Chronik | Wien
02.05.2017

Baustelle und Radweg: Staufalle Getreidemarkt

Ärgernis Baustelle: Anrainer stoßen sich am neuen Radweg, für den eine Fahrspur geopfert wird. Der ÖAMTC bereitet eine Petition vor.

Noch brausen die Autos flott über die Zweierlinie. Doch ab morgen, Mittwoch, rechnet der ÖAMTC am Getreidemarkt mit erheblichen Staus, die die kommenden vier Monate anhalten könnten. Denn von 3. Mai bis 3. September wird der Getreidemarkt umgestaltet. Neben der Erneuerung der Wasserrohre, wird auf Höhe der Lehargasse eine Fußgängerquerung und zwischen Lehargasse und Mariahilfer Straße ein vom Straßenbereich getrennter Fahrradweg errichtet. Das bedeutet, dass es Richtung Naschmarkt künftig nur mehr zwei statt bisher drei Spuren für Autofahrer geben wird. Der Radweg, der in die andere Fahrtrichtung geschaffen wird, hat hingegen keine Auswirkung auf die Anzahl der Fahrspuren.

Während der Bauarbeiten stehen großteils zwei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung, manchmal in der Nacht (20 bis 5 Uhr) nur eine. Im August wird die Fahrtrichtung Babenberger Straße für vier Tage komplett gesperrt.

"Unnötig"

Beim KURIER-Lokalaugenschein stieß den Anrainern die Baustelle gar nicht so sauer auf. „Na ja, was soll man da machen, müssen wir halt wieder mehr Zeit einplanen“, meinte etwa Unternehmer Klaus Reichel, der berufsbedingt am Getreidemarkt zu tun hat. Für Unmut sorgte vielmehr der neue Radweg und die wegfallende Autospur. „Das ist eine Schweinerei“, meinte etwa Anrainerin Helga Doré. Seit der Errichtung des Radwegs im unteren Teil des Getreidemarkts habe sich die Stausituation doch schon so verschlechtert. „Wie wird es erst, wenn eine ganze Spur wegfällt?“, fragt sie sich. „Wieso muss ein Radweg auf einer Hauptverkehrsroute untergebracht werden?“ Auch der Wiener Johannes Schneider findet diese Änderung „vollkommen unnötig“.

"Willkür"

Kritik kommt auch vom ÖAMTC: "Den Radweg an der Stelle zu errichten, ist komplette Willkür und wäre nicht notwendig", meint Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung. Warum werde der Radweg Richtung MuseumsQuartier etwa nicht in der Nibelungengasse geführt. Den Vorschlag habe man auch der Verkehrsstadträtin unterbreitet. Eingegangen wurde darauf nicht. In seiner jetzigen Form werden nur unnötig Konfliktsituationen und Staufallen geschaffen.

Aus dem Büro der Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) heißt es dazu, dass Experten alle Varianten geprüft hatten und diese als zielführendste erachtet wird. Gehe es doch darum, Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer an der Stelle zu erhöhen. Außerdem sei die Errichtung des Radwegs ein wichtiger Lückenschluss. Der ÖAMTC will sich die Situation genau ansehen. Kommt es, wie erwartet, zum großen Stauchaos, haben die Verantwortlichen bereits eine Petition vorbereitet. Unter staunachplan.at können Kritiker unterschreiben.

Alec Hager, Chef der „Radlobby Österreich“, begrüßt den neuen Radweg indes sehr: „Bis jetzt hat man sich fürchten müssen, wenn man mit dem Rad am Getreidemarkt unterwegs war.“ Nun werde es familien- und kinderfreundlicher. Und das werde im Endeffekt dazu beitragen, dass der Radverkehr in Wien weiter zunimmt.