Chronik | Wien
30.08.2018

Wiener Semmelweis-Areal: Es tönt erneut nach Spekulation

Eigentümer der privaten Amadeus-Musikschule in Währing ließ Verstoß gegen Zweckbindung der Pavillons prüfen.

Ist die Amadeus-Musikschule Tarnung für Immobilienspekulationen? Diese Frage sorgt seit Jahren immer wieder für Aufregung. Wasser auf den Mühlen von Anhängern dieser Theorie ist ein nun aufgetauchtes Gutachten, das dem KURIER vorliegt. Und: Die Bausperre für das Areal – und damit sein Schutz vor gewinnbringender Verwertung – verzögert sich.

Rückblende: Im März 2012 veräußert die Stadt die Pavillons 1-3 der Semmelweis-Klinik in Währing an die Amadeus Campus Eigentümergesellschaft, die diese an eine Privat-Musikschule vermietet. 2016 gibt es den ersten Wirbel: Die Stadt habe das Areal an Investoren verscherbelt, die dort langfristig Luxuswohnungen errichten wollen, heißt es. Das Rathaus rechtfertigt den niedrigen Preis mit der Verpflichtung des Käufers, die Häuser bis 2027 nur für Bildungs- und kulturelle Zwecke zu nutzen.

Laut dem Gutachten ließ  Nikolaus Peter Lengersdorff, der die Mehrheit an der Eigentümergesellschaft hält, rund um den Vertragsabschluss für den Pavillon 3 prüfen, welche Folgen eine Verletzung dieses Passus’ hätte. Der mit dem Gutachten beauftragte Jurist kommt zum Schluss, dass die Stadt Lengersdorff wohl klagen würde.

Zudem erläutert der Anwalt den Spielraum für eine „sonstige Verwertung“. Sein Resümee: Der Käufer darf „temporäre Wohnmöglichkeiten“ schaffen und an Schüler oder Lehrer der Amadeus-Schule sowie externe Studenten vermieten oder verkaufen.

FPÖ: "Anleitung zur Spekulation"

Für Gemeinderat Udo Guggenbichler ( FPÖ) ist das Gutachten der Beweis, dass es Lengersdorff nie um eine Schule gegangen sei. „Er hat sich eine Anleitung zur Immobilienspekulation geholt“, sagt er.

Lengersdorff verteidigt sich: „Wir haben kein Wohnungsthema, jeder kann sich das anschauen“. Banken hätten das Gutachten verlangt: „Denen muss man sagen, was passieren würde, wenn die Schule nicht funktioniert.“ Theoretisch könne er zwar Wohnungen bauen und verkaufen – aber eben nur an Geigenprofessoren, sagt Lengersdorff. „Das hat nichts mit Luxusimmobilien zu tun.“

Bausperre verspätet sich

Die Stadt treibt indes eine Bausperre für das Areal voran. Maria Vassilakou (Grüne) hatte eine solche angekündigt, als der Deal im Juni wegen drohender Zwangsversteigerung der Schul-Pavillons – bedingt durch finanzielle Turbulenzen der Eigentümergesellschaft – erneut in die Schlagzeilen geraten war. Während der Sperre solle die Widmung von Wohngebiet auf Nutzung für Bildungszwecke geändert werden, um das Areal dem „spekulativen Markt“ zu entziehen, erklärte die Planungsstadträtin.

Der zuständige Ausschuss im Gemeinderat soll die Sperre im September auch beschließen. Bloß: In Kraft treten kann sie dann nicht.

Denn die Amadeus Campus Gesellschaft ließ sich nach Vassilakous Ankündigung im Juli die Bebauungsbestimmungen bekannt geben – wodurch der aktuelle Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für 18 Monate gültig bleibt (mehr dazu hier). Die Stadt hat für den Fall, dass der Kaufvertrag durch eine Versteigerung unwirksam wird, also nur bedingt Handhabe gegen Wohnungsbau.

Versteigerungstermin noch nicht fixiert

Lengersdorff versichert aber ohnehin, die Versteigerung „gut im Griff“ zu haben. Die Bestimmungen habe er nur ausheben lassen, um einen bereits bewilligten Umbau des Hauses 2 für Schulzwecke wie geplant durchführen zu können.

Laut dem Bezirksgericht Döbling hat ein Sachverständiger bereits den Wert der Liegenschaft geschätzt. Nun muss der zuständige Richter den nächsten Schritt festlegen. Eine der Optionen ist die Ausschreibung des Versteigerungstermins.