Chronik | Wien
13.09.2018

Semmelweis-Areal: Schul-Pavillons sind 32 Millionen wert

Stadt verkaufte die Liegenschaften um 14 Millionen Euro. Nun sollen sie versteigert werden

Die Versteigerung der Schul-Pavillons am Semmelweis-Areal in Währing rückt näher. Am Donnerstag legte das zuständige Gericht fest, dass das Haus 3 und die Pavillons 1 und 2 am 31. Jänner 2019 unter den Hammer kommen. Ein Sachverständiger schätzte zu diesem Zweck die Liegenschaften. Er kam auf einen Wert von rund 31,6 Millionen Euro – und damit auf eine deutlich höhere Summe, als die Stadt 2012 verlangte. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Deal und zur drohenden Versteigerung.

Wie kam es zum Verkauf?

2012 veräußerte die Stadt drei Gebäude auf dem Frauenklinik-Gelände an die Amadeus Campus Eigentümer Gesellschaft. Diese vermietete die Häuser an eine Privat-Musikschule. Der Preis von rund 14 Millionen Euro wurde damals als viel zu gering kritisiert. Die Stadt rechtfertigte sich mit der Verpflichtung des Käufers, das Areal bis 2027 nur für Bildungszwecke zu nutzen. Laut aktuellem Gutachten sind Pavillon 1 und 2 zusammen rund 20,4 und Haus 3 11,2 Millionen Euro wert.

Die Stadt verramschte die Häuser also?

Aus Sicht der Opposition: ja. „Die Stadt Wien hat diese wunderschönen Immobilien in bester Lage seinerzeit weit unter Wert verscherbelt“, kritisiert Neos-Klubchef Christoph Wiederkehr. Tatsächlich berappte die Amadeus Gesellschaft weniger als die Hälfte des festgestellten Werts. Aber: Seither sind sechs Jahre verstrichen – Miet- und Liegenschaftspreise, die den Wert einer Immobilie steigern, zogen seither an. Denselben Effekt haben Investitionen wie Renovierungsarbeiten. Ob und wie viel die Stadt draufzahlte, ist aufgrund dieser vielen Faktoren selbst für Immobilien-Experten schwer zu beurteilen.

Wie kam es zu Versteigerung?

Die Amadeus Campus Gesellschaft hatte der F.R.F.-HPM-Beteiligungen GmbH (Stiftung der Familie Koch, ehemals Leiner/Kika, Anm.) zur Besicherung eines Darlehens ein Pfandrecht eingeräumt. Aufgrund offener Rechnungen wird das nun schlagend. Grund für die finanziellen Turbulenzen ist ein Streit zwischen dem Schulbetreiber und der Amadeus Gesellschaft um die Miete. Pavillon-Mehrheitseigentümer Nikolaus Peter Lengersdorff ließ deswegen zuletzt sogar den Schulspielplatz sperren, wie ein internes E-Mail zeigt.

Warum ist die Versteigerung problematisch?

Die Stadt verliert dadurch ihr Vorkaufsrecht. Auch die Zweckwidmung könnte fallen – was das Wohnbauressort allerdings vehement bestreitet. Damit würde der Weg für Luxusimmobilien frei werden. Um das zu verhindern, will die Stadt 2020 die Widmung ändern (siehe unten). Den Schul-Mietvertrag muss ein neuer Eigentümer übernehmen.

Kann die Versteigerung verhindert werden?

Bis 31. Jänner können sich die beteiligten Parteien noch einigen – wovon Lengersdorff offenbar ausgeht. „Die Koch-Stiftung und ich sind in bestem Einvernehmen. Es wird keine Versteigerung geben“, erklärt er dem KURIER. Außerdem werde er das Gutachten beeinspruchen. Denn: Der Wert sei aufgrund seiner vielen Investitionen zu niedrig angesetzt.

Die Immobilien

Das Haus 3 ist das ehemalige Ammenhaus der Frauenklinik, in Pavillon 1 und 2 war das Charlotte-Bühler-Heim untergebracht.

Der Vorwurf

Kritiker des Deals regt die  Versteigerung auch deshalb auf, weil sie glauben, dass die Amadeus Campus Gesellschaft ihre Pleite absichtlich herbeiführte – um aus einer Versteigerung zum Marktwert Profit zu schlagen.

Die Widmung

Die Bausperre ist bereits beschlossen, kann aber erst verspätet in Kraft treten. Während der Sperre soll die bestehende Widmung als Wohngebiet geändert werden.