- und Erdschichten tragen, die für das Wachstum der oberen Grasschicht nötig sind. An strategischen Punkten wird die Struktur angepasst, um große Pflanz-Kübel für Bäume aufnehmen zu können.

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Der Entwurf entstammt zwei früheren Projektdesigns der MVRDV-Architekten: Dem transformativen Potenzial temporärer Gerüststrukturen, das ihre Installation „Stairs to Kriterion“ 2016 in Rotterdam demonstrierte. Und dem Vorschlag für den „Serpentine Pavilion 2004“ im Hyde Park, an den das aktuelle „Berg-Konzept“ erinnert. Die ambitionierte Idee zu Letzterem konnte damals nicht realisiert werden, wird nun in London aber doch zum Leben erweckt.

Nachhaltigkeit & Zukunft mitbedacht

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt bei der Konstruktion des „Marble Arch Hill“. Dass auch der Abbau nur so wenig Abfall wie irgend möglich verursachen darf, stand von vornherein fest. Deshalb legte MVRDV größten Wert auf die Wiederverwertbarkeit der Elemente. Die Gerüststruktur kann demontiert und anderswo erneut verwendet werden. Und die oberste Schicht, die aus Holz, Erde, Gras und Bäumen besteht, kann samt und sonders in umliegenden Gärten und Parks neue Verwendung finden.

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Ob dem grünen Hügel von London die erhofften Touristenströme beschieden sind, hängt freilich stark vom weiteren Verlauf der Covid-Pandemie ab. An Interesse sollte es indes nicht mangeln. Schließlich sind die Oxford Street und das West End spätestens seit den 1960er Jahren ein Magnet für Mode-, Kunst- und Kultur-Begeisterte aus aller Welt. Dass die neue Attraktion „Marble Arch Hill“ sowohl die Bürger Londons, als auch Gäste zusätzlich locken wird, steht außer Zweifel. Obwohl, wie „Timeout“ und andere Lokalmedien berichten, der Besuch vermutlich Zeit erfordern wird.

Beschränkter Zutritt

In einem, von „Timeout“ zitierten MVRDV-Tweet stand zu lesen, dass jeweils nur 25 Personen zugleich Zutritt zum Aussichtspunkt des Wunderwerks bekommen können. Lang ebendort zu verweilen wird also kaum möglich sein. Auch spontaner Aufstieg auf den „Marble Arch Hill“ ist offenbar keine Option. Ohne Vorab-Buchung werde man, so das Magazin, die Spitze des temporären Monuments nämlich nicht erklimmen können.

Hot-Spot „Marble Arch Hill“

Anzunehmen, dass auch Eintrittsgebühren ein Thema sein werden. Bei einer erwarteten Gesamtbesucherzahl um die 200.000 bedeutet all dies sehr wahrscheinlich: Erst einmal Schlange stehen! Allerdings: Die Briten konnten das schon immer besonders gut. Und den Rest der Welt hat nun die Pandemie gelehrt, wie’s geht...

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: MVRDV

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