Chronik | Wien
25.07.2018

Neuer Radweg an Linker Wienzeile für Grüne fix

Der umstrittene Lückenschluss soll 2019 gebaut werden, derzeit laufen die Detailplanungen.

„Viele schieben hier oder fahren am Gehsteig“, sagt Roland Romano, der an der Ecke Getreidemarkt/Linke Wienzeile steht. Der Beleg für die Worte des Radlobby-Sprechers findet sich gegenüber: Eine Radfahrerin quetscht sich  stadtauswärts an der Rückseite der Naschmarktstände vorbei. „Aus offensichtlichen Gründen“, ergänzt Romano,  als plötzlich Autoreifen  quietschen. Die Ampel bei der Secession ist auf Grün gesprungen, die Autos brausen los.

Wer derzeit legal mit dem Rad auf der Linken Wienzeile  unterwegs sein will, muss sich von Getreidemarkt bis Köstlergasse mit den Pkw auf der Fahrbahn behaupten. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) das ändern will – indem sie in dem 500 Meter langen Abschnitt die Parkspur zum Radweg umwandelt. Trotz heftiger Kritik an dem  Vorhaben halten die Grünen daran fest – wie Planungssprecher Christoph Chorherr am Mittwoch bekräftigte.

Aus seiner Sicht sind zwei Dinge fix: Ein von der Fahrbahn getrennter Zwei-Richtungs-Radweg kommt – und zwar nächstes Jahr. Details – etwa wie viele Parkplätze wegfallen werden – sollen   bis Jahresende mit Geschäftsleuten und der Mariahilfer Bezirkspolitik verhandelt werden.

Kontroversen hatte zuletzt der Wegfall von kolportierten 77 Parkplätzen ausgelöst. „Ja, es geht eine relevante Anzahl an Parkplätzen verloren“, räumte Chorherr ein. „Sie wird sich in dieser Größenordnung bewegen.“ Als Ausgleich sollen aber zusätzliche Anrainer- oder Ersatz-Stellplätze auf dem Naschmarkt-Gelände geschaffen werden. Auch Taxis, die derzeit vor dem Theater an der Wien auf Kunden warten, sollen  weiter Platz haben – genauso wie möglichst viele Schanigärten und Ladezonen, versicherte der Mandatar.

Umverteilung

Für Autofahrer ändere der Radweg wenig, versuchte Chorherr zu beruhigen. Statt acht Spuren würden dem motorisierten Verkehr künftig immer noch sieben zur Verfügung stehen.

In diese Kerbe schlägt auch die  Interessensvertretung der Radler. 70 Prozent der Straßenfläche von Linker und Rechter Wienzeile seien derzeit dem Autoverkehr gewidmet,  Radflächen gebe es keine, argumentiert Sprecher Romano. Zudem befänden sich in einer Entfernung von 300 Metern etwa 3000 Parkplätze rund um die Lücke. Nur ca. zwei Prozent davon würden durch den Radweg  wegfallen. „Die Bundesregierung  will den Radverkehrsanteil verdoppeln“, sagt Romano. „Wie soll das gelingen, wenn nicht einmal die Oper gut angeschlossen ist?“

Gelungene Projekte und Baustellen

Nach und nach werden die Lücken im Wiener Radwegenetz kleiner. Handlungsbedarf gibt es aus Sicht der Radlobby aber weiterhin.

Erst vergangenen Sommer wurde der heiß debattierte Radweg am Getreidemarkt gebaut. Die Radlobby zeichnete ihn  im Frühling mit der Goldenen Speiche aus – einem  Preis, den sie  jährlich für das beste Radverkehrprojekt vergibt. „Endlich können dort auch Jugendliche und Ältere entspannt fahren“, sagt Sprecher Roland Romano. Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist aus seiner Sicht die umgebaute Mariahilfer Straße.

Dringenden Verbesserungsbedarf ortet er dagegen in der Nußdorfer Straße.  Im Abschnitt Alserbach-/Währinger Straße müssen auf engem Raum Straßenbahn, Autos und Radfahrer Platz finden. Für einen Radfahrstreifen ist es zu eng, es gibt lediglich einen Mehrzweckstreifen. Ähnlich ist die Problematik laut Romano in der Landstraßer Hauptstraße zwischen Rochusmarkt und Juchgasse, wo Radler regelmäßig mit unbedacht geöffneten Türen kollidieren.

Gelöst werden könnten derartige Situationen nicht nur  mit baulichen Radwegen, sagt Romano.  Auch die günstigeren geschützten Radstreifen, die auf Ebene der Fahrbahn liegen, aber etwa mit Pollern getrennt  sind, wären nützlich.