Baumchirurg Saller, die Kabarettisten Steinhauer und Weinzettl und (via Handy) Weihnachtsbotschafterin Gosztola. 

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Wien
11/04/2021

Stilkritik: So "schön" ist der Weihnachtsbaum am Wiener Rathausplatz

Nach der Aufregung im Vorjahr wurde die Ankunft der Fichte mit Spannung erwartet. Experten gaben ihre Meinung ab. Fazit: Naja.

von Stefanie Rachbauer, Agnes Preusser

Die MA 2412 hätte den diesjährigen Weihnachtsbaum am Rathausplatz sicher genehmigt. Das sagt eine, die das fiktive Amt für Weihnachtsdekoration wie keine andere kennt: Monica Weinzettl, die in der Kultserie die Sekretärin Frau Knackal spielte. Ihre Einschätzung hat aber nichts mit Begeisterung für den Baum zu tun: „Wir haben uns in der MA 2412 vorher nie etwas angeschaut, was wir genehmigt haben.“

Weinzettl war Teil des Expertenteams, das der KURIER am Mittwoch zur Stilkritik unter den Baum gebeten hat. Mit dabei waren auch Schauspieler und Kabarettist Erwin Steinhauer (unter anderem bekannt für die Rolle des „Joe“ im Weihnachtsklassiker „Single Bells“,) Baumchirurg Manfred Saller (der in einer aufwendigen Aktion die 80-jährige Platane vom Café Eiles auf den Schmerlingplatz verpflanzt hat) und Weihnachtsbotschafterin Anita Gosztola (die in ihrem „Wiener Weihnachtssalon“ am Franziskanerplatz das ganze Jahr über Weihnachtsdeko verkauft).

Bevor das Gremium zusammentrat, gab es am Vormittag Vorschusslorbeeren für den Baum – von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Er sei überzeugt, dass die Fichte, die aus den Esterházy-Forsten in Wiesen im Burgenland herbeigeschaffte wurde, „hübsch“ sei, ließ er wissen.

Ob dem wirklich so ist, konnte man da noch nicht wirklich beurteilen: Der Baum war noch auf einem Tieflader festgezurrt. Wenige Stunden später stand er dann.

Und die Expertenmeinung war einhellig: Hübsch? Naja. Oder in Steinhauers Worten: „Die Omama aus Single Bells hätt’ mich erschlagen, wenn ich mit diesem Baum heimgekommen wär.“

Tatsächlich sah der Baum etwas traurig aus, beim Transport hatte er einige Äste verloren. Zehn Mitarbeiter der Stadtgärten waren am Mittwoch bereits zugange, um die Lücken mit Reisig zu stopfen. Sie werden noch bis Freitag werken.

Hoffen auf Weihnachtswunder

Am ersten Eindruck der strengen Experten (der bekanntlich keine zweite Chance hat) konnte das nichts mehr ändern. So können sich das Burgenland und Oberösterreich quasi die Hand reichen. Der besonders intensiv bekrittelte Christbaum des Vorjahres kam aus dem oberösterreichischen Klaffer am Hochficht.

Zumindest Bürgermeister Michael Ludwig glaubt noch an ein Wunder: „Wenn der Baum erstrahlt, werden nicht nur die Wiener und die Besucher begeistert sein. Sondern auch Journalisten, die es vorher vielleicht nicht waren“.Beim Punkt Beleuchtung gibt ihm Deko-Expertin Gosztola wenig später recht. Mit Lichterketten könne man bei der Optik des Baumes „schon noch was herausholen“.

 

Andere, ziemlich grundsätzliche Fragen konnten nicht so eindeutig geklärt werden: Haben die Burgenländer festgestellt, dass der Baum einen Wurm hat – und ihn deshalb nach Wien geschickt? Ist die Fichte ein zweifelhafter Gruß von Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil? Und wie kommt es, dass man so einen Baum auswählt?

Zumindest zu letzterer Frage gibt es Infos: Entscheidend sei eine „dichte und gleichmäßige“ Krone, heißt es auf KURIER-Nachfrage aus den Esterházy-Forsten. Und der Baum müsse mit Kran und Transporter gut erreichbar sein.

Für Baumchirurg Saller fehlen der Fichte am Rathausplatz nicht nur Äste, sondern vor allem Wurzeln: „Würde sie noch leben, könnte sie pro Jahr 25 Menschen mit Sauerstoff versorgen.“ Saller plädiert für einen lebenden Weihnachtsbaum als Alternative – im Sinne der Nachhaltigkeit.

Mit dieser kennt sich Weinzettl, die den Deko-Blog „Weltverschönerin“ betreibt, bestens aus. Sie hatte gleich einen Upcycling-Tipp für die Fichte parat: „Die paar Äste, die noch dran sind, wegnehmen, abrinden und als Maibaum nutzen.“

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