Das Semmelweis-Areal mit der Amadeus-Musikschule ist laufend wegen der dortigen Immobilien-Deals in den Schlagzeilen.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik | Wien
06/25/2019

Semmelweis-Areal: Käufer für Musikschul-Pavillons gefunden

Statt der geplanten Versteigerung soll es zum Verkauf der drei Gebäude in Wien-Währing kommen.

Erneut könnte sich am Semmelweis-Gelände in Währing in letzter Minute das Blatt wenden. Jene drei Pavillons der ehemaligen Frauenklinik, in denen jetzt die private Musikschule „Amadeus International School“ residiert, sollen morgen, Mittwoch versteigert werden.

Doch der Termin könnte kurzfristig abgesagt werden – wieder einmal. Denn wie der KURIER erfahren hat, könnten die Pavillons noch vor der Versteigerung den Besitzer wechseln.

Grund für die Versteigerung sind finanzielle Schwierigkeiten des Immobilienentwicklers Nikolaus Peter Lengersdorff. Im gehört – seit Kurzem zur Gänze – die „Amadeus Vienna Campus Eigentümergesellschaft“. Sie besitzt die Pavillons.

Vorvertrag unterzeichnet

Wie Lengersdorff dem KURIER sagt, will nun der Unternehmer Jakob Miklau die Liegenschaft kaufen für 48,5 Millionen Euro.

Ein entsprechender Vorvertrag sei bereits im Mai unterzeichnet worden. Miklau führt mehrere Immobilien- und Baugesellschaften sowie zwei Ferienressorts in Ebenthal in Kärnten. Er war für den KURIER nicht erreichbar.

Spekulationsobjekt?

Der Verkauf ist insofern brisant, weil die Besitzverhältnisse am Areal seit seiner Privatisierung im Jahr 2012 unter strenger Beobachtung stehen. 2012 hat die Stadt das Gelände an Private verkauft. Und zwar unter der – vertraglich festgeschriebenen Verpflichtung –, das Gelände bis 2027 für Bildungszwecke zu nutzen.

Immer wieder werden aber Vorwürfe laut, dass die wechselnden Eigentümer anderes im Sinn haben: Immobilienspekulation und den Bau von Luxuswohnungen.

Für Lengersdorff wäre der Verkauf ein Gewinn: Er könnte mit dem Erlös seine Schulden von rund 31 Millionen Euro bei der F.R.F.-HPM-Beteiligungen GmbH (Stiftung der Familie Koch, ehemals Leiner/Kika) begleichen. 2014 hatte er bei ihr ein Darlehen aufgenommen. Zur Besicherung hat er ein Pfandrecht für die Schulpavillons eingeräumt.

Weil Lengersdorff nicht zahlte, wurde diese Vereinbarung vergangenen Juni schlagend: Um an ihr Geld zu kommen, trieb die Koch-Stiftung die Versteigerung der Gebäude voran.

Als sich zu Jahreswechsel eine einvernehmliche Lösung abzeichnete, setzte die Koch-Stiftung die Versteigerung zwischenzeitlich aus. Allerdings nur vorübergehend: Die Lösung platzte, der 26. Juni wurde als neuer Termin festgesetzt.

Kurzfristige Absage möglich

Lengersdorff gibt sich aber zuversichtlich, dass auch der neue Termin nicht zu Stande kommt. Man sei "im besten Einvernehmen mit der Koch-Stiftung", betont er gegenüber dem KURIER.

Sobald eine Zahlungssicherung von der Bank des Käufers Miklau vorliege, werde die Versteigerung abgesagt. Letzteres sei bis unmittelbar vor dem Termin möglich, erklärt eine Sprecherin des zuständigen Bezirksgerichts Döbling auf Anfrage.

Montagfrüh konnten Interessenten die Gebäude vor der Versteigerung jedenfalls besichtigen. Der Andrang war überschaubar: Lediglich zwei Interessenten fanden sich ein.

Kommt der Deal zwischen Lengersdorff und Miklau tatsächlich zustande, hat auch die Stadt Wien noch ein Wörtchen mitzureden. Sie hat nämlich ein Vorkaufsrecht. Er müsse der Stadt das Areal jedenfalls anbieten, sagt Lengersdorff.

Dort ist das Interesse aber eher gering: „Was man für das Areal wolle – nämlich eine Schule – sei ohnehin abgesichert“, sagt eine Sprecherin des Wohnbauressorts.

Schule: Bestand gesichert

Der Schulbetreiber sieht einen möglichen Wechsel des Pavillon-Eigentümers ebenfalls gelassen. Man habe „unbefristete Mietverträge“, der  Fortbestand sei gesichert.