© Kurier/Jeff Mangione

Reportage
08/29/2020

Straches Show im Lotus Center: "Bin kein Täter, sondern Opfer"

Als erste Partei steigt das Team HC in den Wahlkampf ein. Strache geißelt den Corona-Kurs der Regierung.

von Josef Gebhard

Sein politisches Comeback hat Heinz-Christian Strache im Mai noch in den Sofiensälen verkündet. Den offiziellen Wahlkampf-Auftakt seines Teams HC hat er an den deutlich weniger mondänen Stadtrand verlegt.

Hier, zwischen den trostlosen Baumärkten und Tankstellen beim Gewerbepark Stadlau, steht das „Lotus Events Center“ – einst ein China-Restaurant, nun eine beliebte Location für Hochzeiten in der Balkan- und türkischen Community. Und an diesem Samstag eben Schauplatz für Straches Wahlkampf-Show.

„Wir sind eine neue Partei, deswegen passt auch diese neue Location ganz gut zu uns“, erklärt Straches PR-Manager Gernot Rumpold die etwas ungewöhnliche Standort-Wahl.

Dass dabei auch die Kosten eine gewisse Rolle gespielt haben, will er gar nicht bestreiten: „Es ist das erste Mal, dass wir einen Low-Budget-Wahlkampf machen“, sagt er zum KURIER.

Corona-"Verbotszirkus"

Allzu viel Neues ist es dann freilich nicht, das die rund 200 bis 300 Strache-Fans zu hören bekommen, nachdem sie ihr Idol mit „HC, HC“-Sprechchören begrüßt haben. Gleich zu Beginn seiner einstündigen Rede rechnet Strache mit den Corona-Maßnahmen der Regierung ab. „Nieder mit dem Verbotszirkus“, wettert er und warnt vor einer (gar nicht) geplanten „Zwangsimpfung“.

Dichtgedrängt und maskenlos

Die richtigen Botschaften für die Zuhörer, die dicht gedrängt, aber durchwegs maskenlos in der stickig heißen Halle sitzen. Journalisten mit Mund-Nasen-Schutz werden argwöhnisch beäugt: „Bin ich hier im falschen Film? Eine Maske braucht man doch nur, wenn man selber krank ist“, raunt eine Besucherin ihrem Nachbarn zu.

Auch für Strache sind viele der Pandemie-Maßnahmen überzogen: „Es braucht keine unsinnige Corona-Ampel, sondern eine auf rot stehende Migrationsampel“, schafft er in einem Halbsatz die Überleitung zu seinem Lieblingsthema, das sich seit FPÖ-Zeiten nicht verändert hat. Strache ortet „soziale Wasserbetten für Migranten“ und wettert gegen die „Demografie-Leugner“, um gleichzeitig zu betonen: „Wir sind keine Rassisten.“

Ibiza: "Anschlag auf die Regierung"

Und dann wäre noch das Thema Ibiza, ohne das es heute gar kein Team HC geben würde: Strache verweist auf die zuletzt veröffentlichen Protokolle des verhängnisvollen Party-Abends, die ihn aus seiner Sicht völlig entlasten würden: „Es hat sich gezeigt: Selbst im besoffenen Zustand bin ich weder käuflich noch korrupt. Ich bin kein Täter, sondern Opfer.“ Damit nicht genug: „Ihr Österreicher seid Opfer von einem aus dem Ausland gesteuerten Anschlag auf die damalige Bundesregierung.“

Auch mit solchen Sätzen rennt Strache bei seinem Publikum offene Türen ein: „Ob Ibiza oder Spesenskandal – das war ja alles seit 2015 geplant“, sagt eine Frau, die extra aus dem burgenländischen Gols angereist ist. Auf die Frage von wem, legt sie gegen „Soros, Rothschild und Rockefeller“ los, sowie gegen „Kurz, Merkel und Macron, die alle gezahlt werden“. Strache hingegen, so ist sie überzeugt, habe diese Herrschaften gestört, „weil er nicht mitgeschwommen ist“. Ihren Namen will die Strache-Sympathisantin nicht in der Zeitung lesen, „ich hab mich deswegen eh schon mit meiner Familie zerstritten“.

Einen noch weiteren Anfahrtsweg hatten René und Sarah Pieber aus dem steirischen Weiz. Auch für sie ist der Ex-FPÖ-Chef völlig rehabilitiert. „In den letzten Wochen ist herausgekommen, dass er nichts Falsches gemacht hat."

Die angeblichen Skandale seien "eine linke Tour von irgendwelchen anderen“, sagt der üppig tätowierte Steirer. Für ihn habe sich die FPÖ nicht korrekt gegenüber Strache verhalten, wo doch er allein die Partei aufgebaut habe. Trotzdem habe man ihn einfach fallen gelassen.

Ähnlich sieht das auch die frühere FPÖ-Wählerin Bettina M. aus Wien, die Strache ebenfalls verteidigt: „Zeigen Sie mir eine Partei, wo keine solchen Dinge vorkommen. Nur werden sie dort nicht aufgedeckt.“

Ob sie tatsächlich Strache wählen wird, hat sie aber noch nicht entschieden. Sie rechnet aber damit, dass er bei der Wien-Wahl sieben Prozent erreichen kann. Umfragen sehen Strache aktuell knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, die für den Einzug in den Wiener Gemeinderat übersprungen werden muss. Seine Ex-Partei FPÖ liegt bei rund zehn Prozent. Bei der Wien-Wahl 2015 kam sie noch auf knapp 31 Prozent.

Bis zum Wahltag warten auf Strache noch sechs Wochen seines „Low-Budget-Wahlkampfs“. Mit Beisltouren, Gemeindebau-Besuchen und einem Auftritt auf dem Viktor-Adler-Markt in Favoriten. Fast wie in alten FPÖ-Zeiten.

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