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Chronik Wien
12/28/2019

U-Bahnstation Pilgramgasse bleibt sieben Jahre ohne Aufzug

Ab 31. Jänner hält die U4 in der Pilgramgasse, die Arbeiten in der Station dauern noch bis 2027.

von Anna-Maria Bauer

Die letzten Leitungen werden verlegt, die ersten Testläufe durchgeführt. Die Sanierungsarbeiten in der U4-Station Pilgramgasse befinden sich in den finalen Zügen. Ab 31. Jänner 2020 wird diese Station nach einjähriger Sperre wieder in Betrieb gehen. Benutzbar wird sie in den kommenden sieben Jahren noch nicht für alle sein. Denn bis 2027 wird diese Station um einen Stopp der Linie U2 erweitert und in dieser Zeit ist die Barrierefreiheit eingeschränkt; es wird keine Aufzüge geben.

Die bestehende Liftanlage musste für die Sanierung nämlich abgetragen und kann bis zur Fertigstellung nicht mehr aufgebaut werden. Nach Fertigstellung der Station werden drei barrierefreie Ausgänge zur Verfügung stehen: in der Ramperstorffer-, in der Hofmühl- und in der Pilgramgasse.

Dann wird auch die 2.000 Quadratmeter große Arbeitsplatte wieder entfernt, die derzeit über dem Wienfluss liegt. Sie dient für die Dauer der Bauarbeiten als Ablagefläche für Baumaterialien und soll verhindern, dass der umliegende Verkehr allzu sehr beeinträchtigt wird.

Rampe und Turm

Am stadtauswärts gelegenen Ende der Station wurden bis Fertigstellung der Baustelle ersatzweise Zugänge geschaffen. In Fahrtrichtung Hütteldorf wird eine witterungsgeschützte, jedoch teilweise recht steile Rampe errichtet (bis zu zehn Prozent Steigung). Sie soll mit Rollstuhl und Kinderwagen schwierig, aber doch zu befahren sein. In Fahrtrichtung Heiligenstadt ist keine Rampe möglich. Hier gibt es einen Treppenturm.

Der U-Bahn-Zugang stadteinwärts bei der Pilgrambrücke wird wie gehabt über Stiegen möglich sein.

Von den Wiener Linien heißt es am Samstag, man bedauere die Situation. Man habe verschiedenste Varianten geprüft und sich schweren Herzens für diese Version entschieden. Aushänge in den Stationen würden über die Situation informieren. Man habe auch den Kontakt mit betroffenen Vereinen gesucht.

Kritik und Verständnis

Dort zeigt sich auf KURIER-Nachfrage ein konträres Bild. Martin Ladstätter, Gründungsmitglied und Obmann von Bizeps, dem österreichischen Zentrum für selbstbestimmtes Leben, kritisiert die Vorgehensweise der Wiener Linien und kann sie nicht nachvollziehen. „Es passt nicht zur Barrierefreiheit, die die Wiener Linien sonst immer propagieren.“ Er verstehe nicht, weshalb keine passende Lösung gemeinsam mit den Betroffenen gefunden wurde.

Der Sprecher des ÖZIV Bundesverbands (Interessensvertretung für Menschen mit Behinderungen) findet versöhnlichere Töne: „Es ist natürlich bedauerlich, dass es so lange keinen Lift geben wird. Für jemanden, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, können schon 300 Meter sehr anstrengend sein. Generell sind die Wiener Linien bei dem Thema aber sehr bemüht.“ Die Informationspolitik sei auch tadellos. Und gerade in diesem Teil der Stadt gebe es ausreichend Ausweichmöglichkeiten. „Das haben wir ja dieses Jahr schon ausprobieren können.“

Wien auf Platz zwei

In der diesjährigen Studie des Reiseanbieters Alpharooms über die Barrierefreiheit europäischer Städte belegt die Stadt Wien übrigens den zweiten Platz, gleich nach Dublin. Schlusslicht bilden London und Paris.

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