© Wilhelm Theuretsbacher

Wien-Favoriten
09/29/2013

Dunstabzug brachte drei Mal Tod

CO-Vergiftung: Zwei Frauen und ein kleiner Bub starben im Haus eines Spitzenmanagers.

von Wilhelm Theuretsbacher, Julia Schrenk

Ein Gebrechen an einer Gastherme führte Sonntagfrüh gegen 10 Uhr zu einer Tragödie in der Himberger Straße in Wien-Favoriten. Zwei asiatische Frauen und ein Kleinkind erstickten in einem weitläufigen Wohnhaus am tödlichen Kohlenmonoxid (CO). Sie starben, weil beim Kochen vermutlich die Dunstabzugshaube das giftige Gas aus dem Kamin in die Wohnräume sog.

Ein guter Bekannter der Familie wollte die Familie Sonntagvormittag besuchen. Da auf sein Läuten niemand öffnete, verwendete er seinen Schlüssel zum Haus. Kurz darauf wählte er geschockt den Notruf, denn er stand vor zwei leblosen Frauen und einem scheinbar bewusstlosen Kind. Ein Großaufgebot von Rettung, Feuerwehr samt Rettungshubschrauber war binnen kürzester Zeit vor Ort. Doch die Reanimationsversuche blieben erfolglos. Die beiden Frauen im Alter von 45 und 33 Jahren, sowie der eineinhalb Jahre alte Bub waren bereits seit längerer Zeit tot.

Als die Einsatzkräfte eintrafen, waren die Gastherme und der Dunstabzug in der Küche in Betrieb. Da der Ersthelfer alle Fenster geöffnet hatte, konnten die Spürtrupps der Wiener Berufsfeuerwehr aber kein Gas mehr im Wohnhaus feststellen. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr rekonstruierten dann den ursprünglichen Zustand. Dabei stellten sie fest, dass der Dunstabzugsventilator in der Küche das Kohlenmonoxid der Gastherme aus dem Schornstein in die Wohnung geblasen hatte. Durch die Dunstabzugshaube entstand ein leichter Unterdruck in der Wohnung und die Abzugshaube füllte sich mit dem tödlichen Gas. Die Opfer bemerkten die Gefahr nicht: Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Bei einer Vergiftung verliert man das Bewusstsein und stirbt innerhalb kürzester Zeit an Sauerstoffmangel.

Nicht gewartet

Vor dem Haus in der Himberger Straße kam es am Vormittag zu erschütternden Szenen. Nach dem Bekanntwerden des Vorfalles fanden sich nach und nach Familienmitglieder beim Haus ein, die ihre Angehörigen noch einmal sehen wollten. Sie weinten, kämpften gegen den drohenden Zusammenbruch. Die Polizei konnte die Angehörigen aber nicht ins Haus vorlassen, dort war bereits die Spurensicherung am Werk. Ein Kriseninterventionsteam betreute die Angehörigen.

Nun gilt es zu klären, ob eventuell mangelhafte Wartung oder andere Manipulationen zur Vergiftung geführt haben. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr fehlte an der Gastherme das Prüfpickerl. Besonderes Augenmerk richten die Ermittler auch auf die Frage, ob der Rauchfangkehrer die regelmäßig vorgeschriebenen Überprüfungen ordnungsgemäß durchgeführt hat. Insgesamt scheint das Haus in einem technisch ausgezeichneten Zustand zu sein.

Das weitläufige Anwesen gehört einem österreichischen Spitzenmanager, der auch mehrerer Zinshäuser in der Wiener Innenstadt und ein Domizil in Thailand besitzt. Auch dem Hausbesitzer, der kurz nach dem Alarm eingetroffen ist, blieb nichts anderes übrig, als hilflos zu warten, bis am Nachmittag die Särge mit den Toten weggetragen wurden. Durch das Großaufgebot an Helfern musste die Himberger Straße am Sonntag teilweise gesperrt werden. Verkehrsbehinderungen waren die Folge.

Schlecht gewartete Thermen oft Ursache

Unterdruck Sobald die Heizperiode beginnt, häufen sich auch die Unfälle mit Kohlenmonoxid (CO) wieder. Grund dafür sind meist defekte oder unsachgemäß gewartete Gasthermen. In Räumen kann – aufgrund unzureichender Belüftung – ein Unterdruck entstehen, der das CO vom Abzug in die Wohnräume leitet. Symptome für CO-Vergiftungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen.

