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UBM Development
02/26/2020

Das siegreiche „Olympic House“

Es war schon preisgekrönt, ehe es im Sommer 2019 eröffnet wurde: Das vom dänischen Büro 3XN designte, neue IOC-Hauptquartier in Lausanne sammelt Auszeichnungen.

Vom „besten Office-Zukunftsprojekt“ und „besten nicht-öffentlichen Geschäftsgebäude“ bis zu Top-Zertifikaten für Nachhaltigkeit. Jetzt winkt dem „Olympic House“ obendrein ein MIPIM-Award.

Der „internationale Olympia-Tag“ erlaube es jedes Jahr, die olympische Bewegung zu feiern und zu vereinen, betonte IOC-Präsident Thomas Bach anlässlich der Eröffnung des neuen „Olympic House“ am 23.Juni 2019 in Lausanne. Zugleich zelebrierte man den 125. Jahrestag der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Und es kam zu einer überaus praktischen „Vereinigung“: Durch den Neubau des IOC-Hauptquartiers konnten die über 500 Mitarbeiter der Organisation unter ein gemeinsames Dach ziehen. Statt, wie bisher, in vier getrennten Gebäuden in der Stadt, logieren sie alle nun im neuen Haus am Genfer See. In einem eleganten Kunstwerk, das Auszeichnungen sammelt wie kaum ein anderer Bürokomplex.

Baulich umgesetzte Philosophie

Das „Olympic House“ solle, so Architekt Jan Ammundsen vom dänischen Büro 3XN, „die Offenheit des IOC als Organisation“ repräsentieren. Als Basis und Inspiration für das Design habe man die olympische Bewegung und deren Werte herangezogen, schildert das Architekten-Team. Man habe sich zum Ziel gesetzt, deren fünf wichtigste Grundsätze baulich umzusetzen: Bewegung, Transparenz, Flexibilität, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit.

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Den Auftrag für das Großprojekt erhielt 3XN im Jahr 2014 nach einem internationalen Wettbewerb, an dem 114 Architekturstudios teilgenommen hatten. Für die Ausführung holten sich die dänischen Experten das lokale Schweizer Büro IttenBrechbühl ins Boot. Eine höchst erfolgreiche Kooperation.

Bei Nachhaltigkeit weltweit im Spitzenfeld

Mittlerweile gilt das zwischen 2016 und 2019 erbaute Olympic House als eines der nachhaltigsten Gebäude der Welt. Und es wurde bereits mit einem Preis geehrt, bevor es seine Pforten öffnen konnte: Beim World Architecture Festival 2018 mit dem Award „Best Office Future Project“.

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Im Jahr 2019 folgten weitere Ehren. Denn das „Olympic House“ holte sich den Blueprint Award fürs „Best Non-Public Project Commercial“ und gewann beim „Prix Bilan de l' immobilier“ sogar in zwei Kategorien: Als bestes Verwaltungsgebäude und für erstklassige Gebäudeökologie.

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Dass die Architekten größten Wert auf höchste Umweltverträglichkeit legten, macht sich bezahlt. Der neue IOC-Hauptsitz schaffte nämlich einen beachtlichen Triple-Erfolg in Sachen Zertifizierung: LEED v4 Platinum, SNBS Platinum und Minergie P.

Drei begehrte Zertifikate

Damit ist das Gebäude nicht nur das erste internationale Headquarter, das die höchste Auszeichnung nach „Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz“ (SNBS) sein Eigen nennen darf. Das „Olympic House“ erreichte auch die höchste Punktezahl (93) aller bisher LEED v4-zertifizierten neuen Bauprojekte – eine Auszeichnung, die für Ressourcenschonung, Senkung des CO2-Ausstoßes und Anwendung nachhaltiger Verfahren vergeben wird.

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Obendrein ist der innovative Bürokomplex das erste Gebäude, das die Anforderungen aller drei genannten Zertifikate erfüllen konnte. Als Finalist in der Kategorie „Best Office & Business Development“ hat es nun auch gute Chancen, sich im März 2020 einen MIPIM-Award zu holen.

Gekonntes Recycling fürs „Olympic House“

Am Anfang des rund 129 Millionen Euro teuren Projekts stand der Rückbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes. 95 Prozent der alten Substanz wurden für das neue „Olympic House“ wiederverwertet.

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Das Design des neuen Gebäudes zollt dem früheren IOC-Sitz im Château de Vidy und dem umgebenden Park Respekt: Der auch bei den Mitarbeitern beliebte, öffentliche Louis-Bourget Park und die ausgedehnte Grünzone des schönen Standortes am Seeufer blieben unberührt, obwohl der Bürokomplex jetzt über doppelt so viele Quadratmeter Nutzfläche verfügt.

