Chronik | Wien
29.06.2018

Wiener Semmelweis-Areal: Harmoniesuche im Mietstreit

Versteigerung der Schul-Pavillons könnte abgewendet sein. Opposition fordert Aufklärung von Immobiliendeals.

Eine nicht alltägliche Allianz zog am Donnerstag der seit längerem umstrittene Verkauf von Flächen am Semmelweis-Areal in Währing nach sich. Im Vorfeld des Sondergemeinderats zur Causa am heutigen Freitag kritisierten die Neos gemeinsam mit der FPÖ die Immobiliendeals. Ungereimtheiten sehen sie sowohl in Bezug auf den Verkauf einer Fläche an die gewerkschaftsnahe „at home Immobilien GmbH“, als auch auf die Veräußerung jener Bauten, in denen die private Musikschule Amadeus International School untergebracht wurde. Indes könnte die im Raum stehende Zwangsversteigerung der Schul-Pavillons passé sein.

Wie berichtet, hatte die Stadt beide Liegenschaften 2012 verkauft – und zwar ohne Ausschreibung sowie unter ihrem tatsächlichen Wert, kritisiert die Opposition. „Bürgermeister Michael Ludwig schweigt, es ist ihm unangenehm, weil er als Stadtrat (für Wohnbau, Anm.) mitverantwortlich war. Wir werden ihn zur Rechenschaft ziehen“, kündigte Neos-Gemeinderat Christoph Wiederkehr an.

„Diese Geschichte ist einfach sehr eigentümlich“, befand FPÖ-Mandatar Udo Guggenbichler. „Wir wünschen uns Aufklärung und eine Stellungnahme des Bürgermeisters.“ Seine Fraktion werde den Stadtrechnungshof mit einer Prüfung der Liegenschaftsverkäufe beauftragen, sagte er. Auch die ÖVP hat bereits ein Prüfansuchen an den Rechnungshof gestellt.

Lösung gesucht

Abseits der politischen Ebene wurden inzwischen Schritte gesetzt, die eine Einigung zwischen Pavillon-Eigentümern und Gläubigern wahrscheinlicher werden lassen. Denn die Amadeus Vienna Campus Eigentümergesellschaft und der Schulbetreiber haben sich auf einen Mietvertrag geeinigt, sagt Nikolaus Peter Lengersdorff. Einen solchen habe es laut ihm nicht gegeben.

Der Immobilienentwickler hält 60 Prozent an der Amadeus Campus. Der Rest gehört einer Gruppe von Eltern um die Singapurer Familie Goh, die auch die Schule betreibt. Mit ihr habe er in den vergangenen Monaten um einen Mietvertrag gerungen, Zahlungen seien ausgeblieben.

Die Schule vertritt hingegen die Rechtsauffassung, dass sehr wohl ein Mietvertrag bestanden und sie alle Verpflichtungen erfüllt habe. Das sei auch in allen bisherigen Verfahren bestätigt worden, heißt es auf Nachfrage. Laut Lengersdorff soll die Übereinkunft kommende Woche fixiert werden. Und: „Diese Einigung impliziert eine Einigung mit der Koch-Stiftung“, sagt er.

Wie berichtet, fordert die Familienstiftung der ehemaligen Leiner/Kika-Eigentümer Koch über 20 Millionen Euro von Amadeus Campus wegen eines Darlehens und hat zu deren Hereinbringung eine Zwangs-Versteigerung angestrengt. Schätzungen zufolge wäre diese mit einem Gewinn für Amadeus Campus verbunden gewesen, die Opposition hatte daher Immobilienspekulation geortet. „Das ist Quatsch“, dementiert Lengersdorff .