Chronik | Wien
15.12.2018

Semmelweis-Areal: Kommt Eliteschule doch nicht unter den Hammer?

Nach dem Krach um die Amadeus-Schule ist eine Lösung in Sicht. Die Versteigerung von drei Pavillons könnte vom Tisch sein.

Rechtzeitig vor den Feiertagen deuten die Zeichen am Semmelweis-Areal auf Weihnachtsfrieden. Wie berichtet, sind die Verstimmungen zwischen dem Betreiber der privaten Amadeus-Musikschule und dem Liegenschaftseigentümer soweit eskaliert, dass die Gebäude im Jänner unter den Hammer kommen sollen.

Das heizte zuletzt erneut Gerüchte über Immobilienspekulation an. Aber: KURIER-Informationen zufolge könnte die Versteigerung bald vom Tisch sein.

Langer Disput

Zur Erinnerung: 2012 hatte die Stadt Wien Haus 3 sowie Pavillon 1 und 2 der Semmelweis-Frauenklinik in Währing an die Amadeus Vienna Campus Eigentümergesellschaft verkauft.

Hinter ihr stehen Immobilienentwickler Nikolaus Peter Lengersdorff und eine Gruppe von Eltern um den Singapurer Zahnarzt Wilson Goh. Letzterer betreibt auch die Schule. Ein Streit um den Mietvertrag entzweite die Partner unlängst allerdings.

Während die Schulbetreiber meinten, alle Verpflichtungen erfüllt zu haben, klagte Lengersdorff über ausgebliebene Mietzahlungen.

Und das brachte ihm finanzielle Probleme ein: Lengersdorff konnte ein 20-Millionen-Euro-Darlehen bei der F.R.F.-HPM-Beteiligungen GmbH (Stiftung der Familie Koch, ehemals Leiner/Kika-Eigentümer, Anm.) nicht mehr bedienen.

Daraufhin setzte ein Gericht im Herbst die Zwangsversteigerung der Schulgebäude an: Lengersdorff hatte das Darlehen mit ihnen besichert.

Die drohende Versteigerung war wiederum Wasser auf den Mühlen von Kritikern des Pavillon-Verkaufs.

Die Eigentümer hätten es absichtlich so weit kommen lassen, um sich des Vorkaufsrechts der Stadt und eventuell auch der Bindung an Bildungszwecke zu entledigen, hieß es. Ziel der Aktion: der Bau von Luxus-Appartements.

Mietstreit beigelegt

Diese Woche könnte nun einen Wendepunkt in der verfahrenen Situation markieren. Denn Lengersdorff und Goh besiegelten am Montag eine Einigung, die die Mietzahlungen wieder in Gang setzt. Teil der Abmachung sind auch neue Sicherheiten für Lengersdorff und eine Neuordnung des Firmenkonstrukts.

Lengersdorff übernimmt die Eigentümergesellschaft zur Gänze, während Goh mit einem Amerikaner und einem Banker aus Singapur die Schule betreibt.

Verhandlungen vor Weihnachten

„Es würde mich sehr wundern, wenn ich mich jetzt nicht mit der Koch-Stiftung einigen könnte“, sagt Lengersdorff im KURIER-Gespräch. Er wolle noch vor Weihnachten Verhandlungen starten, um die Versteigerung abzuwenden.

Ist also bald wieder alles in Ordnung? Udo Guggenbichler, FP-Gemeinderat und Kritiker des Pavillon-Verkaufs, will das so lange nicht glauben, bis der Termin tatsächlich abgeblasen ist: „Für mich steht noch immer Spekulation im Raum.“

Ausbau der Schule geplant

Das streitet Lengersdorff vehement ab. „Ich hatte keine Sekunde die Idee, Wohnungen zu bauen“, betont er. „Die Schule bleibt“, sagt auch Goh. Er wolle sie nun „zur schönsten Schule Wiens“ entwickeln. 

Ein Baustein dazu sei die Umgestaltung des derzeit leer stehenden Pavillons 2. Das verfallene Gebäude soll künftig Klassen- und Internatszimmer beherbergen.

Eine Baugenehmigung liegt bereits vor – im Frühjahr sollen die Arbeiten starten. Ab dem Schuljahr 2020/21 können anstatt 80 bis zu 140 Internatsschüler untergebracht werden. Insgesamt soll die Schülerzahl von rund 280 auf über 400 steigen.