© Nicholas Bettschart

Chronik Wien
01/15/2020

Standesamt Josefstadt: Der Bezirk ist am Zug

Das Stadtratsbüro hat dem Bezirk zwei Kompromissvorschläge zur Öffnung unterbreitet. Entschieden ist noch nichts.

von Julia Schrenk

Nein, es gibt noch immer keine Entscheidung. Zumindest keine endgültige.

Am Mittwoch wurde die Causa um das Standesamt am Schlesinger Platz in der Josefstadt im Petitionsausschuss des Gemeinderats behandelt. Und nach Prüfung der Materie empfiehlt der Ausschuss nun eine „sowohl für den

8. Bezirk, als auch für die Stadt Wien akzeptable Lösung zur künftigen Nutzung der bestehenden Trauungssäle zu erarbeiten“. Aber zunächst zur Vorgeschichte: Wie berichtet, plant die Stadt die Zusammenlegung von Standesämtern, um die „Effizienz“ der Behörde zu steigern. Denn die hat derzeit viel zu tun.

Nicht nur, weil man nach der Einführung des Zentralen Personenstandsregisters im Jahr 2014 noch immer mit der Nacherfassung der Daten beschäftig ist. Sondern auch wegen neuer Gesetze wie jenem zur „Ehe für Alle“. Deshalb müssen am Standesamt etwa mehr Beratungsgespräche durchgeführt werden.

Der Plan ist, das Standesamt des 8. Bezirks mit jenem des 5. Bezirks in der Wilhelm-Exner-Gasse am Alsergrund zusammenzulegen. Das Amtsgebäude dort wird nämlich frei, weil das Magistratische Bezirksamt des 9. Bezirks mit jenem des 17. Bezirks fusioniert wird und deshalb auf den Elterleinplatz zieht.

In der Josefstadt will man von der Effizienzsteigerung nichts wissen, sondern einfach sein Standesamt – mit dem netten Trauungssaal und dem schönen Vorplatz – behalten.

Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) fürchtet zudem um die Betriebe im Bezirk, die mit Geschäftseinbußen zu rechnen hätten. 1.350 Menschen haben die Petition zum Erhalt des Standesamtes am Schlesinger Platz unterzeichnet.

Angebot steht

Der zuständige Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) hat dem Bezirk zwei Kompromissvorschläge unterbreitet: Entweder, das Standesamt am Schlesinger Platz kann künftig zwischen Montag und Mittwoch einen Tag geöffnet bleiben – mit etwa vier bis fünf Nachmittagsterminen (alternativ dazu wäre alle sechs Wochen ein Freitagvormittag mit drei Trauungsterminen möglich).

Oder das Amt wird Freitagnachmittag für drei Trauungstermine geöffnet. Der 8. Bezirk hat sich (noch) für keines der Angebote entschieden. Man will „konstruktiv“ mit dem Stadtratsbüro weiterverhandeln.