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04/19/2021

Revolution des urbanen Wohnens

Der futuristische Stadt-Staat Neom in Saudi Arabien erhält Zuwachs: In Form der 170 Kilometer langen autofreien, linearen Stadt „The Line”.

Als wäre der geplante Stadt-Staat Neom in Saudi-Arabien nicht schon utopisch und futuristisch genug. 2017 ließ Kronprinz Mohammed bin Salman erste Pläne zur intelligenten Wüsten-Stadt der Superlative im Nordwesten der Arabischen Halbinsel verlautbaren. Seitdem wird umgesetzt. Und das Megaprojekt, das gleichzeitig Hi-Tech und Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Attraktion, Tourismus sowie Investment verbinden soll, wurde soeben um das nächste krasse Vorhaben erweitert: The Line.

The Line: „Revolution des urbanen Wohnens”

The Line wird ein 170 Kilometer langer Gürtel aus „hypervernetzten Gemeinden ohne Autos und Straßen”. Die „Revolution des urbanen Wohnens” sei die direkte Antwort auf einige der aktuell drängendsten Herausforderungen der Menschheit: veraltete Infrastruktur, Umweltverschmutzung, Verkehr, Überlastung in jeder Hinsicht.

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Das Kofferwort Neom setzt sich aus dem griechischen „neo” (für neu) und der arabischen Abkürzung M (für das Wort „mostaqbal”, was Zukunft bedeutet) zusammen. Mit einer Fläche von 26.000 Quadratkilometern ist das ganze Gebiet annähernd so groß wie Belgien.

Die lineare Stadt The Line wiederum wird sich von der Küste des Roten Meeres beim Golf von Aqaba hinauf durch den Nordwesten des Königkreichs ziehen. Sie ist einer der Pfeiler der saudischen „Vision 2030”. Bis zu diesem Jahr soll das Megaprojekt 380.000 Arbeitsplätze schaffen und umgerechnet rund 40 Milliarden Euro zum BIP beitragen.

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The Line soll zu hundert Prozent aus „sauberer Energie” gespeist werden. Mit der gesamten „Neom”-Zone will sich der weltgrößte Öl-Exporteur wirtschaftlich breiter aufstellen. Baubeginn ist in 2021. Das Neom-Gebiet insgesamt, mit mehreren verschiedenen Zonen wie einem Industrie- und Logistik-Zentrum, soll 2025 fertiggestellt sein.

Zuletzt haben die Bemühungen Saudi-Arabiens, ausländische Geldgeber für Investitionen zu gewinnen, durch die Ermordung des Journalisten Jamal Kashoggi einen deutlichen Dämpfer erfahren.

Fußgängerfreundlich

Der (nicht nur) für seine (unklare) Rolle in diesem Mordfall umstrittene Kronprinz zeigte sich bei der Präsentation von The Line als Wohltäter: Nach der industriellen Revolution hätten Maschinen, Autos und Fabriken in Städten den Vorrang vor den Menschen bekommen, so Mohammed bin Salman.

Die Menschen verbrächten Jahre ihres Lebens mit Pendeln. Bis 2050 müssten Massen wegen des steigenden Meeresspiegels umziehen. 90 Prozent der Menschen atmeten verschmutzte Luft ein. „Deshalb müssen wir das Konzept einer konventionellen Stadt in das einer futuristischen Stadt umwandeln”.

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Keine Autos, keine Straßen, keine Kohlenstoffemissionen. Das Leben in der Millionenstadt soll fußgängerfreundlich sein. Alles Wesentliche für das tägliche Leben wie Schulen, Arztpraxen, Freizeiteinrichtungen sowie Grünflächen, werde innerhalb von fünf Minuten fußläufig erreichbar sein, heißt es.

Sollte Transport nötig sein, dann über Ultra-Hochgeschwindigkeits-Verkehrsmitteln und autonome Mobilitätslösungen. Die Fahrt von einem Ende zum anderen von The Line soll maximal 20 Minuten dauern. So sollen 95 Prozent der momentan bestehenden Natur erhalten bleiben.

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Neue Art von Smart

Künstliche Intelligenz (KI) soll die verbundenen Gemeinden zu selbstlernenden Gemeinden machen. Die Neom-Developer schätzen, dass 90 Prozent der verfügbaren Daten dazu genutzt würden, um die Infrastruktur zu verbessern – wesentlich mehr als es typischerweise in aktuellen Smart Cities der Fall sei. Zeichnungen zeigen KI-betriebene Fahrzeuge, unterirdisch fahrende U-Bahn-Linien und Hochgeschwindigkeits-Güterbeförderungen.

Im November 2020 hat das Unternehmen Neom seine Hauptquartier dort bezogen – ein Schritt, der das Wachstum des 500-Milliarden-Dollar-Superprojekts beschleunigen soll. An die 500 Menschen arbeiten bereits dort, 170 Kilometer von der Stadt Tabuk entfernt.

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Avantgarde hat ihren Preis

Wahrscheinlich dürfte man bei dem Mega-Projekt gar nicht von einer Utopie sprechen. Es ist davon auszugehen, dass es durchgezogen wird – ob mit oder ohne ausländische Investoren und Projektbeteiligte (Stararchitekt Norman Foster beispielsweise hat sich daraus zurückgezogen). Avantgardistisch ist es allemal.

Doch das Projekt hat auch seinen nicht-finanziellen Preis. Laut der saudiarabischen Menschenrechtsorganisation Alqst müssen ortsansässige Beduinenstämme das Feld räumen. Die Regierung bietet zwar Entschädigungssummen an. Jene, die sich weigern, werden jedoch verhaftet oder Schlimmeres.

Text: Linda Benkö Renderings: NEOM, gettyimages, Screenshots aus den Neom-Videos zum Projekt

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