Chronik | Wien
18.06.2017

Warum immer mehr indische Paare in Wien heiraten

Immer mehr Ausländer heiraten in Wien und lassen sich die Zeremonien einiges kosten.

Ein Schlosspark, der für die Hochzeitszeremonie mit einem weißen Pavillon, rosa Teppich und opulenten Blumengestecken ausgestattet wurde, ein Fünfsternehotel, das komplett für Hochzeitsgäste reserviert wurde, und Bruno Mars als Stargast – das sind Eckpfeiler der pompösen indischen Hochzeit zwischen Sonam Vaswani (Tochter des zwei MilliardenUS-Dollar schweren Großindustriellen Sunil Vaswani) und Navin Fabiani ( Sohn des indischen Geschäftsmannes Kamal Fabiani), die Anfang Juni ausgerechnet in der österreichischen Bundeshauptstadt stattgefunden hat.

Inder, die sich im 6500 Kilometer entfernten Wien das Jawort geben? So ungewöhnlich ist das nicht. "Destination Weddings", also Hochzeiten, die mehr als 100 Kilometer entfernt vom aktuellen Wohnort des Brautpaares stattfinden, liegen im Trend. Die Zahl der nicht-österreichischen Paare, die hierzulande heiraten, steigt seit Jahren kontinuierlich: Vergangenes Jahr waren es 3471. Immer mehr Hochzeitsplaner spezialisieren sich auf diese Kundengruppe. Unter dem Motto "Say Yes in Vienna" organisiert die Hochzeitsplanerin Irene Gutan derzeit etwa Fotoshoots mit Vorzeigeunternehmen wie dem Hotel Sacher, Augarten Porzellan oder Lobmeyr, um Verliebte aus der ganzen Welt auf Wien aufmerksam zu machen.

Gleichzeitig scheint sich Wien zu einer neuen Lieblingslocation der indischen Bevölkerung zu etablieren. Laut WienTourismus hat sich die Zahl der indischen Touristen von Jänner bis April 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 30 Prozent gesteigert.

Vielleicht haben sich einige Inder bei der Wahl ihres nächsten Urlaubsorts von einer anderen beeindruckenden indischen Hochzeit inspirieren lassen, die vor genau einem Jahr ebenfalls in Wien stattgefunden hat.

Knapp 1000 Gäste feierten damals drei Tage lang – unter anderem in der Hofburg, dem Palais Liechtenstein und dem Belvedere. Für die Hochzeit seines Sohns hatte der indische Stahl-Magnat Sajjan Jindal nämlich weder Kosten noch Mühen gescheut: Küchenchefs wurden eingeflogen, nahezu alle Fünfsternehotels in Wien waren ausgebucht und die Sänger Mika sowie Enrique Iglesias als Star-Acts engagiert.

Imperiales Wien zieht

Eine Firma, die beim Thema "Indische Hochzeiten in Österreich" rasch ins Gespräch kommt, ist die Eventagentur Inspiria. Seit ihrer ersten indischen Hochzeit vor drei Jahren in Salzburg, sind die Anfragen nicht abgerissen.

Warum Wien bei indischen Paaren so beliebt ist? "Für unsere indischen Gäste sind vor allem die Locations wichtig", sagt Inspiria-Geschäftsführer Stefan Heissel.

"Hier steht ganz klar das imperiale Wien im Vordergrund. Viele schätzen auch die kurzen Distanzen zwischen den Locations und deren Erreichbarkeit."

Damit solch pompöse Hochzeiten auch künftig in der Größenordnung stattfinden können, braucht es natürlich ein Engagement seitens der Stadt und der Institutionen, meint Heissel weiter: "So ein Event bringt ja auch einen wirtschaftlichen Gewinn. Wir gehen von einer Wertschöpfung pro Gast zwischen 5000 und 10.000 Euro aus. Unsere Gäste bleiben bis zu einer Woche. In letzten beiden Jahren haben wir für etwa 5000 zusätzliche Übernachtungen in den Top Adressen Wiens gesorgt."

Der WienTourismus setzt in seinen Marketing-Aktionen in Indien bereits bewusst einen Schwerpunkt auf das romantische Wien.

Und so dürfte es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis der Schlosspark Belvedere für die nächste Zeremonie geschmückt wird. Vier weitere Anfragen hat die Inspiria Agentur bereits erhalten.