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02/23/2021

Kujdane, die aus dem Lockdown kam

Weil zwei iranischen Architekten-Brüdern im Lockdown langweilig wurde, konzipierten sie ein auf sie zugeschnittenes Waldhaus namens Kujdane. Nun scheint dieses überraschend die Welt zu erobern.

Die Größe des Iran und seine Vielfalt werden vor allem durch eine Tatsache offensichtlich: Hierzulande werden bis heute 50 so genannte iranische Sprachen gesprochen! Eine davon: Gilaki. 2,6 Millionen von insgesamt rund 80 Millionen Iranern sprechen diese Sprache. Vorwiegend jene Menschen, die in der nördlichen Provinz Gilan am kaspischen Meer leben. Wie die beiden Brüder Yaser Rashid Shomali und Yasin Rashid Shomali.

Lockdown-Baby Kujdane

Gemeinsam haben sie vor Jahren ihre Architekturbüro Shomali Design Studio gegründet und mit diesem bereits innerhalb des Iran einige Erfolge verbuchen können. Doch nun scheint ausgerechnet ein aus der Not heraus geborenes Baby auch auf breites internationales Interesse zu stoßen: Name „Kujdane“, was in Gilaki so viel wie „sehr klein“ bedeutet. Und das ist seine Geschichte:

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Während des ersten Lockdowns Anfang 2020 fanden sich die beiden Brüder genau so wie die meisten anderen Unternehmer in einer überraschenden Zwangsarbeitspause wieder. Die bestehenden Aufträge wurden binnen Tagen auf „Hold“ gestellt. Von neuen Aufträgen wagte niemand zu träumen. Als sich die beiden vom ersten Schrecken erholt hatten, wurde ihnen freilich bald langweilig. Also beschlossen sie, endlich einmal ein Objekt zu entwerfen, das ausschließlich ihre eigenen Bedürfnisse spiegeln sollte.

Sehnsucht nach Einklang mit der Natur

"Wir wollten virtuell reisen. Mit unserem eigenen engagierten Stil", sagt Yaser Rashid Shomali heute rückblickend. Aber was bedeutet das? Das eingespielte Design-Duo war sich sehr schnell darin einig, ein Haus entwickeln zu wollen, das einerseits ihrer Sehnsucht nach Einklang mit der Natur entspricht aber gleichzeitig auch auf ihre Heimat referenziert. Und so landeten die zwei sehr rasch bei den für die Provinz Gilan sehr typischen A-Rahmen-Hütten.

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„Unsere Idee war es, den altmodischen und starren Stil der A-Rahmen-Hütten so zu verändern, dass die Umgebung zum Bestandteil des Objektes wird“, so die Architekten. Die Architektur sollte so konzipiert sein, dass sie den Luxus eines zeitgenössischen Raums präsentiert, der sich gleichzeitig wie von selbst in die Natur bettet. „Wir wollten, dass man in jedem Raum die äußeren Bedingungen förmlich spüren kann.“ Das Haus sollte auf einer emotionalen Ebene für Schnee, Licht und Regen durchlässig sein.

Ein gespaltenes A

Um dies zu ermöglichen, schnitten die kreativen Köpfe das sonst einfach spitz zusammenlaufende A-Rahmen-Haus genau am Giebel senkrecht durch und rückten die beiden Haushälften einige Meter auseinander. Durch diesen Kunstgriff schufen sie Platz und ein gläsernes Atrium durch das Herz ihres Kujdane. „So schufen wir eine vertikale Verbindung zwischen Himmel und Boden“, erzählen sie stolz. Kombiniert mit einer raumhohen Glasfassade wird zusätzlich der Blick in die direkte Umgebung frei, der umgekehrt somit optisch Einlass in den Wohnbereich gewährt wird.

Die Innenräume wiederum sollen mit der umgebenden Natur nicht in Konkurrenz treten. Deshalb wurden überwiegend Holzelemente in Kombination mit unaufgeregten kühlen Grautönen verwendet. Aufgeteilt in zwei Ebenen, betritt man das erhöhte Haus über eine Holzaußentreppe, die es mit dem Waldboden verbindet. Während die untere Etage als Wohn- und Essbereich der Familie konzipiert ist, befinden sich in der oberen Etage eher private Räume. Das Hauptschlafzimmer und ein Arbeitszimmer etwa. Vertikale verglaste Öffnungen entlang der Dachschräge geben den Blick auf die Außenlandschaft frei. Spannender Sidekick: Ein kleiner Teich unterhalb des Hauses wird zur Sammlung von Regenwasser verwendet und schafft gleichzeitig einen kühlenden Effekt für das gesamte 90-Quadratmeter-Objekt.

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Zeitsprung ins Heute: Zum Glück haben inzwischen die meisten Kunden des Shomali Design Studio ihre Projekte wieder aufgenommen. Doch das persönliche Lockdown-Baby namens Kujdane wurde deshalb nicht einfach weggelegt. Gerade sind sie dabei, es für sich selbst zu realisieren und gleichzeitig freuen sich die zwei über Anfragen aus aller Welt.

Erster Schritt: Australien

„Wir haben dafür bereits Kunden in einigen Ländern. Der erste Bau wird demnächst in Australien starten. Dort wird Kujdane an einem schönen Orten abseits des Großstadttrubels realisiert werden", erzählen sie. Das heißt: Ihre Idee eines Hauses, das mit der Natur in Einklang steht, kommt auch bei anderen Menschen gut an.

Gut möglich, dass diese Tatsache auch mit der Pandemie in Zusammenhang steht. Zumindest sind wir gerne so naiv zu hoffen, dass der Mensch in Zukunft vielleicht generell intensiver mit der Natur Einklang suchen wird, als es bis dato der Fall war …

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Shomali Design Studio

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