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04/27/2021

Urlaub im Eiland

Das iranische Architekturbüro ZAV ruft den Tourismus 4.0 aus. Mit den eiförmigen Unterkünften ihrer „kulturellen Wohnanlage“ schufen sie auf der Insel Hormus eine architektonische Attraktion für umweltbewusste Reisende.

Die kreisrunde Felseninsel im Persischen Golf trägt den Beinamen Regenbogeninsel. Dies hat die iranische Insel Hormus den leuchtenden Farben zu verdanken, die ihre Gesteinslandschaft hervorbringt. Im südwestlich gelegenen Regenbogental ist es besonders markant. Hier changieren die Felsen rot, grün, gelb, ocker und türkis. Ein Farbenspektrum, das die kreativen Köpfe von ZAV Architects für die erste Ferienanlage der Insel übernommen haben.

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Eine überschaubare Anlage

Bislang sind die touristischen Unterkünfte auf der Insel überschaubar. Und das soll auch so bleiben. Eine mehrstöckige Hotelanlage, die den Blick auf die einzigartige Landschaft verstellt, wollte man hier nicht haben. Vielmehr sollte der einst bedeutende Handelsplatz an der Straße von Hormus touristisch sanft erschlossen werden.

Das Architekturbüro lieferte einen Entwurf für eine ebenerdige Ferienanlage mit 15 Häusern, allesamt gut überschaubar. Die einzelnen Wohneinheiten bestehen aus unterschiedlich großen, eiförmigen Räumen. Die miteinander verbundenen Kuppeln sind in unterschiedlichen Farben gestrichen, die den bunten Felsen der Insel abgeschaut sind.

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Die unterschiedlichen Kuppeln bilden eine topografische und farbige Skyline, ähnlich jener von Hormus’ Landschaft.

ZAV Architects

Neben den Ferienunterkünften bietet die Anlage auch Restaurants, Cafés, Souvenir-Shops und Empfangsräume. Dem Entwurf der Anlage ging eine detaillierte Studie der natürlichen Umgebung voraus. „Die unterschiedlichen Kuppeln bilden eine topografische und farbige Skyline, ähnlich jener von Hormus’ Landschaft, die wir im Vorfeld eingehend studiert haben“, so das Büro.

Bilbao-Effekt erwünscht

„Die Architektur soll Besucher auf die vergessene Insel Hormus locken und so die Wirtschaft ankurbeln“, erklärt das Architekturbüro den Hintergrund des Projektes. Ein Konzept, das wohlerprobt ist, und mittlerweile als Bilbao-Effekt bezeichnet wird. Die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Architektur nahm mit dem Bau des Guggenheim-Museums in der baskischen Stadt Bilbao ihren Anfang.

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Anders als Frank Gehrys dekonstruktivistischer Bau soll die „kulturelle Wohnanlage“ von ZAV Architects die natürlichen Formen der Insel widerspiegeln und sich harmonisch in die Landschaft einfügen. „Bei diesem Projekt wurde ein größerer Baukörper in eine Vielzahl von kleinen Raumeinheiten aufgesplittet. Die so entstandene Siedlung ähnelt in ihrer homogenen Beschaffenheit der eines nachbarschaftlichen Viertels“, wie die Teheraner Architekten erklären.

Nachhaltiger Tourismus

Der angestrebte wirtschaftliche Aufschwung der Insel soll nachhaltig sein und – im Sinne des Ökotourismus – die lokale Bevölkerung an der Wertschöpfungskette teilhaben lassen. Aus diesem Grund wurde für die Ferienanlage eine Low-Tech-Bauart gewählt, die zum Großteil von den ansässigen Bewohnern der Insel umgesetzt werden konnte.

Architektur ist eine Plattform zur Veränderung der Welt und seine Mission ist die Innovation.

ZAV Architects
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Mit Erde und Sand gefüllte Säcke bildeten das Baumaterial, das mittels Stahl und Zement befestigt wurde. Mit ihren erworbenen Fähigkeiten konnten die eingeschulten Bauarbeiter nach Fertigstellung der Anlage an weiteren Projekten inner- und außerhalb der Insel mitarbeiten. Das örtlichen Gemeinde- und Fortbildungszentrum startete zudem gastgewerbliche Schulungen, um die Inselbewohner zu Hotelbediensteten auszubilden.

Architektur außerhalb der Komfortzone

Die Architekten wollen mit ihrer Arbeit ein Bewusstsein schaffen, das den Status quo hinterfragt und den Weg für Veränderung und Verbesserung ebnet. „Architektur ist eine Plattform zur Veränderung der Welt und seine Mission ist die Innovation“, proklamiert das Büro ZAV.

„Dazu muss Architektur Prozesse designen anstatt Objekte, denn Prozesse können ein Projekt an neue Horizonte heranführen. Deshalb sind wir immer darum bemüht, die Architektur aus ihrer Komfortzone herauszuholen.“

Text: Gertraud Gerst Fotos: Tahmineh Monzavi, Soroush Majidi and Payman Barkhordari, ZAV Architects

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