Die Spitäler wissen im Fall des Falles, was zu tun ist. Sie üben solche Szenarien auch – wie etwa hier in Innsbruck, wo ein „Ebola-Patient“ behandelt wird

 

© APA/TIROL KLINIKEN/SEIWALD

Chronik Wien
01/25/2020

Virusinfektion: Wie der Notfallplan in Österreich aussehen würde

Was wäre wenn: Das Coronavirus breitet sich aus. Die heimischen Behörden wären auf einen Massenausbruch vorbereitet.

von Birgit Seiser, Katharina Zach

Leere Straßen. Menschen mit Schutzmasken und mit Handschuhen, die vor Krankenhäusern auf Hilfe warten: Diese Szenen spielen sich gerade knapp 9.000 Kilometer entfernt von Österreich in der chinesischen Provinz Hubei ab. 26 Menschen starben bereits am Coronavirus, knapp 1.000 sollen infiziert sein. Die chinesischen Behörden haben Millionenstädte abgeriegelt.

Die Angst, dass sich das Virus verbreiten könnte, ist auf der ganzen Welt groß. Am Freitag wurden bereits zwei Verdachtsfälle in Frankreich bestätigt. Anlass zur Sorge gäbe es aber laut Experten keinen.

Warum? Weil die Grippe, so wie wir sie kennen, die weitaus schlimmere Erkrankung ist. 1.373 Menschen starben 2018/19 in Österreich an Influenza. Die Viren sind weitaus ansteckender als das Coronavirus.

Gebiete abriegeln

Doch wie würde ein Notfallplan in Österreich aussehen? Sicherheitsvorkehrungen wie in China wären theoretisch auch hierzulande möglich. Dass Schulen geschlossen werden, wie etwa zuletzt in Tirol bei einem Grippeausbruch, kommt hierzulande relativ häufig vor. Doch auch ganze Gebiete dürften theoretisch abgeriegelt, Veranstaltungen verboten und Kranke überwacht werden. Polizei und Heer könnten zur Durchsetzung der Maßnahmen hinzugezogen werden.

Ausbruch: Zu Silvester 2019 wurden zum ersten Mal Pneumonie-Fälle unbekannten Ursprungs in der Stadt Wuhan den chinesischen Gesundheitsbehörden gemeldet. Die Krankheit wurde von Tieren auf  Menschen übertragen. Das Coronavirus legt in China derzeit mehrere  Millionenstädte lahm.

26 Tote: Insgesamt wurden bis jetzt an die 1.000 Krankheitsfälle und 26 Todesfälle gemeldet. Am Freitag wurden in Frankreich zwei Fälle des Coronavirus bestätigt.

Symptome:  Laut der österreichischen Gesundheitsagentur AGES verläuft die Krankheit meist mit hohem Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In manchen Fällen führt sie zu einer Lungenentzündung.

2 bis 7 Tage Inkubationszeit: Bis die ersten Symptome sich bemerkbar machen, kann bis zu einer Woche vergehen.  

Vorbeugung: Das österreichische Außenministerium rät  von Reisen in die Provinz Hubei ab. Es wurde das hohe Sicherheitsrisiko Stufe 3 ausgerufen. Sollte eine Reise unvermeidbar sein, ist der Kontakt zu kranken Menschen, lebenden oder toten Tieren und tierischen Produkten  strikt zu vermeiden. Es wird empfohlen, sich  regelmäßig die Hände zu waschen und einen Mundschutz zu tragen. 

Durch rasches "Absondern", also durch das Isolieren Erkrankter, können massive Ausbrüche aber vermieden werden, betont Ursula Karnthaler vom Wiener Gesundheitsdienst MA 15. Bestes Beispiel sei die letzte Pandemie im Jahr 2009. Hierzulande erkrankten bis zu 45.000 Menschen an der Schweinegrippe, 40 starben.

In Spitälern wurden Quarantänestationen eingerichtet. Fast 300.000 Österreicher ließen sich impfen.

Notfallpläne

Wie im Falle eines Ausbruchs anzeigepflichtiger Krankheiten wie Cholera, Masern, MERS oder der Vogelgrippe vorzugehen ist, regelt das Epidemiegesetz. Eigene Pandemieplanungen organisieren das Zusammenspiel der Behörden und Spitäler, die Ausstattung mit Schutzkleidung und Impfstoffen – etwa bei Auftreten eines neuartigen Grippevirus. 2015 wurde zudem ein Notfallplan für Ebola erstellt.

Konkret funktioniert das so: Diagnostiziert ein Arzt beim "Patient X" eine meldepflichtige Infektionskrankheit, werden Betroffene sofort isoliert. Je nach Schwere und Gefährlichkeit (etwa bei Mensch zu Mensch Übertragung) der Erkrankung kann das heißen, dass man zu Hause bleiben muss. Oder man wird mit der Rettung unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen ins Spital gebracht werden.

Suche nach Kontaktpersonen

Erste Anlaufstelle ist in Wien das Kaiser-Franz-Josef-Spital, das eigens für Infektionskrankheiten ausgestattet ist. Dort werden Proben genommen, die Krankheit bestätigt und behandelt. Gleichzeitig beginnen die Behörden mit der Umgebungsuntersuchung. Dabei werden Menschen ausgeforscht, mit denen der Kranke Kontakt hatte. Zeigen sie Symptome, werden sie isoliert. Ansonsten müssen sie lediglich einen Krankheitsausbruch melden.

Bei Flugreisenden kann das laut MA 15 bedeuten, alle Passagiere ausfindig machen zu müssen. Im Fall des Coronavirus stehen Reisende am Flughafen Wien unter Beobachtung. Zeigen sie Symptome, wird ein Virusverdacht überprüft. Da es aber keine Direktverbindungen in die betroffenen Gebiete gibt, ist die Gefahr nicht sehr hoch.

Quarantäne

Die Pandemieplanung legt das Vorgehen zudem stufenweise fest, ein Krisenstab wird eingerichtet. Sind etwa wegen zahlreicher Erkrankungen Quarantänestationen in Spitälern notwendig, können diese laufend ausgebaut werden.Das bedeute laut Karnthaler auch, dass planbare Operationen verschoben werden müssen.

Zudem können Impfungen angeordnet, allerdings nicht zwangsweise verabreicht werden. Wer den Schutz also verweigert, muss sich auf Isolation einstellen. "In der Regel halten sich die Leute daran, weil sie Angst haben, jemanden anzustecken", sagt Karnthaler. Überhaupt: Beim Umgang mit Infektionskrankheiten müsse immer zu den am wenigsten drastischen Mitteln gegriffen werden, betont die Expertin. Immerhin handelt es sich bei vielen Maßnahmen um Eingriffe in Persönlichkeitsrechte.

Um Epidemien zu verhindern, gibt es eigene Regelungen für die Desinfektion von Wohnungen oder öffentlichen Räumen. Sogar für Todesfälle gibt es eigene Vorgaben. So müssen bei hochinfektiösen Erkrankungen wie Anthrax die Toten verbrannt werden.

So weit wird es beim Coronavirus nicht kommen. Und auch Maßnahmen wie das Abriegeln ganzer Gebiete wird es wohl nicht geben.

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