Feinschliff vor der Wiedereröffnung der Station

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Reportage
01/28/2020

Sperre U4-Station Pilgramgasse: "War ein Kampf ums Überleben"

Nach einem Jahr Bauarbeiten halten ab Freitag wieder Züge. Geschäftsleute und Anrainer sind erleichtert.

von Katharina Zach

Ehsan Bamyani kredenzt hervorragende Kofta und auch Ghormeh Sabzi, doch das weiß fast niemand. Denn seit der 42-jährige Afghane vor acht Monaten sein Restaurant „Peace kitchen“ in der Pilgramgasse eröffnet hat, fehlt ausreichend Laufkundschaft. Den Weg zur U-Bahn vorbei an seinem Lokal nimmt derzeit kaum jemand: Wegen Umbauarbeiten zum U-Bahnkreuz U4/U2 ist die Station seit Februar 2019 gesperrt.

Dass Bamyani trotzdem optimistisch ist, hat einen simplen Grund: Ab Freitag, 5 Uhr, hält die U4 wieder in der Pilgramgasse – und Anrainern und Geschäftsleuten fällt mit einem geseufzten „Gott sei Dank“ ein Stein vom Herzen. Sogar eine Party unter dem Motto „Pilgram back on Track“ steigt am Samstag in der Café-Bar „werkzeugH“.

Doch noch laufen die letzten Arbeiten. Deckenpaneele werden montiert, die Feuerlöscher aufgehängt und Kabel verlegt.

Dass die Absperrgitter vor dem Stationseingang endlich entfernt werden, kann Agness L. kaum erwarten.

„Wir haben genug vom Herumsitzen“, sagt sie. Was die Trafikmitarbeiterin meint: Dass sich endlich wieder Kunden in das kleine Geschäft im historischen Otto-Wagner-Stationsgebäude verirren. „Wir hatten 80 Prozent weniger Umsatz. Es war ein Kampf ums Überleben“, erzählt sie.

Und die Trafik sei nicht alleine gewesen. „Die ganze Pilgramgasse war ein Jahr lang tot.“

Beschwerliche Anreise

Das bestätigt Nico Özcan, Inhaber des Cafés „Maestro“. „Das mit der U-Bahn-Station hat uns kaputtgemacht“, sagt er. Knapp 3.000 Euro Verlust pro Monat hätte er zuletzt (auch wegen des Rauchverbots) gemacht; die von der Stadt ausbezahlte Förderung könne das nicht kompensieren. Viele Stammgäste hätten die längere Anreise per Bus oder zu Fuß nicht auf sich genommen.

Ähnliches berichtet Stephan Mattersberger im „Rave Up Records“ in der nahen Hofmühlgasse in Mariahilf. Der Plattenladen seines Freundes „Rayna“ Reuter hätte mit 40 Prozent Geschäftsrückgang zu kämpfen. Da hätten auch die Förderungen wenig genützt. Viele Musikfans hätten sich nun anders orientiert, kauften in anderen Geschäften oder online ein.

„Es kann passieren, dass die dauerhaft verloren sind“, meint er. Überhaupt: Die Baustelle sei ja nicht zu Ende.

Was Mattersberger meint: Die U4 mag wieder in der Pilgramgasse halten, doch unterirdisch gehen die Arbeiten weiter.

Bis 2027 soll die lila Linie U2 die U4 unter dem Wienfluss kreuzen. Deshalb stehen auch in der Pilgramgasse noch Arbeiten an. Bis zur Fertigstellung ist daher auch die Barrierefreiheit eingeschränkt; der Bahnsteig Richtung Hütteldorf ist nur über eine Rampe erreichbar, die noch dazu zehn Prozent Steigung aufweist.

„Überglücklich“

Doch während Musikfan Mattersberger ob der Zukunft skeptisch ist, ist Kaffeehaus-Chef Özcan „überglücklich“, dass die U4 am Freitag wieder hält. Schließlich wäre er nicht seit mehr als 30 Jahren Gastronom, würde er nicht nach vorne sehen. Mit seinen Gästen will der Cafetier an diesem Abend mit Sekt anstoßen.

Da könnte dann auch Renata Lemler von der nahen Confiserie Eibensteiner vorbeischauen, die dem Freitag ebenfalls entgegengefiebert hat – sogar die Tage am Kalender habe sie durchgestrichen, erzählt sie.

Oder sie schaut bei Restaurantbesitzer Bamyani vorbei, der für seinem persischen Abend ebenfalls bewusst dieses Datum gewählt hat. Denn das wissen alle genau: Die U4 bringt wieder die Gäste.

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