CO-Unfälle

Meist sind defekte oder schlecht gewartete Gasthermen schuld an tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Österreich. Im folgenden die schlimmsten Unfälle der vergangenen drei Jahre.

12. Juli 2010 - Bei einem durch die Sommerhitze bedingten CO-Unfall kommt eine 67-jährige Wienerin ums Leben. Der Ehemann findet seine Frau leblos im Badezimmer ihrer Wohnung in der Rotenlöwengasse in Alsergrund. Der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. Der 66-jährige Mann zeigt ebenfalls Vergiftungserscheinungen und wird ins Krankenhaus gebracht.

23. November 2011 - Eine 80-jährige Frau stirbt in ihrer Wohnung in der Volkertstraße in der Leopoldstadt an einer CO-Vergiftung, zwei Familienangehörige werden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ursache für die Vergiftung dürfte ein Koksofen gewesen sein.

3. Jänner 2012 - Um seine Wohnung zu beheizen, lässt ein 53-Jähriger in der Herbststraße in Wien-Ottakring die Flammen seines Gasherdes für einige Stunden brennen. Das Kohlenmonoxid, das sich dadurch in den Räumlichkeiten sammelt, ist für den Mann tödlich. Weil auch in weiteren Stockwerken des Hauses erhöhte Werte gemessen werden, evakuiert die Feuerwehr sämtliche Hausbewohner.

28. April 2012 - Eine 27-jährige Studentin wird tot in ihrer Wohnung in der Josef-Schwarz-Gasse in Wien-Margareten gefunden. Die junge Frau starb an einer CO-Vergiftung. Ein Nachbar, der unterhalb der Studentin wohnt, hat seinen Dunstabzug unzulässigerweise am Hauskamin angeschlossen. Dadurch war ein CO-Stau entstanden, der in der Wohnung oberhalb zu einer tödlichen Konzentration des Gases führt. Der Mann wird ein Jahr später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

23. August 2012 - Nachdem Mieter des Hauses in der Wallrissstraße in Wien-Währing ungewöhnlichen Geruch bemerken, werden zwei Tote gefunden. Der 83-jährige Mann und seine 78-jährige Lebensgefährtin sterben an einer CO-Vergiftung. Ursache ist eine stark verunreinigte Therme, wodurch die Abzugsklappe nicht richtig geschlossen hatte und die Abgase aus dem Kamin zurück zur Wohnung strömen konnten.

18. Februar 2013 - Eine etwa 90 Jahre alte Frau kommt beim Einheizen eines Festbrennstoff-Ofens im Bezirk Südoststeiermark ums Leben. Beim Heizen hat sich das giftige Gas gebildet, die Frau erstickt daran.

6. Juli 2013 - Zwei Jugendliche werden von einem Verwandten tot in einer privaten Almhütte in Mauterndorf im Salzburger Lungau aufgefunden. Die befreundeten Jugendlichen, eine 19-jährige Niederösterreicherin aus dem Bezirk Bruck an der Leitha und ein 18-jähriger Lungauer aus Mariapfarr, sterben an tödlichen CO-Gasen, verursacht von einer schadhaften Therme.

25. Juli 2013 - Ein 18-Jähriger stirbt in Wien-Margareten an einer CO-Vergiftung. Die Wiener Berufsfeuerwehr wird wegen eines Wasseraustritts zu dem Altbau in der Embelgasse gerufen. Bei dem Einsatz findet man den jungen Mann leblos im Badezimmer seiner Wohnung - die Dusche war noch aufgedreht. Der gleichzeitige Betrieb eines Klimageräts und der Gastherme war die Ursache des tödlichen Unfalls.

29. September 2013 - Bei einem CO-Unfall in einem Wiener Einfamilienhaus kommen drei Menschen ums Leben. Bei den Opfern handelt es sich um zwei Frauen, 45 und 33 Jahre alt und einen eineinhalbjährigen Buben. Eine schlecht gewartete Therme dürfte an dem Unfall schuld gewesen sein.