Zukunft, auf Holz gebaut

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Unter dem Namen „Movikheien Cabins“ entsteht in Norwegen eine Siedlung aus kompromisslos nachhaltigen Stelzenbauten. Autoverbot inklusive.

Die Sache klingt ein bisschen so, als hätten sich die Architekten des Osloer Büros Spacegroup“ an den Zeichentisch gesetzt, um das Minimundus einer perfekten Welt zu erschaffen. Denn die Projektbeschreibung der so genannten Movikheien Cabins liest sich wie der Wunschtraum von Greta Thunberg und Freunden: In jedem Detail wurde das Thema Nachhaltigkeit bedacht. Und zwar nicht nur beim Bau der einzelnen Hütten. Sondern auch im Zusammenspiel der 16 Holzkabinen auf dem vorhandenen Gelände.

Wo man eigentlich nicht bauen möchte

Konkret handelt es sich um einen Waldabschnitt an der norwegischen Küste, an dem die Movikheien Cabins entstehen werden. Ein sanft abfallendes Areal, das etwas abseits der Zivilisation in Hagefjorden gelegen eigentlich nur mit unverhältnismäßig starken Eingriffen bebaut werden könnte. Zufahrtsstraßen müssten erst gebaut und Keller für Fundamente kompliziert gegraben werden. Also in Wahrheit genau das, was man als Bauherr nicht einmal ins Auge fassen würde.

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Doch gemeinsam mit ihrem Kunden haben die Architekten von Spacegroup aus Norwegen genau umgekehrt gedacht. Ihre Schlussfolgerung: Wenn ein Gelände auf die althergebrachte Methode nicht wirtschaftlich erschlossen werden kann, dann ist es vielleicht der beste Boden, um zu beweisen, was moderne Bauweisen drauf haben!

Alte Muster durchbrechen

„Uns war von vornherein klar, dass wir hier die Möglichkeit haben, eingefahrene Muster der Baubranche zu durchbrechen“, erklären die Architekten in der Erstbeschreibung der Movikheien Cabins. Von Anfang an ging es dem Team darum, den sonst überdimensional gedachten Häusern mit großem Kohlenstofffußabdruck ein erfolgreiches Gegenbeispiel vorzuhalten.

Deshalb gingen die Spacegroup-Planer bei der Entwicklung auch anders vor als sonst. Es wurde nicht einfach ein Objekt geplant und dann a la Copy-Paste-Verfahren auf dem vorhandenen Platz verteilt. Vielmehr entwickelte man zuerst eine Art Wertekatalog, in dessen Raster die 16 Hütten eingebettet werden sollten.

Einer der wichtigsten Eckpunkte darin: Für das gesamte Gelände wurde ein Autoverbot ausgerufen. „Straßen hätten einen besonders großen Eingriff in das Areal erfordert“, so die Architekten. Zumal das besonders hügelige und dicht bewaldete Gebiet vom Straßenbau besonders intensiv in Mitleidenschaft gezogen worden wäre.

Movikheien Cabins: Nur keine Lastwagen!

Daraus resultiert aber natürlich ein relativ großes Fragezeichen, was die Beschaffung von Baustoffen und den Einsatz von Baumaschinen betrifft. „Wir mussten also einen komplett neuartigen Prozess aufsetzen, der dieses Problem bewältigbar machte“, erläutert das Entwicklungsteam. So legte man zuerst fest, dass man sich der in Norwegen nahezu in Vergessenheit geratenen „Light-Touch-Bauweise“ bedienen würde.

Um diesen Zugangsweg von vornherein richtig zu realisieren, haben wir gemeinsam mit dem Bauherrn einen Baumpfleger, einen Kletterer und einen auf Wegebau spezialisierten Architekten an Bord geholt.

von Das Spacegroup-Team

Das heißt, die zu 100 Prozent aus Holz gefertigten und 64 Quadratmeter großen Hütten sollten allesamt auf möglichst wenigen aber besonders stabilen Holzpfeilern ruhen. Dadurch würde das Objekt selbst kaum mit dem Boden in Kontakt kommen und somit nur wenige Prozent der eigenen Grundfläche zum Problem des Waldes machen. Kurz gesagt: Der Wald kann unter den einzelnen Wohneinheiten in Zukunft ganz einfach Wald bleiben. (Ähnlich, wie auch beim "Vielleicht verstecktesten Haus der Welt").

Häuser als tierischer Unterschlupf?

Die so vor Wind und Wetter geschützten Bereiche könnten sogar Zufluchtsort für Tiere werden. Und: Jede Holzhütte beansprucht nur jenen Platz für sich, auf – oder über – dem sie steht beziehungsweise schwebt. Das restliche Stück Land ist für die gesamte Gemeinschaft nutzbar. Es besitzt also niemand mehr oder weniger Grund als der andere Hüttenbewohner.

Das ist nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht interessant. Es hat vor allem einen praktischen Hintergrund. Die so mögliche freie Ausrichtung der Häuser hilft dabei, den gegebenen Raum auf natürliche Weise zu klimatisieren. Das Zusammenspiel aus Schatten und Sonneneinfall ist bei den Movikheien Cabins nämlich alles andere als ein Zufall!

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Zudem entwickelten die findigen Designer eine Methode, um die Komponenten so einfach und so klein zu realisieren, dass sie vorgefertigt und ohne traditionelle Baumaschinen transportiert werden können. Und zwar über einen Wanderweg, der die einzelnen Movikheien Cabins untereinander verbindet. „Um diesen Weg von vornherein richtig zu realisieren, haben wir gemeinsam mit dem Bauherrn einen Baumpfleger, einen Kletterer und einen auf Wegebau spezialisierten Architekten an Bord geholt“, erzählen die Movikheien Cabins-Macher.

Wer wird in den Movikheien Cabins wohnen?

Wann die 16 Hütten fertiggestellt sein werden, ist noch nicht ganz klar. Sobald die Movikheien Cabins allerdings über der Movik-Bucht – daher die Namensgebung – thronen werden, kann die als Urlaubs-Bungalows gedachten  Holzhütten jeder heim-suchen.

Vor allem aber sollen Einheimische ein gewisses Vorrecht auf die nachhaltige Destination genießen, wie der Bauherr in seinem Schlussstatement durchblicken lässt: „Da die Pandemie die Reiseaktivität für jedermann eingeschränkt hat, stellt der Movikheien Cabins-Komplex ein attraktives, ansprechendes lokales Reiseziel für alle Norweger dar.“ Und für unsereins einen weiteren Grund, auf ein baldiges Pandemie-Ende zu hoffen.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: EVE Images / Spacegroup

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