Highlight für Besucher

Der Point of Interest Pavillon wurde behutsam ans Ende eines Holzpfades gesetzt. Dort bietet er Touristen und Besuchern nun grandiosen Blick über den IOC-Garten, das Château und das „Olympic House“.

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Durch die Minimierung des ökologischen Fußabdrucks wird das neue Hauptquartier dem Umwelt-Engagement des IOC gerecht. Abstriche in Sachen Qualität des Arbeitsumfeldes wurden dafür jedoch nicht gemacht. Im Gegenteil: Mit grünem Dach, Terrassen, Fitnesscenter und natürlicher Umgebung bietet das neue Gebäude den Mitarbeitern viele Sport- und Erholungsmöglichkeiten.

Sparsam durch Sonne, See- & Regenwasser

Nachhaltige Merkmalewie Wasserhähne mit geringem Durchfluss und Regenwasserspeicher senken den Ressourcenverbrauch. Sonnenkollektoren auf dem Dach sorgen für geringeren Energiebedarf aus dem Netz. Außerdem wird Seewasser mittels Wärmeaustausch-Verfahren zum Kühlen und Heizen des „Olympic House“ genutzt.

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Die gläserne Fassade des „Olympic House“ hat sowohl praktische, als auch symbolische Funktion. Dass sie die zum Teil flexibel gestaltbaren Innenräume mit Tageslicht flutet, verspricht Lebensqualität in den Büros. Ihre Transparenz indes steht, wie die Architekten erklären, für die Offenheit des IOC als Organisation.

Von athletischer Bewegung inspiriert

Eine Doppelglasfassade ist quasi das Markenzeichen des Entwurfs. Das Ergebnis ist eine dynamische Form, die aus einer geraden Innenschicht und einer geschwungenen, facettierten Außenschicht besteht. Sie soll an die Bewegungen olympischer Athleten erinnern. Die innere Schicht verfügt über integrierten Sonnenschutz. Die Doppelglas-Konstruktion dient zudem als wertvolle Schalldämmung, die die Mitarbeiter vorm Lärm der nahe der Nordseite des Gebäudes verlaufenden Autobahn schützt. Ein Hohlraum zwischen den Fassadenschichten ermöglicht einfache Wartung.

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Die „Unity“-Treppe im Inneren des „Olympic House“ erhebt sich durch die gesamte Höhe und verbindet alle fünf Stockwerke in einem zentralen Atrium. Sie ist als visueller Ausdruck der Einheit von Mitarbeitern und Stakeholdern gedacht. Und sie soll für den olympischen Geist stehen, für gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Solidarität und faires Spiel.

Referenz an die Olympischen Ringe

Die Treppe und ihre Peripherie bilden den zentralen Bereich für soziale Aktivitäten, der das Gemeinschaftsgefühl im IOC-Hauptquartier unterstützen soll. Dementsprechend wurden auch Ausstellungsräume, Konferenzzimmer und ein Café rund um die „Unity Staircase“ arrangiert. Das Design des elegant gewundenen Eichenholz-Konstrukts ist eine Referenz an Baron Pierre de Coubertins Olympische Ringe.

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„Wir haben nach ganzheitlichem Ansatz mit führenden Spezialisten und Herstellern zusammengearbeitet, um die Nachhaltigkeit für den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes zu sichern“, schildert Robin Kirschke, Partner bei IttenBrechbühl.

Breit gefächerte Kooperation

Das „Olympic House“ gilt zudem als außergewöhnliches Beispiel für die innovative Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen. Immerhin haben hier unter anderem das IOC, die Worldwide Olympic Partners (The Dow, Toyota und Panasonic), zwei Architekturbüros (3XN und IttenBrechbühl), mehrere Nachhaltigkeitszertifizierungsstellen, lokale Behörden, Lieferanten und Wissenschaftler gemeinsame Interessen verfolgt.

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Auch dass – wie bei Großprojekten selten – der ursprünglich geplante Kostenrahmen von 181 Millionen Euro sogar unterschritten wurde, dürfte alle Beteiligten erfreuen. Ebenso, wie das internationale Interesse am Neubau des IOC-Hauptquartiers und die Liste der bereits errungenen Auszeichnungen. Schließlich steht fest: Unzählige neue Bauprojekte streben höchste Nachhaltigkeits-Standards an. Das „Olympic House“ darf sich solcher Zertifikate bereits rühmen. Und zwar von höchst anerkannter Stelle und in mehrfacher Ausführung.

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Text: Elisabeth SchneyderFotos: © 2019 International Olympic Committee (IOC) MØRK, Adam - All rights reserved

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