Derzeit müssen Radfahrer auf der Linken Wienzeile auf die Kfz-Spur ausweichen.

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Chronik Wien
04/26/2019

Vor Mitsprache fixiert: Vassilakou überrollt Anrainer mit Radweg

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou lässt Lückenschluss auf Linker Wienzeile absegnen, bevor sich Anrainer einbringen können.

von Stefanie Rachbauer

Wientalradweg: Einbindung der BürgerInnen erfolgt in den kommenden Wochen.“

So kündigte das Büro der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou Ende März ein für kommende Woche angesetztes, zweitägiges „Dialogformat“ zum heftig umstrittene Radweg entlang des Naschmarkts an. „Es wird dort auch die Möglichkeit geben, Feedback zu hinterlassen“, hieß es in der öffentlichen Einladung.

Bloß: Wie der KURIER erfahren hat, wurde der geplanten Lückenschluss nur wenige Tage nach dieser Einladung der „Fachkommission Verkehr“ vorgelegt – und dort auch freigegeben. Die „Fachkommission Verkehr“ ist ein Expertengremium aus Interessenvertretern und Beamten der Stadt.

Dieses Vorgehen weckt Zweifel, wie ernst Vassilakou die Einwände nehmen wird, die Bürger kommende Woche vorbringen können.

Wirte verärgert

Nicht nur die Anrainer, sondern auch die Gastronomen rund um den Naschmarkt sind skeptisch: „Mit dem Radweg beschert die Verkehrsstadträtin der Bevölkerung ein Trojanisches Pferd als Abschiedsgeschenk“, heißt es auf KURIER-Anfrage aus der Wiener Wirtschaftskammer.

Das Projekt bringe Einbußen für Unternehmer, Verkehrsbehinderungen und Sicherheitsrisiken. „Die Planung muss dringend überdacht werden.“

Wie berichtet, will das Verkehrsressort entlang der Linken Wienzeile zwischen Nibelungengasse und Köstlergasse Platz für einen Radweg schaffen.

Denn derzeit müssen Radfahrer in dem rund 500 Meter langen Abschnitt die stark befahrene Auto-Spur nutzen. Dem Radweg müssen die Schanigärten in der Parkspur und rund 60 Parkplätze weichen. Als Ersatz versprach Vassilakou Stellplätze in den umliegenden Parkgaragen.

Bezirk unglücklich

Als diese Details im Februar bekannt wurde, hagelte es heftige Kritik von der Opposition: ÖVP und FPÖ titulierten Vassilakous Vorhaben als „Autofahrer-Schikane“.

Auch die Bezirks-SPÖ ist unglücklich: Markus Rumelhart, roter Bezirksvorsteher in Mariahilf, stellte sich zwar nicht gegen den Lückenschluss, kritisierte aber die geplante Umsetzung.

Durch Autofahrer, Ladezonen, Touristen, Schanigärten, Taxistandplätze und Busse sei der „Nutzungsdruck“ schon jetzt hoch, erklärte er. Er forderte eine Überarbeitung des Plans.

Polizei hatte Bedenken

Ganz ähnlich lautet die Kritik der Wirtschaftskammer: Die Gastronomen an der Linken Wienzeile hätten in den vergangenen Jahren in die Schanigärten investiert. Wenn sie wegfallen, führe das zu großen Umsatzeinbußen, moniert die Kammer.

Außerdem sei der Parkplatzdruck rund um den Naschmarkt und die dortigen Kulturinstitutionen wie das Theater an der Wien und die Secession schon jetzt sehr hoch – Garagen seien kein Ersatz für die wegfallenden Stellplätze.

Auch die Polizei, die in der Fachkommission vertreten ist, hat dem Vernehmen nach „massive Bedenken“ angemeldet und erst im letzten Moment zugestimmt.

Änderungen noch möglich

Das Büro der Vizebürgermeisterin findet es nicht verwerflich, dass die Fachkommission das Projekt noch vor Einbindung der Bürger auf den Weg gebracht hat. Die Mitglieder des Gremiums würden nur darüber urteilen, ob das Projekt „grundsätzlich so in Ordnung ist“.

Rund 11.000 Haushalte sind zum Dialog am 3. und 4. Mai eingeladen: „Wir beteiligen und beziehen ein. Änderungen sind nach wie vor möglich“, heißt es aus dem Büro Vassilakou. Nachsatz: „Der Spielraum ist aber eng.“

Die Entscheidung im Gemeinderat über das Projekt soll noch vor Sommer fallen.