Bisher geheime Visualisierung: Kein Turm, aber 55-Meter-Hotel. 

© Visualisierung/Stadt Wien, WertInvest

Chronik Wien
04/09/2021

UNESCO-Absage an „Plan B“ zum Heumarkt: Immer noch zu hoch

Die Qualität der Studie im Auftrag der Stadt über die Welterbe-Verträglichkeit des „Plan B“ ist zweifelhaft. Scharfe Kritik kommt auch von ÖVP und FPÖ.

von Stefanie Rachbauer

Jenes neue Baukonzept für den Heumarkt, mit dem die SPÖ die Welterbe-Hüter der UNESCO eigentlich besänftigen wollte, hat nun genau das Gegenteil bewirkt: Es regt auf – und zwar sowohl Vertreter der UNESCO als auch solche aus der Politik.

Um Wiens Welterbe-Status zu retten, der durch den Heumarkt-Umbau in Gefahr ist, hat die Stadt 2019 bekanntlich ein neues Baukonzept für das Areal vorgestellt, den „Plan B“. Und zwar in Abstimmung mit Michael Tojner, dem das Gelände gehört und der es bebauen will.

Details dazu blieb man aber schuldig: Der geplante, 66 Meter hohe Wohnturm – an dem sich die UNESCO besonders stört – sei gestrichen, hieß es. Um diesen Verlust auszugleichen, werde der ebenfalls vorgesehene Hotelblock aber höher. Wie hoch genau, verriet man nicht.

Seit gestern ist klar: Der Hotelblock soll exakt 55,2 Meter hoch werden. Das geht aus geheimen Unterlagen vor, die dem KURIER vorliegen.

Ob diese Änderung reicht, um Wiens Welterbe-Status zu sicher, wird das UNESCO-Welterbekomitee entscheiden. Die nächste Sitzung, bei der darüber beraten wird, findet im Juli statt. Dass sich das Komitee zufriedengibt, ist aber unwahrscheinlich.

"Deutlicher Widerspruch"

Für das Welterbekomitee sei immer die Bestandshöhe, also 43 Meter, die „relevante Größe“ gewesen, heißt es aus der österreichischen UNESCO-Kommission. Die nun geplanten 55 Meter stünden dazu „deutlich im Widerspruch“.

Und noch einen Kritikpunkt hat die Kommission: die Qualität jener Studie, mit der sich die Stadt zuletzt die Welterbe-Verträglichkeit des „Plan B“ attestieren ließ. Verfasst hat sie Architektur-Professor Manfred Wehdorn – für 90.000 Euro, veröffentlicht wird sie nicht.

Das Papier entspreche „nicht den internationalen Kriterien einer Kulturerbeverträglichkeitsprüfung“, moniert die österreichische Kommission – und verlangt eine „fundierte Beurteilung des Projektes.“

Offenlegung gefordert

Die FPÖ fordert vor diesem Hintergrund, dass „alle Fakten, inklusive der 90.000-Euro-Studie“, auf den Tisch kommen. „Der Widmungsprozess muss neu aufgerollt werden“, sagt Stadtrat Dominik Nepp.

Die ÖVP kritisiert, dass der „Plan B“ die Frage offen lasse, „ob dieser welterbetauglich ist“. Es könne nicht sein, „dass sich die SPÖ gegen die Veröffentlichung einer Studie zu so einem brisanten Thema stemmt“, sagt Planungssprecherin Elisabeth Olischar.

Zugeknöpft geben sich die Grünen, unter deren Ägide die Hochhauswidmung beschlossen wurde: Man sei nicht in die aktuellen Planungen involviert und kommentiere diese nicht.

Die Neos, ihres Zeichens Verfechter von Transparenz, spielen auf Zeit: Noch stünden Gespräche mit der UNESCO an. Vor diesen Verhandlungen Pläne zu diskutieren oder Studien zu veröffentlichen, sei „nicht sinnvoll“. 

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