Chronik | Wien
17.07.2018

Neue Mariahilfer Straße: Mehr Begegnung, weniger Unfälle

Zusammenstöße sind nach Umbau in Fußgänger- und Begegnungszone stark gesunken.

Vor fast drei Jahren und nach – teils sehr heftig geführten Debatten über die Sicherheit – war das Projekt abgeschlossen: die Umgestaltung der inneren Mariahilfer Straße in eine Fußgänger- und Begegnungszone. Pünktlich zu diesem Jubiläum hat die Radlobby nun auf Basis von Daten der Statistik Austria die Entwicklung der Unfallzahlen in dem verkehrsberuhigten Abschnitt analysiert. Demnach sind sämtliche polizeilich aufgenommene Zusammenstöße mit Personenschaden seit dem Umbau stark zurückgegangen.

2012 – dem letzten Jahr, in dem Autos auf der Einkaufsmeile uneingeschränkt fahren durften – kam es zwischen Kaiserstraße und Museumsplatz zu 51 solcher Unfälle, an denen Fußgänger, Radfahrer oder Kfz-Nutzer beteiligt waren. Zwei Jahre später waren es nur noch 13.

Was war in der Zwischenzeit passiert? Die Verkehrsorganisation der Straße hatte   sich in diesem Bereich verändert. 2013 war der Probebetrieb der Fußgänger- und Begegnungszone  gestartet.  Nach einer Bürgerbefragung wurde die Oberfläche 2014 dementsprechend  umgestaltet und zu Jahresende teileröffnet.

Zwei Drittel weniger

Das niedrige Unfallniveau setzte sich in den  Folgejahren fort. 2017 wurden 18 Zusammenstöße verzeichnet – das sind knapp zwei Drittel weniger als vor dem Umbau. Roland Romano von der Radlobby macht drei Faktoren für den Rückgang verantwortlich. „Es sind nun weniger Kfz unterwegs, sie fahren nur mehr in eine Richtung und der Verkehr ist insgesamt langsamer“, sagt der Sprecher der  Interessensvertretung. Zur Erinnerung: Das Tempolimit in der Begegnungszone beträgt 20 km/h, Radfahrer dürfen in der Fußgängerzone nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Immer wieder würden Meldungen über rücksichtslose Radfahrer auf der Mariahilfer Straße auftauchen, sagt Romano. Die Erhebung zeige aber, dass faktisch aber wenig passiere. „Die Lehre aus den Zahlen ist, dass verkehrsberuhigte Straßen sicherer für alle sind“, sagt Romano. Zwar seien Begegnungszonen kein „Zauberrezept“ für alle Straßen,  aber eine gute Lösung für  solche  mit hohem Fußgängeraufkommen und mit vielen Öffi-Nutzern.

Er sei überzeugt, dass sich ihre positiven Effekte auch in anderen  Straßenzügen einstellen würden – wie etwa in der Rotenturmstraße in der Wiener Innenstadt, die derzeit als mögliche Begegnungszone im Gespräch ist

Chronologie einer Verkehrsberuhigung

In Begegnungszonen können Fußgänger die gesamte Fahrbahn benützen,  Fahrzeuglenker müssen  Rücksicht nehmen.

Probejahr: Der Kernbereich der Mariahilfer Straße wird ab August 2013 probeweise zur Fußgängerzone mit Raderlaubnis, die Randzonen gelten als Begegnungszonen.

Votum: Im März 2014  geht die Anrainerumfrage mit 53,2 Prozent für den Umbau um 25 Mio. Euro aus.

Zwischenschritt: Im November 2014 wird die  neue „Mahü“ teileröffnet.

Abschluss: Im Juli 2015 wird der Schlussstein verlegt.