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Wien intern
11/14/2021

Rot-grüne Lösung für eine Linde, neuer Ärger um die Lobau

Die Schubertlinde könnte doch noch gerettet werden. Ex-Stadtrat Rudolf Schicker fühlt sich falsch zitiert. Und: Eine Simmeringer FPÖ-Politikerin ortet „sinnbefreite Sch...“

von Christoph Schwarz

Mit den Bäumen ist das im 7. Bezirk ja so eine Sache. Als am Freitag die sogenannten XL-Bäume in der Zollergasse gepflanzt wurden, war die Enttäuschung groß.

Ganz so XL, musste man feststellen, sind die Bäume nämlich gar nicht. Ob das – wie versprochen – mit dem kühlenden Schatten im Sommer klappen wird, bleibt also abzuwarten.

Gehörig Schatten spendet hingegen die Schubertlinde auf dem Augustinplatz. Ihre Geschichte ist mittlerweile sattsam bekannt: Im Zuge des U-Bahn-Baus soll der Baum gefällt werden, was im Bezirk zu heftigem Protest der ÖVP führte.

Auch der grüne Bezirksvorsteher Markus Reiter spricht sich für eine Verpflanzung der Linde aus – und zwar hinter das Volkstheater.

Der zuständige Öffi-Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) wirkt von der Idee bislang wenig begeistert. Er musste bereits ein Mal ausrücken, um – medienwirksam und teuer – die Platane vor dem Café Eiles zu verpflanzen. Erneut will man sich das nicht antun, ist aus dem Rathaus zu hören.

Treffen am Dienstag

Jetzt scheint es jedoch zu einer Annäherung zu kommen: Am morgigen Dienstag wird, wie der KURIER erfuhr, ein Treffen zwischen dem Bezirkschef und Abgesandten des Öffi-Stadtrats stattfinden.

Reiter und Hanke arbeiten beide gerne lösungsorientiert und wollen das Thema, das nicht zuletzt der ÖVP nutzt, vom Tisch haben. Es ist also davon auszugehen, dass sie bald eine Lösung präsentieren.

Dem Vernehmen nach gibt es (wie einst bei der Platane) das Angebot eines Experten, die Linde kostengünstig zu versetzen.

Was ist mit dem Ahorn?

Übrigens: Wer nun meint, dass das Thema damit zu Ende ist, der wird am Donnerstag im Petitionsausschuss des Gemeinderats eines Besseren belehrt. Der Ausschuss behandelt eine Unterschriftenaktion für den Erhalt eines Ahornbaumes in der Kaunitzgasse im 6. Bezirk, der ebenfalls einem U-Bahn-Schacht zum Opfer fallen dürfte.

Bezirkschef Markus Rumelhart (SPÖ) hat sich bereits für den Erhalt ausgesprochen. Immerhin sei es auch gelungen, einen Ginkgo, der bis vor Kurzem neben dem Ahorn stand, zu verpflanzen.

Auch Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) will den Ahorn an Ort und Stelle erhalten oder umsetzen. Der 1958 gepflanzte Baum sei „gesund und vital“ und lebe noch mindestens bis 2050, schreibt Czernohorszky in seiner Stellungnahme an den Ausschuss.

Die Wiener Linien halten den Baum – wie auch alle anderen – für nicht rettbar.

Schicker schreibt einen Brief

Ziemlich unversöhnlich geht es zwischen SPÖ und Grünen in Sachen Lobautunnel zu. Der ehemalige SPÖ-Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker, unter dem die Planungen in den 2000er-Jahren begannen, sah sich jetzt sogar gezwungen, einen Brief an alle Gemeinderatsabgeordneten zu schicken. Er fühlt sich falsch zitiert, und zwar von der Grünen-Mandatarin Heidemarie Sequenz.

Der Vorwurf: Sequenz habe erzählt, dass Schicker die aktuelle Trassenführung stets als die „denkmöglich schlechteste Variante“ bezeichnet habe. Schicker hält in seinem Brief (der dem KURIER vorliegt) nun fest, dass er „diese Darstellung bei keiner Diskussion in diesem Wortlaut getätigt“ habe.

Tatsächlich favorisierten Experten im Jahr 2003 eine Trassenführung über den Ölhafen, diese wurde von der Politik aber verworfen. Einer der Gründe, so Schicker, sei die Nähe zu Siedlungsgebieten gewesen.

Türkis-blauer Corona-Streit

Gesittet wirkt diese Debatte im Vergleich zu einer, die derzeit zwischen ÖVP und FPÖ in Simmering geführt wird. Weil der Simmeringer ÖVP-Klubchef Peter Sixtl Ungeimpfte in einem Facebook-Posting als „egoistisch“ und „intellektuell zartbesaitet“ bezeichnete, verlor die – ungeimpfte – blaue Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Katharina Krammer die Contenance.

Sie habe nun genug von der „sinnbefreiten Sch...“, die Sixtl von sich gebe, antwortete sie in einem Kommentar. Ihm sei wohl „der mRNA-Dreck zu Kopf gestiegen“.

In der Wiener ÖVP ist man nicht sehr erfreut über derartige Töne. Nicht zuletzt, weil FPÖ-Politikerin Krammer die Lebensgefährtin von ÖVP-Gemeinderat und Simmerings ÖVP-Bezirksparteichef Wolfgang Kieslich ist.

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